EnneaForum 23, S. 08-09 (Mai 2003)

Ulla Peffermann-Fincke

Vertrauen Drei

Zum Thema Vertrauen (einer Drei)

Mein erster Gedanke?: „Um welches Vertrauen geht es eigentlich?? Um das Vertrauen zu mir, also um Selbst-Vertrauen oder um Gott – Vertrauen, oder ist ist dies sogar letztendlich das Gleiche???!“
Selbst-Vertrauen ist für mich wichtig, da ich – trotz besseren Wissen und Gewissens – mich immer wieder dabei ertappe, überzeugt davon zu sein, dass alles an mir liegt?: „Wenn ich es nicht in die Hand nehme, dann wird auch nichts aus Plänen, Zielen, Möglichkeiten. Wer sollte es sonst tun??“
Und wie ist es nun um das Gott- Vertrauen bestellt??
Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir die Frage gestellt?: “Gibt es Situationen, in denen ich keine Angst habe, weil eben Vertrauen da ist – nicht in die eigenen Fähigkeiten, sondern in eine höhere Instanz??“
Da fielen mir spontan meine vielen Reisen durch die Welt ein, die objektiv vielleicht gefährlich waren, bei denen ich selbst aber keine Angst hatte. Ich habe gemerkt, dass ich mich auf Reisen Gott sehr nahe fühle?; es gibt soviel Ungewissheit, so vieles, was nicht planbar, nicht machbar ist. Merkwürdigerweise konnte und kann ich genau das in diesen Situationen akzeptieren, es erleichtert mich geradezu. Ich begebe mich wirklich in Gottes Hand, bin neugierig auf das Leben in anderen Ländern, habe das Gefühl, Gott will mir dies alles zeigen und mich das Staunen lehren.
Ich kann dann in den nächsten Tag gehen, ohne zu wissen, was kommen mag – dafür aber mit der Gewissheit, es wird irgendwie gut, ohne dass ich etwas dazu tue.
Vielleicht ist mein Vertrauen gewachsen, weil mir bisher nichts Schlimmes passiert ist.
Ich bin durch Afrikas Wüste gereist und habe unvorsichtigerweise in stehenden Gewässern gebadet, zum Glück ohne ernsthafte Konsequenzen.Im chaotischen Bombay bin ich total übermüdet im Taxi eingeschlafen, aber der Taxifahrer setzte mich brav am Flughafen ab, direkt vor dem Air-India-Schalter, zu dem ich hin musste.
Mit den nur notwendigsten Spanisch-Kenntnissen bin ich durch die Bergwelt Honduras gefahren, um mir einige Kunststätten anzuschauen – und alles ging gut.
Glück gehabt???!
Ja, vielleicht einfach Glück gehabt. Aber dieses Behütet- Worden- Sein löst eine tiefe Freude und Dankbarkeit aus, wodurch wiederum neues Vertrauen erwächst.
Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich das Gefühl, als würde ich mir im Urlaub (der ja eine Ausnahmesituation ist) dieses Vertrauen gestatten, nicht aber im Alltag (in dem es ernst wird?!), da muss ich mich offenbar selber anstrengen?!
Vertrauen also als „Luxusgut“???!
Wenn ich begreife, dass ich diesen Luxus eigentlich immer in Anspruch nehmen kann, ist es schade um jeden Tag, an dem ich nicht davon Gebrauch mache. Insofern möchte ich lernen, jeden weiteren Tag in diesem Sinn „luxuriös“ zu leben.
Eine wichtige Hilfe ist mir dabei die Meditation geworden, da ich mich in der Stille von diesem engen „Alltagsbewusstsein“ distanzieren kann. Ich erlebe eine tiefere Dimension
des Bewusstseins, wo ich mich vertrauensvoll loslassen kann, mich in einem größeren
Zusammenhang aufgehoben fühle und Gott als tragenden Grund meines Lebens erfahre.

Aus EnneaForum 23 (Mai 2003), S. 08-09 © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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