Echos zur JHV 2001 (5)

Diese drei Stichworte ließen mich eine Tagung erwarten, auf die ich mich schon das ganze Jahr über gefreut hatte.

Die sanften, heilenden, ermutigenden Erfahrungen aus Bischofsheim (2000) und Wiesbaden Naurod (1999) hatten in mir eine Vorweg-Begeisterung hervorgerufen, die zu einer Diplom-Psychologin vom Enneagrammtyp 6 schlecht passt.

Noch immer war ich frisch „verliebt“ in den ÖAE und seine Botschaft vom spirituellen Wachstum im Enneagramm. Da wurde es höchste Zeit, unsanft auf dem Boden der Tatsachen zu landen.

Ich beginne mit dem, was mir als positiv in der Erinnerung bleibt:

das von Claudia vorbereitete Abendgebet am ersten Abend. Wie sehr liebe ich diesen Chor warmer Stimmen vereint in den Taize-Gesängen! Dann schwingt geschwisterliche Akzeptanz zwischen 110 Menschen.

auch die meditative Betrachtung des Riemenschneider-Altars zeigte gelebtes und erlebtes Enneagramm, in der Resonanz der Teilnehmer wurde das deutlich.

der ökumenische Gottesdienst versöhnte die Dissonanzen und Ungereimtheiten, die ihm voraus gegangen waren. Übrigens stellte der Gottesdienst ? für Gerd und mich ? zum dritten Mal in Folge den eigentlichen Höhepunkt der Veranstaltung dar: gelebte christliche Spiritualität. Dank an alle Mitwirkenden: an Uli, an Heidi, an die Musiker, an die Gestalter der Thomas-Messe, an Dietrich Koller. Seine Aufforderung, uns gegenseitig „Du bist ein Segen!“ zuzusagen, verwies in das christliche Zentrum des Enneagramms; wie zuvor die Thomas-Messe, wie dieser ganze Gottesdienst. Hier ist Ökumene, hier ist christliche Spiritualität.

Und doch! Einiges lief an diesem Wochenende schief!
Das lag nicht nur an der ebenso düsteren wie zugigen historistischen Tagungsstätte, auch nicht am … Essen. Wer sich an Naurod und Bischofsheim erinnert, wird zustimmen: der Unterschied im Niveau war beträchtlich. Wer in dort dabei war, erinnert sich gern an Marion Küstenmachers „Rat der Weisen“, ihre Zachäus-Predigt, an das Abendprogramm mit dem Masken- und Puppenspiel, in Bischofsheim an die Typisierung life mit Jürgen Gündel und Pamela Michaelis, ferner das Abendprogramm mit Regula Pavelka als Putzfrau und Märchenfee. Was für eine tolle Kabarettistin, was für ein begeisterndes Programm! Jeder Neuling erlebte so eine anschauliche Einführung verbunden mit intensiven emotionalen Erlebnissen. Davon war in Rothenburg wenig spürbar !

Warum eigentlich nicht ?
Meines Erachtens lag das an den drei Schwerpunkten, die das Programm inhaltlich ausmachten:

Dietrich Kollers unterschiedliche Versuche, „von der Arbeit am Typ zur Arbeit am Sein“ zu führen, ließen zu wünschen übrig:

Von den drei Zentren Bauch, Herz, Kopf her sind drei unterschiedliche Zugänge zum Wesenskern, zur Essenz, zu unterstellen. Sie werden begehbar in Ruhe oder Bewegung, in Stille oder Musik, in gelenkten oder freien Übungen des Geistes. Meditation für Bauchtypen ist anders als Meditation für Kopf- oder Herztypen! Was Dietrich zeigte, war der Weg von Typ Fünf als alleinseligmachender Zugang zum Wesenskern. Deshalb musste vielen Teilnehmer/Innen seine hoch abstrakte theologische Beredsamkeit verschlossen bleiben.

Übrigens stellt schon die Überschrift „von der Arbeit am Typ zur Arbeit am Sein“ sprachkritisch ein Missgriff dar: So sehr man vielleicht am Typ arbeiten kann, so wenig kann man das am Sein. Das Sein ist eine Abstraktion wie das All oder das Nichts. Es lässt sich beachten, nicht bearbeiten. Nimmt man den Titel ernst, dann stellt er eine nicht tolerierbare Überheblichkeit dar. Nimmt man ihn weniger ernst, dann ist er eben nur eine Ad-hoc-Formulierung; das wäre dann typisch für eine schlechte Vorbereitung.
Das Abendprogramm war weit unter dem gewohnten Niveau … so was erinnert doch sehr an Pfadfinderzeiten oder an die Harmlosigkeiten, die man sich in der Studentenmission der sechziger Jahre gönnte. Warum wurde uns das zugemutet, wenn doch längst ein so viel besseres Niveau erreicht wurde ?

Antwort auf diese Frage gibt Top 3 der Tagesordnung: „Aussprache über den Jahres-Haushalt und die Entlastung des Vorstandes.“
Unversehens zäh und nervig wurde die Diskussion um fehlendes Geld: Sie rückte ins Zentrum und war nahe dabei, die Vorbereitung des Gottesdienstes zeitlich zu gefährden. Hier fand einer der Neulinge deutliche Worte: er habe eine so breite und frustrierende Diskussion in diesem Verein nicht erwartet und sei darüber enttäuscht. Ich auch!

Die Konsequenzen:
Wenn die Jahreshauptversammlung als magnetisches Kraftfeld für alle, die auf dem Weg des Enneagramm sinds, an Niveau verliert, ist höchste Wachsamkeit geboten!

Wenn der Niveauverlust eine Folge von Geldknappheit ist, steht eine Diskussion über die Finanzen vor der Jahreshauptversammlung an.

Diskussion über Geld ist immer auch Diskussion über die Ziele, die wir uns setzen. Hier ist eine Lücke entstanden, die sich nicht verbreitern darf!

Die von der Redaktion des EnneaForums erreichten Ergebnisse sind ermutigend. Sie zeigen, wohin und wie weit gute Arbeit führt. Hier einzuschränken wäre unverantwortlich.

Die anvisierte Präsenz im Internet ist unbedingt wünschenswert, setzt aber voraus, dass die geforderte Diskussion stattgefunden hat.

Ute Faßbender-Heck

[aus: EnneaForum 19, Mai 2001, S. 6-7

Aus EnneaForum 19 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 19 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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