EnneaForum 37, S. 21 (Mai 2010)

Margrita Appelhans

Perlen als Begleiter bei Tag und bei Nacht

Andreas Ebert, Marion Küstenmacher:
Die Perlen der Seele
Meditieren mit dem Enneagramm
(mit Perlenband und Leporello für unterwegs)
Claudius 2009
ISBN 978-3-532-62386-2
25,- Euro

Ein kleines Buch – ein großes Geschenk

Perlenketten als Gebetsbegleiter gibt es in vielen Religionen – allein in der christlichen Tradition kennen wir den Rosenkranz, das Komboloi, den Tschotki und die „Perlen des Glaubens“. Marion Küstenmacher und Andreas Ebert haben nun ein Perlenband entwickelt, das im Kontext der spirituellen Arbeit mit dem Enneagramm ganz neue Wege eröffnet.
Die Überlieferung aufgreifend, das jedem Enneagrammmuster eine Farbe zugeordnet werden kann, haben sie ein Gebetsband entworfen, in dem jedes Enneagrammmuster durch eine farbige Perle vertreten ist; die neun farbigen Perlen (silber, rot, gelb, violett, blau, braun, grün, schwarz-weiß, gold), eine transparente Perle der Transzendenz und acht weiße Perlen der Stille bilden den Perlenkranz.
In der Einführung zum Thema „Gebetsketten“ wird das Anliegen der Autoren, ein solches Hilfsmittel auch für das Gebet mit dem Enneagramm vorzustellen, sofort nachvollziehbar. Allerdings ist die kurze Erläuterung zum Rosenkranz – er diene vor allem dem Marienlob – nicht zutreffend. Hier wäre eine kleine Korrektur nötig.
In einem kurzen Kapitel stellen uns die Autoren anschließend die „Perlen der Seele“ einzeln vor, beschreiben uns in kurzen Worten ihre Qualität – natürlich begründet in den Eigenschaften des entsprechenden Enneagrammmusters -, liefern Assoziationen zur Farbe und fassen die Haupteigenschaft jeder Perle in einem Kernsatz zusammen. Das geschieht auf so prägnante Weise, dass der Leser nach diesen Seiten mit seinem Perlenband absolut vertraut ist.
Den Hauptteil des Büchleins aber bilden faszinierende Gebetsanregungen der verschiedensten Art. Um sie sich zu Eigen zu machen, spielt es keine Rolle, welches Muster der Beter für sich persönlich als das besonders ausgeprägte entdeckt hat. Die Texte machen vielmehr aufmerksam auf die Vielfalt, die uns das Enneagramm erschließt – in der eigenen Persönlichkeit wie in der unserer Mitmenschen. Und sie bieten Vorlagen für die unterschiedlichsten Gelegenheiten:
So finden wir den Segens- und den Schattenkranz unter „Selbsterforschung“, unter „Basisgebete“ den Morgenkranz, den Vaterunser-Kranz und den Abendkranz. Auch das Prozessmodell, mit dessen Hilfe sich beispielsweise Entscheidungsprozesse besser strukturieren lassen, hat ein eigenes Kapitel erhalten. Es ist staunenswert, wie die 10 Gebote ihren überzeugenden Platz in dem Perlenkranz finden, und mit dem Friedenskranz bekommen wir die Anregung für ein gemeinsames Gebet in Gruppen.
Ich hatte die große Freude, nach einem Seminar mit Marion Küstenmacher und Andreas Ebert im Mai 2009 diese wunderbare Idee gleich in zwei eigenen Kursen weitervermitteln zu können. Für blinde und sehbehinderte Teilnehmer gab es dabei Bänder mit Perlen unterschiedlicher Tastqualität. Und es ist bereits ein Perlenkranz im Kleinformat für die Hosentasche entstanden. Ich weiß von Teilnehmern, die – wie ich selber – den Perlenkranz sehr schnell zu ihrem ständigen Begleiter gewählt haben. „Jetzt wird mir der Reichtum, den mir das Enneagramm schenken kann, erst richtig bewusst“, fasste jemand seine ersten Eindrücke zusammen.
Die „Perlen der Seele“ laden ein zum eigenen Weiterbeten und Fortschreiben – bei Tag, bei Nacht, in eigenen und fremden Anliegen, in Freude und Leid, Angst und Dankbarkeit, allein und gemeinsam. Wer den Kranz bei sich trägt, findet immer wieder neue Situationen, in denen es hilft, ihn zu meditieren: Eine Freundin hat eine Operation vor sich, sie hat beim Seminar einen Perlenkranz bekommen, speziell für die Vorbereitung auf den Eingriff formuliert; und die Kursteilnehmer unterstützen sie im fürbittenden Gebet. Vor einem Trauergottesdienst meditiere ich, welche Eigenschaften des Verstorbenen mir bei jeder einzelnen Perle einfallen – das Gebet wird zu einem Kranz großer Dankbarkeit, diesen Menschen gekannt zu haben.
Mit den „Perlen der Seele“ haben Marion Küstenmacher und Andreas Ebert all jenen, die an der spirituellen Dimension des Enneagramms interessiert sind, ein großes Geschenk gemacht!

Aus EnneaForum 37 (Mai 2010), S. 21 © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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