EnneaForum 23, S. 02 (Mai 2003)

Claudia Montanus

Editorial - EnneaForum 23 (Mai 2003)

„Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins“ lese ich bei Freifrau von Ebner-Eschenbach.
Ich stutze?: Selbstbewusstsein, das verbinde ich für meine Person eher damit, das eigene Leben aktiv gestaltend in die Hand zu nehmen. Aus dem Schatten der Scheu und Zurückhaltung herauszutreten. Statt Mauerblümchen blühender Oleanderbusch zu werden. Statt grauer Maus getigerte Katze. Selbstbewusst zu sein, das meint doch, die eigenen Stärken aufmerksam wahrzunehmen und sie zur Entfaltung zu bringen. Sich selbst wichtig nehmen und anderen gegenüber auch so aufzutreten. Oder??
Dagegen ist wohl wenig einzuwenden. Und doch?: Wie bald bin ich an der Grenze zu dem Land angelangt, in dem die Parolen dröhnen?: „Machen Sie mehr aus sich?!“, „So verkaufen Sie sich besser?!“, „Treten sie lautstark auf, auch wenn Sie nichts zu sagen haben“ u.ä.
Wie anstrengend und auslaugend, sich in diesen Strudel des Do-it-yourself hineinziehen zu lassen, in dem es nicht mehr darum geht, sich selbst zu lieben und wertzuschätzen, sondern sich selbst mehr und mehr aufzublasen, um sich sicher zu fühlen in einer ach so unsicheren Welt. Nicht weit entfernt von darwinschem Life Style, wie ich meine.
Jesus bietet ein anderes Konzept an?: „Seht die Lilien auf dem Felde … sie säen nicht, sie ernten nicht …“
Ich sehe sie vor mir, meine wunderbar goldgelb leuchtenden Taglilien, die in jedem Jahr (und das vermehrt) zur rechten Zeit wiederkommen, ohne dass ich irgendetwas dazu tue. Selbstbewusst nehmen sie ihren Platz im Gartenbeet ein. Selbstbewusst schwingen sie ihre Röcke im Sommerwind, selbstbewusst glänzen sie mit ihrer sonnengleichen Farbe, ziehen sie in ihrer Fülle die Blicke auf sich. Sie haben kein „Push-up“ nötig, denn sie sind wohl in ihrer tiefsten Seele selbstbewusst gelassen.
Manchmal bin auch ich es?: Dann nämlich, wenn ich mich selbst „ver-lassen“ kann – auf die tragende Kraft meines Lebens hin. Wenn ich mich traue, auf meinen Schöpfer zu vertrauen. Wenn ich mich selbst nicht größer oder kleiner machen muss, als ich es bin. Wenn ich weiß?: Wie ich bin, bin ich richtig. Dann nehme ich wie von selbst meinen Platz in der Welt ein. Dann schwingen die Röcke meiner Seele im Wind des Lebens. Dann leuchte ich in den mir gegebenen Farben. Dann ziehe ich wohlwollende Blicke auf mich, denn solch ein gelassenes Selbstbewusstsein ist wohl wundersamerweise anmutig …
Diese von Gott uns allen geschenkte Zusage „Ich halte dich“ gelten zu lassen – das meint wohl Vertrauen.

Ich wünsche Euch und Ihnen den Mut, darauf täglich neu zu bauen, und die Erfahrung, inmitten den Widrigkeiten des Lebens gehalten zu sein?!

Aus EnneaForum 23 (Mai 2003), S. 02 © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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