Von Faust zu Wallander

Figuren aus Literatur und Belletristik aus der Sicht des Enneagramms
von Wally Kutscher
Als Persönlichkeitsmodell beruht das Enneagramm auf uraltem Erfahrungswissen. „Man beobachtet Menschen in ihren typischen Verhaltensweisen und versucht, ihre Antriebskräfte und Absichten zu ergründen. Aus dem Sammeln und Systematisieren dieser Erkenntnisse über viele Jahrhunderte ist das Enneagramm entstanden.“ (M. Gruhl: Das Enneagramm, S. 13) Auch in der Literatur werden Typen und Charaktere beschrieben, mit ihren Antriebskräften und Absichten, ihren Prägungen und daraus resultierenden Lebensentwürfen. Wenn beide Aussagen zutreffen, dann müsste enneagrammtypisches Verhalten auch bei literarischen Figuren beschrieben werden. Hier das erste Beispiel: „Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. / Da steh ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor!“ – Viele von uns kennen diese ersten Verse von Goethes berühmten Drama „Faust I“, in denen der Gelehrte Heinrich Faust seine Erkenntniskrise reflektiert, die zugleich eine Existenzkrise heraufbeschwört. Nun liegt es nahe, in Faust den Denker und Wissensmensch zu sehen, und schon leuchtet im Hintergrund der Enneagrammtyp Fünf auf. Ist das so einfach? Natürlich ist die Darstellung von Goethes Dramenfigur epochentypisch eingefärbt und lässt der klassische Goethe den Geniemenschen Faust als Gelehrten und später auch als Geliebten scheitern, denn das Menschenbild des Sturm und Drang gilt für die Klassik nicht mehr. Aber davon abgesehen lohnt vom Enneagramm her durchaus ein Blick auf den Titelhelden. Der will wissen, „was die Welt / Im Innersten zusammenhält“ und somit den Dingen der Welt auf den Grund gehen. Er muss aber resigniert erkennen, dass das Wissen seiner Zeit ihm nicht hilft, die Menschen zu bessern und zu bekehren. Hier scheint das klassische Menschenbild durch, bei dem die Humanität im Vordergrund steht. Faust geht es also um ein Wissen, das die Menschen humaner, mitmenschlicher werden lässt. Er will seinen Erkenntnishunger zunächst mit der weißen Magie stillen. Ich kann nicht umhin, hier sogar den sozialen Subtyp der Fünf zu ..
Es handelt sich um den Anfang eines Beitrags aus unserer Mitgliederzeitschrift Enneaforum Nr. 40 – Enneagramm und Kultur – von 11/2011

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