Enneagramm und Wissenschaft - Teil 3

Das Enneagramm und die Kommunikationspsychologie nach Schulz von Thun.

Hinweis: Der komplette Beitrag (Teil 1 bis Teil 3) ist im Juli 2012 nun auch in engl. Sprache im The Enneagram Journal 5 der IAE, International Enneagram Association, erschienen und kann unter ISBN-10: 0985786116 bzw. ISBN-13: 9780985786113 im Buchhandel erstanden werden.

Von Sabine Gramm
Teil 3: In diesem Teil wird nun die konkrete Gegenüberstellung des Enneagramm und der Differentiellen Kommunikationspsychologie erfolgen.

Differentielle Kommunikationspsychologie

Der Begründer ist der 1944 in Soltau geborene Diplom-Psychologe Professor Dr. Friedemann Schulz von Thun. Er ist 2010 vom Hochschuldienst der Universität Hamburg in den offiziellen Ruhestand emeritiert und kümmert sich seither vornehmlich um sein Institut für Kommunikation www.schulz-von-thun.de. Seit Anfang der 80er Jahre hat er 14 Bücher zum Thema Kommunikation veröffentlicht, davon sind 11 zu Bestsellern geworden und teilweise in bis zu 8 Sprachen übersetzt. Zudem ist er bei 15 Büchern Mitautor bzw. Herausgeber, hat 10 Vorworte zu anderen Büchern geschrieben und 61 Zeitschriftenartikel veröffentlicht (Stand 2010). Er gilt als der derzeit bedeutendste lebende Kommunikationswissenschaftler im deutschsprachigen Raum. Seine herausragende Leistung besteht unter anderem darin, tiefenpsychologisch-komplexes zwischenmenschliches Verhalten klar zu analysieren, anhand von selbst erdachten Modellen gekonnt zu visualisieren und auf verständliche Art und Weise erklären zu können. Neben seinem bekanntesten Modell, dem Kommunikationsquadrat hat er unter anderem den Teufelskreis, das Situationsmodell und das Innere Team entwickelt sowie das Riemann-Thomann-Kreuz und das Wertequadrat nach Helwig publik gemacht. Die hier zu behandelnden acht Kommunikationsstile der Differentiellen Kommunikationspsychologie hat er in seinem 1989 erschienenen Buch „Miteinander Reden 2“ veröffentlicht.
Grundlage hierfür sind die Individualpsychologie und Charakterologie nach Alfred Adler, die 4 Angstformen nach Riemann, die Analytischen Persönlichkeitstheorien nach Reich, die Transaktionsanalyse von Berne sowie seine praktische Erfahrung als Trainer und Kommunikationstherapeut. Diese kommunikativen Phänotypen sind gemäß seinen eigenen Worten folgendermaßen entstanden: „Was mir wiederholt begegnet und sich als Ausgangspunkt für persönliche Weiterentwicklung eignet.“1
Dieser phänomenologische Ansatz betrachtet den Menschen und sein Kommunikationsverhalten in teilweise übersteigerter Dramatisierung, wodurch die Essenz deutlicher zutage tritt als im gewöhnlichen Umgang mit Menschen. Seine acht Kommunikationsstile sind im Folgenden alle in der von ihm präsentierten Reihenfolge aufgezeigt.

Der bedürftig-abhängige Stil2
zielt darauf ab, sich selbst als hilflos oder überfordert darzustellen und gibt dem anderen das Gefühl, dieser müsse für ihn einspringen, helfen, entscheiden und verantworten – sonst wäre alles verloren.

Der helfende Stil3
ist als geduldiger Zuhörer und Ratgeber allzeit bereit sich souverän für Schwache und Hilflose einzusetzen, auch über die eigenen Erschöpfungsgrenzen hinaus, braucht selbst niemand.

Der selbst-lose Stil4
erspürt die Wünsche und Nöte von anderen und dient ihnen aufopferungsvoll und unterwürfig (Hilfe „von unten“), fühlt sich selbst bedeutungs- und wertlos, übergeht sich selbst.

Der aggressiv-entwertende Stil5
ist anderen gegenüber feindselig und behandelt sie „von oben herab“, neigt zu Provokation, Demütigung und Erniedrigung Einzelner und ganzer Gruppen.

Der sich beweisende Stil6
ist darum bemüht, sich selbst ins rechte Licht zu setzen durch Imponier- und Fassadentechniken, will sich nach außen hin vollkommener geben als ihm innerlich zumute ist.

Der bestimmende-kontrollierende Stil7
will die Dinge und die Menschen so lenken und korrigieren, dass sie unter seiner Kontrolle bleiben und dadurch ihren rechten Fortgang nehmen; hasst Unberechenbarkeit, Chaos und Ohnmacht.

Der sich distanzierende Stil8
hat eine unsichtbare Wand um sich, die dafür sorgt, dass ihm niemand zu nahe kommt, kommuniziert förmlich und unpersönlich, gibt sich reserviert und zeigt keine Gefühle.

Der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil9
genießt es, von Publikum umringt zu sein und dies durch zur Schau gestellte Emotionalität in seinen Bann zu ziehen, bringt das eigene Selbst zur Aufführung, zur Unterhaltung aller.

Kritisch anzumerken ist hier, dass die Kommunikationsstile nicht durchgängig negativ (oder positiv) bezeichnet werden, was sich besonders bei dem helfenden Charakter zeigt: Konsequenterweise müsste hier vom co-abhängigen Charakter gesprochen werden in der Übertreibung von Helfen. „Sich distanzierend“, „Sich beweisend“ und „Bestimmend-kontrollierend“ sind in Abgrenzung zu beispielsweise „aggressiv-entwertend“ als eher neutrale Begrifflichkeiten einzuordnen, die erst durch zusätzliche Attribute in die Bereiche von Tugend oder Untugend einordenbar sind. Schulz von Thun geht davon aus, dass alles in jedem steckt und doch auch jeder „bevorzugte Muster der Kontaktgestaltung, einhergehend mit bestimmten Vermeidungsmustern“10 lebt. Damit schließt er von der äußeren Realität des Sinneneindrucks auf innerpsychische Zusammenhänge. Er stellt jeweils zwei Charaktere einander gegenüber, die sich in Teufelskreisen verfangen können. Die Paarungen sehen folgendermaßen aus, wobei ich mir erlaubt habe, die Negativnamen ins Positive zu übersetzen und dem einzigen positiven Namen (helfend) eine negative Entsprechung hinzuzufügen.

Die Einordnung erfolgt über die Wahrnehmung der Kommunikation des Gegenüber, also das, was er von sich gibt, von sich zeigt. Dabei ist das Koordinatensystem der vier seelischen Himmelsrichtungen nach Riemann/Thomann eine wertvolle Hilfe. Während einer Vorlesung bei Schulz von Thun am 20.11.2006 an der Universität in Hamburg konnte ich durch seine lebendige Präsentation der vier seelischen Himmelsrichtungen erkennen, dass sich seine acht Kommunikationsstile der Differentiellen Kommunikationspsychologie in diese vier Grundstrebungen nach Riemann/Thomann übertragen lassen. Sie ergeben ein in sich geschlossenes und meiner Erkenntnis nach in sich stimmiges System. Im Rahmen einer Hausarbeit hatte ich als Psychologiestudentin die Gelegenheit Schulz von Thun diese Erkenntnisse im Einzelnen darzulegen. Sein Kommentar erfolgte mittels eines persönlichen Schreibens am 20. Juni 2007 an mich: „Sie kommen dabei zu interessanten Erkenntnissen, denen ich im Großen und Ganzen zustimme“.

Allein den Selbstlosen Stil hätte er lieber auf der Nähe-Seite gesehen, da er ihn als beziehungsorientiert ansieht. Meiner Meinung nach entspricht dieser Charakter dem 6-er Typus des Enneagramm und dient somit Menschen nicht aus persönlicher Näher heraus, sondern auf unpersönliche Art deren Funktionen und Rollen zwecks Erfüllung einer gemeinsamen Aufgabe.
Jeder Pol dieses Diagramms enthält zwei Kommunikationsstile. Somit besteht der erste Schritt in der Wahrnehmung des Gegenübers darin, ihn einem der 4 Pole zuzuordnen, den er in dem Moment verkörpert. Ob er beispielsweise mehr auf Nähe oder mehr auf Distanz gepolt ist. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Feinunterscheidung, die beispielsweise beim Nähe-Pol das Augenmerk darauf richtet, ob jemand Nähe herzustellen versucht, indem er auf andere zugeht und ihnen hilft (helfender Kommunikationsstil) oder sich öffnet und helfen lässt (sensibler Kommunikationsstil). Die „Dauer-Menschen“ halten in Abgrenzung zu den flexiblen „Wechsel-typen“ die Zügel fest in der Hand, die aufgabenorientierten „Distanz-Menschen“ flüchten vor den beziehungsorientierten „Nähe-Menschen“. Das Diagramm veranschaulicht auf vielfache Weise die Wechselwirkungen der Typen untereinander und dient als wertvolles Handwerkszeug im Erkennen von Zusammenhängen und Erarbeiten von Lösungen in der Kommunikation, der Kooperation und im Konflikt miteinander. Jeder Bereich beinhaltet Eigengesetzlichkeiten, die sich auch auf kollektiver, betrieblicher Ebene in den einzelnen Abteilungen widerspiegeln. So ist beispielsweise beim Wechsel-Pol auf der Nähe-Seite das umtriebige Marketing angesiedelt, das sich gerne nach außen präsentiert (entsprechend dem werbenden/sich-beweisenden Kommunikationsstil). Daneben auf der Distanzseite ist eher der zwar umtriebige, aber mehr aufgabenorientierte Vertrieb angesiedelt (entsprechend dem lebensfrohen/mitteilungsfreudig-dramatisierenden Kommunikationsstil), der es versteht, andere für eine neue Sache zu begeistern. Dort sind Menschen tätig, die nach draußen gehen, um sich dort zu präsentieren, also die Nähe und Geborgenheit der Firma nicht primär brauchen. Beide lassen sich gerne durch mehr Freiraum belohnen und motivieren, die anderen Pole durch interessantere Aufgaben (Distanz), mehr Verantwortung (Dauer) oder öffentliche Anerkennung (Nähe). Soweit die Darlegung der Differentiellen Kommunikationspsychologie nach Prof. Schulz von Thun, verknüpft mit den 4 seelischen Himmelsrichtungen nach dem Schweizer Psychologen Christoph Thomann, welche auf den vier Angstformen gemäß dem deutschen Psychiater Riemann basieren, mit einem kleinen Seitenblick in die beruflich-kollektive Ebene von Gruppendynamik.

Brückenschlag zum Enneagramm

Das Enneagramm mit seinen neun Persönlichkeitsmustern ist Ihnen bekannt. Zum Einstieg werden im Folgenden alle Archetypen kurz charakterisiert. Hierbei wird gleichzeitig eine gedankliche Analogie zu den acht Kommunikationsstilen der Differentiellen Kommunikationspsychologie (kurz: Kommunikation) hergestellt. Grundlage hierfür ist die vorliegende, beruflich orientierte Enneagramm-Literatur von Goldberg, Mächler, Palmer, Tödter/Werner und Salzwedel, die Kommunikationsliteratur von Schulz von Thun sowie Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse der Verfasserin.

Typus Eins11
Lebt die Wut nach innen gerichtet in Form von Disziplin und Prinzipientreue, bringt großen Einsatz zur Erreichung selbstgesteckter, reformorientierter hoher Ideale, Ziele und Werte. Leistet zuverlässig perfekte Arbeit, erwartet das auch von anderen.
Kontaktverhalten: Ernst, kritisch, zurückhaltend, bestimmend, pflichtbewusst.
Arbeitsstil: Gewissenhaft, praktisch, strukturiert, organisiert, effizient.
Führungsstil: Sachlich, vorbildlich, verantwortungsvoll, verlässlich, streng.
Bereich: Organisation, Personalführung, Qualitätssicherung, Controlling, Unternehmensführung.
Position: Leiter, Lehrer, Ausbilder, Anwalt.
Kommunikation: Hier ist eine eindeutige Zuordnung zum „Bestimmend-kontrollierenden“-Stil möglich. Beide leben nach dem Grundsatz: „Ich weiß, was richtig ist.“

Typus Zwei12
Schämt sich für die eigene Bedürftigkeit, projiziert sie nach außen auf andere Menschen und hilft gütig, auch über die eigenen Grenzen und die anderer hinaus. Arbeitet um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein und Aufmerksamkeit zu bekommen.
Kontaktverhalten: Herzlich, hilfsbereit, schmeichelnd, empathisch, stolz, laut.
Arbeitsstil: Vielseitig, emotional, unterstützend, helfend, tüchtig, energisch.
Führungsstil: Persönlich, ermutigend, fürsorglich, großzügig, manipulierend.
Bereich: Assistenz, Personalwesen, stv. Leitung, rechte Hand, Berater.
Position: Assistenz, Sozialer Mittelpunkt, „Macht hinter dem Thron“.
Kommunikation: Auch hier ist eine eindeutige Zuordnung möglich, nämlich zum „Helfenden“-Stil. Beide haben Angst vor der eigenen inneren Bedürftigkeit und sind ganz für Andere da.

Typus Drei13
Schämt sich für die eigenen Gefühle, ohne sich dessen bewusst zu sein. Identifiziert sich mit Aufgaben, Leistung und Erfolg, um anderen zu gefallen, konzentriert sich dabei mehr auf die Ziele als auf die Mittel, baut sich ein gefälliges Image auf.
Kontaktverhalten: Charmant, konkurrierend, werbend, adäquat, beschönigend.
Arbeitsstil: Effektiv, flexibel, schnell und viel, erfolgsorientiert, ehrgeizig.
Führungsstil: Motivierend, begeisternd, aufgabenorientiert, dynamisch.
Bereich: Marketing, Handel, Verkauf, Direktor.
Position: Bester einer Gruppe.
Kommunikation: Auch hier ist eine Eindeutige Zuordnung möglich, nämlich zum „Sich Beweisenden“-Stil. Beide versuchen Anerkennung durch Leistung zu gewinnen.

Typus Vier14
Schämt sich für die eigene Stärke im Innern, gibt sich nach außen hin schwach. Will sich von anderen unterscheiden und etwas Besonderes sein, auch im Hinblick auf Aufgaben und Herangehensweise, dringt
zum Kern einer Sache vor.
Kontaktverhalten: Gefühlvoll, individuell, kultiviert, entrückt, abgehoben, anders.
Arbeitsstil: Kreativ, ästhetisch, unkonventionell, sensitiv, kompliziert, kühn.
Führungsstil: Sanft, eigenwillig, emotional, intensiv, authentisch, radikal.
Bereich: Kreative Gestaltung, Designer, Architekt, Künstler, Coach.
Position: Besondere Stellung.
Komm.: Diese Zuordnung war besonders schwierig, da in der Enneagramm-Literatur vor allem die kreativ-künstlerische Seite dieses Charaktermusters thematisiert wird. Bei der Differentiellen Kommunikationspsychologie hingegen wird beim „Bedürftig-abhängigen“ Typus der Mangel an Selbstvertrauen in den Vordergrund gestellt. Die Brücke ist in der Sensibilität dieses Charaktermusters zu finden, welche ihn seine eigenen inneren Bedürfnisse, Schwächen und Widersprüchlichkeiten besonders intensiv wahrnehmen lässt. Diese Feinfühligkeit findet oft in kreativer Schöpferkraft ihren künstlerischen Ausdruck. Beide lehnen sich gerne an starke Menschen an und haben Angst vor Eigenständigkeit.

Typus Fünf15
Hat Angst vor menschlicher Nähe und zieht sich deshalb zurück. Beobachtet genau, denkt scharfsinnig nach und geht einer Sache auf den Grund. Ist bescheiden und zurückhaltend mit Emotionen, Wissen und persönlicher Präsenz, hortet gern.
Kontaktverhalten: Scheu, beobachtend, neutral, sachlich, sich abwendend, kühl bis kalt.
Arbeitsstil: Analytisch, konzentriert, unabhängig, objektiv, systematisch.
Führungsstil: Minimalistisch, nüchtern, philosophisch, distanziert, formell.
Bereich: Forschung und Entwicklung, Experte, Analytiker.
Position: Selbständig, Stabstelle oder Führung aus der Distanz.
Kommunikation: Hier war wieder eine eindeutige Zuordnung möglich, in dem Fall zum „Sich distanzierenden“-Stil. Beide brauchen viel Sicherheitsabstand und leben nach dem Motto: „Komm mir nicht zu nahe.“

Typus Sechs16
Projiziert seine Angst auf die Außenwelt und fühlt sich sicher in einem System mit klarer Rangordnung und Regeln, in das er sich willig einfügt und unauffällig anpasst. Räumt Hindernisse und Probleme aus dem Weg, ist auf Probleme fixiert.

Kontaktverhalten: Ängstlich, zweifelnd, unsicher, hierarchiebewusst, aufgabenorientiert.
Arbeitsstil: Zuverlässig, präventiv, pflichterfüllend, loyal, risikobewusst.
Führungsstil: Kooperativ, verbindlich, loyal, misstrauisch, pessimistisch.
Bereich: Produktion, Technik, Handwerk, Wachdienst.
Position: Einer unter Gleichen oder Teamchef.
Kommunikation: Hier sehe ich die Verbindung zum „Selbstlosen“-Stil. Beide nehmen sich selbst nicht wichtig und lassen sich für die Zwecke anderer instrumentalisieren.

Typus Sieben17
Flüchtet vor der Angst in Abwechslung, Abenteuer, Spaß und Unverbindlichkeit. Kann von allem nie genug kriegen, hat immer zu viele Projekte gleichzeitig laufen, liebt mehr die Möglichkeiten und Ideen als das reale Ergebnis. Kann Neues, Ungewöhnliches und Komplexes zustande bringen und andere dazu motivieren.
Kontaktverhalten: Faszinierend, erzählend, lustig, unverbindlich, sprunghaft.
Arbeitsstil: Schnell, ideenreich, planend, innovativ, prozessorientiert.
Führungsstil: Laisser-faire, visionär, optimistisch, motivierend, spontan.
Bereich: Vertrieb, Networking, Planung, Ideengeber.
Position: Selbstbestimmt ohne direkten Chef und ohne Unterstellte.
Kommunikation: Auch hier ist eine eindeutige Zuordnung möglich, nämlich zum „Mitteilungsfreudig-dramatisierenden“-Stil. Beide bringen gerne das eigene Selbst zur Aufführung und damit „Leben in die Bude“, um die innere Leere zu vermeiden.

Typus Acht18
Lebt die Wut direkt und unmittelbar, hohe Konfliktbereitschaft, dominant und konfrontativ, kontrolliert energisch Raum und Territorium, braucht Macht, übernimmt gern Führung und setzt sich durch, ist stark und robust. Harte Schale – weicher Kern.
Kontaktverhalten: Selbstbewusst, provokativ, präsent, fordernd, direkt, laut.
Arbeitsstil: Praxisbezogen, nutzenorientiert, tatkräftig, energiegeladen.
Führungsstil: Offen, ehrlich, gerecht, direkt, autokratisch, grob, beschützend.
Bereich: Produktion, Unternehmensführung.
Position: Boss, Generalist.
Kommunikation: Auch hier ist wieder eine deutliche Entsprechung vorhanden, nämlich zum Aggressiv-entwertenden Kommunikationsstil. Beide sehen „Obensein“ als Überlebensfrage an und meiden Schwäche.

Typus Neun19
Hat seine Sensoren soweit herunter gefahren, dass er keine Wut mehr in sich spüren muss, dadurch verringerte emotionale und geistige Präsenz, nimmt sich selbst nicht so wichtig, mag keinen Druck von außen, braucht Harmonie und kann sie erzeugen.
Kontaktverhalten: Passiv, freundlich, vorurteilsfrei, konfliktscheu, abwesend, stur
Arbeitsstil: Ruhig, aussitzend, reaktiv, gleichmäßig, friedlich.
Führungsstil: Fair, kameradschaftlich durch Konsens oder dickköpfig über Boykottierung von Veränderung.
Bereich: Überall, aber vor allem in Verwaltung und Betriebsrat.
Position: Vermittler, Verwalter, Leiter.
Komm.: Hier ist keine Zuordnung zu einem Kommunikationsstil möglich. Einer muss schließlich auch übrig bleiben, wenn ein 8-er mit einem 9-er System kompatibel gemacht wird. Dass es sich hierbei um das Charaktermuster 9 handelt ist nicht verwunderlich. „9-er“ sind ganz bei sich, sie „verhaken“ sich in der Kommunikation aufgrund ihres Bedürfnisses nach Ruhe und Frieden mit niemand, so wie die anderen acht Stile es tun, die sich gemäß Schulz-von-Thun-Philosophie in dialektischen Paarungen einander als Polaritäten gegenüber stehen.

Kommunikationsenneagramm

Die acht Kommunikationsstile der Differentiellen Kommunikationspsychologie in der Zuordnung zu den einzelnen Charaktermustern des Enneagramms ergeben folgendes Bild:

Im Symbol lässt sich gut erkennen, dass die Neun in der Mitte von zwei gedachten Hälften links/rechts steht. Sie hat kein ihr gegenüberliegendes Pendant und gilt gemäß der Enneagramm-Systematik als Anfang und Ende des Kreises zugleich. Kommunikationstechnisch ist dieses Charaktermuster somit Vermittler zwischen den anderen acht. Insofern macht es auch aus Enneagrammsicht Sinn, dass genau dieses Charaktermuster bei Schulz von Thun auf den ersten Blick zu fehlen scheint. Tatsächlich hat er die Eigenschaften „verwurzelte Bodenständigkeit“ im Dauer-Pol integriert und bei einer Fortbildung zum Riemann-Thomann-Modell explizit benannt21. Zur Komplettierung der Kommunikationsicons habe ich mir erlaubt, auch für dieses Charaktermuster eine entsprechende Karikatur zeichnen zu lassen22.
Der Vorteil dieser Anschauung liegt darin begründet, dass die Nummern einprägsame Bilder bekommen und somit auch visuell die Verknüpfung von innerer Erlebniswelt und äußerem Kommunikationsverhalten erkennbar wird. Ein Nachteil ist die Wertung, die die einzelnen Charaktermuster dadurch erfahren, dass sie in einem bestimmten Entwicklungszustand innerhalb ihres Charaktermusters dargestellt werden. Eine interessante Variante ergibt sich, wenn man die Paarungen, die Schulz von Thun in seiner differentiellen Kommunikationspsychologie gewählt hat (vgl. Abb. 11), weil sie sich gerne in Teufelskreisen miteinander verhaken, in das Enneagramm-Symbol als Linien mit einbezieht (Abb. 15).

Wie von Zauberhand ergibt sich ein neues symmetrisches Bild. Die Linien zwischen dem Charaktermuster 2 „Helfender/Co-abhängiger“-Stil und Charaktermuster 4 „Sensibler/Bedürftig-abhängiger“-Stil sowie zwischen Charaktermuster 5 „Objektiver/Sich Distanzierender“-Stil und Charaktermuster 7 „Lebensfroher/Mitteilungsfreudig-dramatisierender“-Stil sind bekannt. Es handelt sich hier um Verbindungen, die gemäß der Enneagrammsystematik über Trost- und Stresspunkte gegeben sind. Neu ist die Linie zwischen dem Charaktermuster 1 „Lehrender/Bestimmend-Kontrollierender“-Stil und Charaktermuster 3 „Werbender/Sich beweisender“-Stil, hier handelt es sich um eine Lehrer-Musterschüler-Konstellation oder Erzieherin­-Kind. Neu ist auch die Linie zwischen Charaktermuster 8 „Führungsstarker/Aggressiv-entwertender“-Stil und Charaktermuster 6 „Teamfähiger/Selbstloser–Stil. Hier besteht eine Herr-Diener-Konstellation bzw. Boss-Untergebener. In beiden Paarungen tritt besonders der Machtaspekt hervor, der im Enneagramm-Symbol nicht unmittelbar ersichtlich ist.
Das Enneagramm dient vor allem der Auseinandersetzung mit den Stärken, Nicht-Stärken und Schwächen (= Übertreibungen von Stärken) der eigenen Persönlichkeit sowie den typbedingten Eigenschaften. Im beruflichen Kontext setze ich es gerne als Coachingwerkzeug für Persönlichkeitsprofilierung und -entfaltung ein. Als schriftliches Testverfahren halte ich es nur für bedingt geeignet23, es entfaltet seine volle Kraft vielmehr in der mündlichen Tradition24. Die Typerkennung erfolgt im Rahmen eines Seminars durch einen konsensuellen Akt, bei dem sich der Einzelne anhand der im Modell vorgesehenen Möglichkeiten selbst im Spiegel der Erkenntnis sieht. Allerdings setzt dies eine erfahrene und geschickte Leitung voraus im Sinne einer führenden und doch loslassenden Geburtshilfe zur Erkenntnis des eigenen Selbst.
In beruflichen Seminaren allerdings ist das Riemann-Thomann-Kreuz mit der Feindifferenzierung der acht Kommunikationsstile für viele Teilnehmer zugänglicher als das Enneagramm, da es dem dialektischen Denken unserer modernen Welt mehr entspricht. Das 4-er-System ermöglicht das bewusste Wahrnehmen unterschiedlicher Verhaltensstile von Menschen über zunächst vier polare Qualitäten mit je zwei Feindifferenzierungen und vermittelt somit einen ersten Ansatz zum Verständnis der darunter liegenden Lebenseinstellungen. Es ist, wie schon erwähnt, der Blick von außen auf einen anderen Menschen. Gleichzeitig eröffnet es Möglichkeiten, das Repertoire der eigenen Kommunikationsstile zu erweitern, um mit allen Menschentypen umgehen zu können, da man mit jedem Typus anders redet. Insbesondere für Führungskräfte ist diese Kompetenz wichtig, um nicht zu sagen überlebenswichtig. Beruflich setzte ich es gerne zur Klärung und Harmonisierung zwischenmenschlicher Beziehungen und in der Mediation als Baustein zur Lösung von Konflikten ein. Hierbei spielt das von Schulz von Thun publik gemachte Wertequadrat nach Helwig eine tragende Rolle, auf das ich aus Platzgründen in diesem Artikel nicht näher eingehe.

Systemübergang

Beide Wissenschaften sind frei zugänglich und unterliegen keiner Lizenzierung. Sie ergänzen sich von der Selbsterkenntnis über die Persönlichkeitsentfaltung und die Menschenkenntnis bis hin zum individuellen Kommunikationstraining. Die logisch-bezwingende Einfachheit beider Systeme mit ihren einprägsamen Symboliken erleichtert das Erfassen komplexer Persönlichkeits- und Beziehungsstrukturen enorm. Spannend dabei ist, dass es sich in beiden Systemen letztendlich um dieselben Archetypen handelt, nur aus einem anderen Blickwinkel und in den jeweiligen Modellen anders einander gegenübergestellt. Was alle immer wieder verblüfft ist die Kompatibilität beider Systeme, auf die ich im Folgenden systemisch noch etwas näher eingehen will.
Geht man von der Abbildung 14 aus und konzentriert die jeweiligen Charaktere auf die drei Zentren Bauch-Herz-Kopf des Enneagramms, ergibt sich folgendes Bild:

Um den Übergang zum 4-Komponentenmodell Kommunikationsdiagramm (Abb. 13) zu gestalten, braucht es neben den vorhandenen drei Dimensionen die Eröffnung einer vierten Dimension:

Bei den 4-Komponentenmodellen wird der Blick, wie schon erwähnt, von außen auf die einzelnen Charaktere geworfen, wie sie sich geben, was sie von sich zeigen. Von dieser Überlegung ausgehend, erscheinen zwei der Enneagramm-Charaktere besonders quirlig und lebendig nach außen: die 3 und die 7. Gleichzeitig gibt es einen Charakter, der besonders wenig Profil nach außen zeigt und am schwersten zuordenbar ist. Das ist derjenige, dem es am liebsten ist, wenn alles so bleibt wie es ist, aber mit veränderten Bedingungen letztendlich auch wieder irgendwie zurecht kommt: die 9, als keinem der 4 äußeren Pole wirklich zuordenbar und somit in der Mitte. Wenn nun also Charaktermuster 3 und 7 zusammen einen neuen, nach außen hin quirlig erscheinenden Pol bilden und sich das Charaktermuster 9 in die undifferenzierte Mitte schiebt, ergeben sich folgende Veränderungen:

Im Ergebnis ergibt sich das Kommunikationsdiagramm aus Abbildung 13 mit der Ergänzung eines 9. Charaktermusters in der Mitte.

So verläuft der Übergang zwischen den Systemen Ennea­gramm und Differentielle Kommunikationspsychologie, eingebettet in das Riemann-Thomann-Kreuz. Und so lässt sich zum Beispiel auch eine Erklärung dafür finden, warum sich 3-er und 7-er im Innern fundamental voneinander unterschieden, obwohl sie nach außen sehr ähnlich quirlig erscheinen: die 3 ist beweglich und flexibel, um andere zu beeindrucken, zieht ihre Motivation aus dem Gefühl (Herztyp), dem Wunsch andere Menschen näher zu kommen. Die 7 liebt die Darstellung und Euphorie, hinter der sie sich versteckt, um sich selbst nicht wirklich zeigen zu müssen. Es ist ihre schwer durchschaubare Masche, sich andere als verstandesgesteuerter Kopftyp vom Leib und damit auf Distanz zu halten. Interessanterweise begegnen sich bei diesem System an drei von vier Polen jeweils 2 Charaktermuster, die im Enneagramm nicht nebeneinander liegen (Ausnahme bildet hier der Distanz-Pol, wo 5 und 6 nebeneinander liegen, entsprechend dem Enneagramm). In den letzten Jahren konnte ich aufgrund dieser Betrachtungsweise meinen Blick dafür schärfen, dass ein leichter Wechsel zwischen den beiden Mustern an den jeweiligen Polen möglich ist, ähnlich den Flügeln. Das bedeutet konkret, dass 4-er sich immer mal wieder auch im 2-er Charaktermuster aufhalten können und umgekehrt auch 2-er im 4-er-Muster. Ebenso verhält es sich mit dem 3-er und dem 7-er-Muster, was doch sehr erstaunt, kennt man nur das Enneagramm-Symbol, wo beide so gar nichts miteinander zu tun haben. Beobachten Sie einmal selbst, wie leicht es vielen 3-ern doch auch fällt, immer mal wieder zwischendurch in das lebensfrohe Kind zu gehen, ohne Gewinnstreben und Konkurrenzkampf.

Was irritiert bei diesem Übergang, ist der Umstand, dass zweimal aus der Mitte der Zentren ein Typus herausgenommen wird (9 als zentraler Bauchtyp und 3 als zentraler Herztyp), um ihn an eine neue Stelle zu rücken, und einmal aus dem Rand (die 7 als nicht-zentraler Kopftyp). Es werden also jeweils diejenigen herausgenommen, die die primäre Eigenschaft ihres Zentrums unterdrücken: die 9 unterdrückt Wut, Tatkraft und Schuld, die 3 unterdrückt Gefühle, Liebe und Scham, die 7 negiert die Angst und Sachlichkeit ihres Zentrums. Insofern beinhaltet es eine Logik, genau diese drei besonderen Charaktermuster heraus zu greifen und neu zu konstellieren. Die Frage, die ich mir aber seither bezüglich des Enneagrammsymbols stelle ist die: warum befindet sich die 7 gemäß der vorherigen Systematik nicht in der Mitte des Kopfzentrums?
Für mein praktisches Vorgehen bedeutet die Arbeit mit diesen beiden Systemen, dass ich in der Begegnung mit Menschen zunächst von den vier Polen des Kommunikationsdiagramms ausgehe. Ich versuche dabei zu erfassen, an welchem der Pole Nähe-Distanz-Dauer-Wechsel mein Gegenüber gerade lebt. Gehe ich noch einen Schritt weiter, dann kommt als nächstes die Feinunterscheidung, welcher der beiden möglichen Charaktermuster dieses Pols er oder sie mir gegenüber gerade lebt. Erst bei intensiveren Beziehungen wird dann allmählich ersichtlich, ob dies das Hauptcharaktermuster sein könnte, in dem die Person verankert ist. Dann gehe ich in die Betrachtungsweise des Enneagramms über, auch mit den entsprechenden Flügeln und Verbindungslinien. Natürlich gibt es auch Ausnahmen in Form von Menschen, die nahezu immer ihr Hauptcharaktermuster leben und nach außen zeigen, aber davon gehe ich erstmal nicht aus. Kommt ein Coachee zu mir mit dem Wunsch nach Persönlichkeitsprofilierung und -entfaltung, gehe ich zunächst vom Enneagramm-Symbol aus (konkret gesprochen: von einer Variante des Symbols, dazu mehr im nächsten Abschnitt). Erst danach kommt dann die 4-er-Sichtweise mit der Fragestellung „wie wirke ich nach außen“ dran.

Neue Sichtweisen

In der längeren Beschäftigung mit dem Übergang der Systeme erkannte ich zudem eine Analogie zu den 4 Elementen nach Empedokles und verwende diese seither anstelle der Thomann’schen Bezeichnungen: Erde für Dauer, Feuer für Nähe, Luft für Wechsel und Wasser für Distanz. In einem meiner Seminare fiel dabei einem der Teilnehmer auf, dass sich im Modell die Luft unterhalb der Erde befände, was unseren irdischen Verhältnissen widerspricht. Also haben wir es um 180° gedreht. Dies befand übrigens auch Christoph Thomann in einem Seminar in der Schweiz auf eine Teilnehmerfrage hin für gut, dass der leichte „Wechsel“ oben steht und die schwerere „Dauer“ unten25.

Diese Idee habe ich gedanklich im Übergang der Systeme rückgekoppelt auf das Enneagramm und auch dieses Symbol entsprechend gedreht:

Diese Modellvariante (Abb. 21) gefällt mir aus folgenden Gründen besser als das bekannte Enneagramm-Symbol:
Der traditionellste und am meisten verwurzelte aller Charaktere, die 9, stellt hierbei jetzt auch grafisch die Wurzel im Symbol am unteren Ende dar.
Das Herzzentrum ist hier links anstatt rechts, wie im richtigen Körper.
Das Bauchzentrum ist hier unterhalb des Herz- und Kopfzentrums, anstatt ganz oben, was ja tatsächlich auch unlogisch ist. Somit kommt es dem realen Menschen näher als das bekannte Symbol, wo der Bauch ganz oben ist. Zur Zeit nenne ich diese Variante Anthropogramm, zur Unterscheidung vom Enneagramm.
Anstatt einem bedrohlichen Loch nach unten gibt es jetzt eine inspirierende Öffnung nach oben: da, wo die höchste Inspiration sitzt, zwischen der schöpferischen Kraft der 4, die immer nach Höherem sucht und nach oben strebt und der gedanklichen Kreativität der 5, die Erkenntnisse „von oben“ holt, dort kann das göttliche Licht einfallen, um sich auf der Erde zu manifestieren.

Fazit

Professor Friedemann Schulz von Thun kannte gemäß eigener Aussage26 das Enneagramm nicht, bevor er seine Differentielle Kommunikationspsychologie entwickelt und im Jahr 1989, zeitgleich mit dem ersten Enneagramm-Buch, auf dem deutschen Markt veröffentlicht hat. Somit haben sich zwei voneinander verschiedene Persönlichkeitssysteme in unterschiedlichen Sprachen zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Kulturkreisen unabhängig voneinander entwickelt, die in den archetypischen Erkenntnissen zu sehr ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Sie zeigen gemäß meiner Erkenntnisse verschiedene Betrachtungswinkel auf dieselben Wahrheiten, was einen wechselseitigen Beweis für die Wahrhaftigkeit beider Systeme und die darin identifizierten Archetypen darstellt. Dies bestätigt auch meine Grundüberzeugung, dass man immer bei denselben Wahrheiten landet, wenn man eine Sache zu Ende denkt, egal wo man beginnt: Viele Wege führen nach Rom! Die Kompatibilität dieser beiden Systeme ist nicht die einzige Übereinstimmung zwischen Persönlichkeitssystemen, die ich im Verlauf meiner Forschungstätigkeit der letzten 13 Jahre gefunden habe, aber eine zentrale. In diesem Licht erscheinen deshalb menschliche Typologien nicht nur hilfreich, sondern auch begründet durch menschliche Reflexions- und Abstraktionsfähigkeit, die Gesetzmäßigkeiten hinter dem Schleier alltäglicher Erscheinungen zu erkennen vermag. Ich gebe hiermit diese Zusammenhänge schriftlich erstmalig öffentlich als Diskussionsgrundlage in die Fachwelt und freue mich auf zahlreiches, konstruktives Feedback zum überdenken, anreichern und weiterentwickeln der dargelegten Zusammenhänge, denn es geht mir nicht darum recht zu haben, sondern im Austausch mit anderen Wahrheiten zu finden.
Praxis
Abschließend darf ich erwähnen, dass ich diese Systeme, auch in Verbindung mit den Psychologischen Typen nach C. G. Jung und angereichert durch weitere Kommunikationsmodelle seit mehreren Jahren bei meinen Trainings und im Coaching unter der Bezeichnung ProFIEL® einsetzte. (Näheres unter www.pro-gramm.de). Letzten Monat konnte ich mit diesem System eine Studie mit Führungskräften am Karlsruher Institut für Technologie KIT (größtes europäisches Forschungszentrum: www.kit.edu) abschließen. Die 21 evaluierten schwierigen Arbeitsbeziehungen konnten hierbei allein durch 4 Seminartage und 3–4 Einzelcoachings pro Führungskraft um 25–60% hinsichtlich Zufriedenheit und Arbeitsergebnis innerhalb von wenigen Monaten verbessert werden27.
Dies bestätigt eine Studie mit Führungskräften, die ich bereits 2006/07 an der Stuttgarter Hochschule AKAD in Kooperation mit zwei Unternehmen aus dem Karlsruher Raum mit ähnlich guten Ergebnissen durchgeführt habe. Menschliche Kommunikation ist das Öl im Getriebe einer Organisation, damit alles läuft wie geschmiert. Derzeit entsteht ein Buch darüber.

Zusatzinformation zur praktischen Studie:
Darüber hinaus konnten bei dem aktuell im Januar 2012 abgeschlossenen Karlsruher Projekt der Personalentwicklungsabteilung des KIT „KIT-Fusion und verbesserte Arbeitsbeziehungen“ die archetypischen Erkenntnisse auf die kollektive Ebene des Fusionsprozesses zweier Forschungseinrichtungen übertragen werden (Universität Karlsruhe und Forschungszentrum Karlsruhe). Hierbei gelang eine eindeutige Zuordnung der gruppendynamischen Prozesse zu den bekannten typischen Charaktermustern (in diesem Fall 3 und 6). Hilfreich hierbei waren sowohl die Unternehmenskulturpyramide nach dem MIT-Professor Edgar H. Schein sowie auch im Hintergrund die gruppendynamischen Erkenntnisse des deutschen Psychologen Eberhard Stahl auf der Basis des Riemann-Thomann-Kreuzes28 . Im Ergebnis führte dies zu einem tieferen Verständnis der enormen Reibungspunkte in dieser Fusion sowie zu erstaunlichen Lösungsansätzen auf der kommunikativen Ebene, nicht zuletzt auch mit Hilfe des Wertequadrates nach Helwig.29 Weitergehende Informationen gerne über s.gramm@pro-gramm.de .

Anmerkungen
1 Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 60.
2 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 61 – 75.
3 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 76 – 92.
4 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 93 – 114.
5 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 115 – 152.
6 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 153 – 169.
7 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 170 – 190.
8 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 191 – 227.
9 Vgl. Schulz von Thun 2006/1, Band 2, S. 228 – 243.
10 Ebenda, S. 58.
11 Vgl. Goldberg 1998, S. 31 – 61; vgl. Hauser 1995, S. 46 – 48; vgl. Mächler 1998, S. 135 – 137; vgl. Palmer 2000/2, S. 59 – 92; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 56 – 88; vgl. Salzwedel 2008, S. 56f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 72 – 83.
12 Vgl. Goldberg 1998, S. 62 – 92; vgl. Hauser 1995, S. 60 – 62; vgl. Mächler 1998, S. 114 – 116; vgl. Palmer 2000/2, S. 93 – 118; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 89 – 122; vgl. Salzwedel 2008, S. 58f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 84 – 95.
13 Vgl. Goldberg 1998, S. 93 – 126; vgl. Hauser 1995, S. 73 – 75; vgl. Mächler 1998, S. 117 – 119; vgl. Palmer 2000/2, S. 119 – 145; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 123 – 159; vgl. Salzwedel 2008, S. 60f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 96 – 108.
14 Vgl. Goldberg 1998, S. 127 – 156; vgl. Hauser 1995, S. 87 – 88; vgl. Mächler 1998, S. 119 – 121; vgl. Palmer 2000/2, S. 146 – 170; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 160 – 190; vgl. Salzwedel 2008, S. 62f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 109 – 120.
15 Vgl. Goldberg 1998, S. 157 – 188; vgl. Hauser 1995, S. 101 – 103; vgl. Mächler 1998, S. 122 – 124; vgl. Palmer 2000/2, S. 171 – 199; vgl. Palmer / Brown 2000, S.191 – 223; vgl. Salzwedel 2008, S.64f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 121 – 132.
16 Vgl. Goldberg 1998, S. 189 – 217; vgl. Hauser 1995, S. 115 – 117; vgl. Mächler 1998, S. 124 – 127; vgl. Palmer 2000/2, S. 200 – 227; vgl. Palmer / Brown 2000, S.224 – 255; vgl. Salzwedel 2008, S. 66f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 133 – 144.
17 Vgl. Goldberg 1998, S. 218 – 245; vgl. Hauser 1995, S. 128 – 130; vgl. Mächler 1998, S. 127 – 129; vgl. Palmer 2000/2, S. 228 – 255; vgl. Palmer / Brown 2000, S.256 – 290; vgl. Salzwedel 2008, S. 68f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 145 – 156.
18 Vgl. Goldberg 1998, S. 246 – 274; vgl. Mächler 1998, S. 130 – 132; vgl. Palmer 2000/2, S. 256 – 283; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 291 – 322; vgl. Salzwedel 2008, S. 70f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 48 – 59.
19 Vgl. Goldberg 1998, S. 275 – 309; vgl. Hauser 1995, S. 158 – 160; vgl. Mächler 1998, S. 132 – 134; vgl. Palmer 2000/2, S. 284 – 312; vgl. Palmer / Brown 2000, S. 323 – 359; vgl. Salzwedel 2008, S. 72f; vgl. Tödter / Werner 2006, S. 60 – 71.
20 Gemäß persönlichem Schreiben vom 20. Juni 2007 ist Schulz von Thun auch mit dieser Zuordnung „im Großen und Ganzen“ einverstanden.
21 04. – 06. Mai 2010, Kloster Kappel, Schweiz.
22 by Architekt Rainer Lißner, Leonberg (GER).
23 Vgl. Simon 2006, S. 213 f.
24 Vgl. Palmer 2000/1, S. 24 – 26.
25 Seminar: „Das Riemann-Thomann-Modell“, Kloster Kappel, Schweiz
26 Gemäß Interview vom 01.11.06 durch Sabine Gramm in seinem Arbeitszimmer an der Universität Hamburg
27 Originalstimmen von Teilnehmern:
„Durch das Kennen des Charaktermusters kann ich gelassener mit den Schwächen der anderen Person umgehen. „Jeder darf so sein.“ War eine wichtige Botschaft des Seminars, z.B. kann ich eine Person aus dem Evaluierungsprozess seine Regeln befolgen lassen und ihn darauf aufmerksam machen, dass es noch andere Regeln zu befolgen gibt, ohne ungeduldig oder verärgert zu werden.
„Mehr Verständnis: besseres Einfühlungsvermögen für Kollegen, aber auch klare Konfliktfähigkeit – in der Vergangenheit habe ich zu häufig versucht, Konflikten aus dem Weg zu gehen und habe zu schnelle zugestimmt, war dann aber mit der Lösung nicht zufrieden.“
„Es wurden viele meiner Überlegungen und Herangehensweisen, die ich in meinem Berufsalltag u.a. in Bezug auf Arbeitsbeziehungen lebe durch das Projekt bestätigt. Dieser Umstand führt zu einer „erhöhten“ Sicherheit im Berufsalltag.“
28 Eberhard Stahl, Dynamik in Gruppen, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Basel 2007
29 Originalstimmen von Teilnehmern:
„Beide Einrichtungen/Standorte als Personen zu betrachten, fand ich sehr spannend. Die in der Seminargruppe durchgeführte Analyse bestätigte die z.T. schon vorhandenen „Ahnungen“ und ermöglicht dadurch einen konkreten Umgang mit Unterschieden.“
„Ich habe gelernt und positiv mitgenommen, dass sich Analysen über Wertequadrate nicht nur auf die reine Kommunikation, sondern auch auf ganze Prozesse und unterschiedliche Kulturen (hier in der Zusammenführung Nord/Süd) anwenden lassen. Diese Erkenntnis ist wertvoll, z.B. auch für künftige Projekte mit internen und externen Partnern.“
„Ausarbeitung eines in meinen Augen sehr differenzierten Bildes in Bezug auf die unterschiedlichen Unternehmenskulturen.“

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