Echos zur JHV 2001 (2)

Wenn ich auf die 47 Jahre meines Lebens zurückschaue, dann gab es einige markante Stationen, die wir aus der Enneagramm-Literatur kennen: als Erstes der Aufbau einer Existenzgrundlage: Studium, Beruf, Kinder, Haus … Es folgt der physische und psychische Zusammenbruch … Klinik und die Beschäftigung mit mir selbst. Irgendwann lerne ich das Enneagramm kennen.

Ich erkenne mich schnell als typische unerlöste ZWEI. Als solche war ich sehr „erfolgreich“. Dankbar nehme ich an den Jahreshauptversammlungen teil, die mir die intensive Auseinandersetzung mit meinem Typ, meiner Persönlichkeit erlauben und wertvolle Erfahrungen vermitteln. Es folgen Exerzitien unter Einbeziehung des Enneagramms, die mein Gottesbild verändern, mich mit meiner Wurzelsünde – dem Stolz – in Berührung bringen. Sie vermitteln mir eine Ahnung vom Sein. Es folgen Jahre, die ich verbringe mit „der Arbeit am Sein“, dem Bemühen, meine Persönlichkeit zu verändern.

Verbissen widme ich mich dieser Aufgabe und komme immer mehr in Berührung mit meiner Wut, die überhaupt nicht zu meinem Konzept passt. Es ist das Konzept einer liebevollen, erlösten Zwei.

Schließlich weiß ich jetzt, wie ich sein sollte! Ein Teufelskreis!

Ich komme in Berührung mit östlichen Weisheitskonzepten und beginne, meinem Leben einen Rhythmus zu geben: Ich meditiere morgens um 6 Uhr und abends um 18 Uhr. Mit meiner „Zweier-Struktur“ ist das möglich, denn „wenn ich was mache, dann richtig!“: In den Atem gehen und damit Gedanken abschalten, Vorstellungen loslassen (soweit es geht), in die Leere gehen…

Es tut gut, mich zurückzuziehen, zu mir zu kommen und zwar nicht nur dann, wenn „mir danach ist“, sondern regelmäßig: morgens, bevor ich aus dem Haus gehe, abends, wenn der Tag „gelaufen ist“. So kommt, was kommen musste: In mir kocht gerade die Wut und es ist 18 Uhr. Nun habe ich ein Problem. Wie kann ich in und mit dieser Wut in mein Inneres treten, dort, wo ich Gott finden kann / Er auf mich wartet?

Schließlich siegt „die Angst“, meinen Rhythmus zu verlieren und ich folge dem Impuls, mich Ihm sogar mit meiner Wut zu stellen. Die Mantren und die „Technik“, nach innen zu gehen, helfen mir jetzt und ich erhalte die befreiende Botschaft: „Denkst du nicht, dass ich auch durch deine Wut hindurch wirken kann?!“

Ja, auch meine Wut gehört zu mir und es braucht Mut, anders zu sein als die anderen, die „lieben Kollegen“, die lieben Freunde usw. Es tut gut und ist befreiend zu spüren: Da ist kein Schimpfen/Verurteilen, sondern: „ich bin an deiner Seite“. Da wächst die Ahnung: In der Sache habe ich recht und bestimmt werde ich eines Tages die Wut, die Emotion nicht mehr brauchen (als Krücke), um meinen Standpunkt zum Ausdruck bringen zu können. Eines Tages werde ich genügend Selbst-Vertrauen haben, sodass ich Nein! sagen kann oder die Einhaltung von Spielregeln fordern kann, ohne den Energieschub der Wut zu brauchen.

Es ist die Grenzüberschreitung dorthin, wo ich weiß, was die jeweilige Situation von mir erfordert, wo ich nicht mehr erklären „muss“, nicht mehr rechtfertigen muss, nicht mehr angewiesen bin, dass andere mir zustimmen, mich anerkennen, mir mein So-Sein erlauben. Bis dahin wird es darum gehen, die Wut wahrzunehmen, und zu lernen, konstruktiv damit umzugehen.

Es geht um die Transformation meiner Persönlichkeit und ich weiß inzwischen, dass ich das nicht „machen“ kann, dass ich es aber zulassen kann. Ich weiß, dass ich meine Konzepte (auch die Enneagramm-Arbeit) loslassen muss, um offener zu sein, damit die Seele (die innere Person) immer mehr durch die Persönlichkeit hindurchscheinen kann. Das ist für mich ein Weg, der sich lohnt: der Weg von der Arbeit am Sein zum Sein!

Was mir auf diesem Weg geholfen hat ist

die Liebe und der Freiraum durch meine Familie, die es mir ermöglicht, mich zurückziehen zu können
die Exerzitien bei Sr. Anneliese
die regelmäßige Meditation
die Zeit
das Loslassen alter Konzepte
der Umgang mit liebevollen Menschen und der Verzicht auf ein negatives Umfeld (z.B. Fernsehen)
Das Helfen oder anderen Menschen eine Freude zu machen, d.h. das Dienen, wird zu einer Kraftquelle, wenn meine Motivation stimmt, d.h. wenn ich keine Erwartungen damit verknüpfe, wenn ich „angeschlossen“ bin. Dann gilt für mich: Ich bin und ich habe die Persönlichkeitsstruktur einer Zwei. Rita Dörr

Eigentlich wollten wir nicht teilnehmen, aber dann kam Heidis Anruf und wir waren dabei bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung. Ich denke, Heidis Aufforderung war kein Zufall, sondern ein Wink von oben, den Heidi weiterleitete. Danke, Heidi!

Wie so oft war ich mit Reinhart und meinem Schicksal in Clinch, und natürlich konnte die Tagung meine Probleme nicht zum Verschwinden bringen, aber ich erfuhr eine gewaltige Bereicherung für mein tagtägliches Leben und Kämpfen!

Meditationen sind mir zwar nicht fremd, jedoch sind die unkomplizierten und eingägigen Übungen, die uns Dietrich Koller vermitteln konnte, eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich erfuhr hier wirklich etwas zum „Mit-nach-Hause-Nehmen“, d.h. Reinhart und ich praktizieren diese Übungen auch ohne Anleitung!

Schon häufig erlebte ich bei Tagungen, Seminaren etc. eine Hochstimmung, die mich beflügelte, leider aber auch wieder verflog, sobald ich zu Hause war. Und genau darin liegt für mich ein wesentlicher Unterschied:

Dietrichs Übungen sind mir geblieben und dafür möchte ich an dieser Stelle nochmals herzlich danken.

Natürlich würde es mich interessieren, ob die anderen Teilnehmer eine ähnliche Erfahrung machen konnten. Ich denke, dazu wird spätestens bei der nächsten Tagung Gelegenheit sein.

Ich freue mich schon darauf!

Heide Förster, Blankenheim

[aus: EnneaForum 19, Mai 2001, S. 4

Aus EnneaForum 19 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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