Pfarrfest in St. Benjamin

Enneakram
Jedes Jahr im Sommer gibt es in St. Benjamin ein großes Pfarrfest, zu dem Jung und Alt eingeladen sind. Am Anfang steht der Gottesdienst, danach ein großes Picknick im Pfarrgarten und am Abend ein großes Feuerwerk. Natürlich geben sich auch allerlei bekannte Gestalten ein Stelldichein. Erkennen Sie sich wieder?

Die Einser werden nicht müde, darauf hinzuweisen, daß noch lange nicht alles vollkommen ist: Der Gottesdienst dauert ewig, die Predigt war schlecht vorbereitet, die Würstchen zu klein und teuer, morgens war das Wetter zu warm und nachmittags zu kalt – ihre spöttische und nörgelnde Art signalisiert, daß alles anders gelaufen wäre, wenn nur die ,;richtigen” Personen etwas zu sagen gehabt hätten…

Für die Zweier war das Pfarrfest ein wahrer Festtag – sie waren unentbehrlich und den ganzen Tag im Einsatz. Wenn irgendwo im Kindergarten; beim Würstchenstand oder sonstwo etwas gebraucht wurde, waren sie bald zur Stelle. Sie schafften es sogar am Sonntag noch Eis zu organisieren, als die letzte Portion ausgegangen war.

Das Fest war für die Dreier die Gelegenheit, ihrem Organisationstalent mal endlich freien Lauf zu lassen. Schon im Vorfeld gelang es ihnen, das Fest als die Feier des Jahres zu „verkaufen” und viele Leute zu begeistern. Rätselhaft blieb allerdings, wie sie sich selbst auf dem Fest fühlten.

Die Vorbereitung der Vierer begann schon zu Hause, wo sie sehr sorgfältig die Kleidung für diesen Tag auswählten. Zwischendurch trennten sie sich von dem bunten Treiben und gingen ein Stück beiseite, wo sie ihre Gedanken wehmütig zu alten Tagen schweifen ließen. Sie waren dabei und hatten trotzdem innerlich das Gefühl, niemand würde sie wirklich verstehen. Dazwischen immer wieder überschwengliche Gefühlsäußerungen: „wunderbar” – „phantastisch” -„Dich mal wieder zu sehen..”

Viele Fünfer blieben an diesem Tag zu Hause. Diejenigen, die sich nach St.Benjamin trauten, blieben dort aber eher im Hintergrund. Sie kamen und gingen, ohne daß jemand von ihnen sonderlich Notiz nahm. Beim Picknick saßen sie als stille Beobachter dabei und beteiligten sich nur spärlich am Gespräch.

An so einem Tag ist es nur mehr als recht, sich darauf zu besinnen, welche Verantwortung jede/r für die Gemeinde hat. Die Ausgelassenheit der anderen beobachten die Sechser sehr vorsichtig, gleichzeitig zeigt ein gelegentliches Lächeln die gut verborgene Ängstlichkeit. Gespannt lauschen die Sechser dem Festvortrag des Pfarrers.

Um zu feiern, brauchen die Siebener bestimmt kein Pfarrfest, obwohl es sicherlich einen Höhepunkt im Kirchenjahr darstellt. Sie genießen alles: Essen; Lachen, Leute… Nichts Negatives soll den Tag stören. Mit lachender Stimme ziehen sie von Gruppe zu Gruppe und stecken mit ihrer Fröhlichkeit viele an.

Sicher fahren die Achter durch den Tag – sie haben alles im Griff: Ereignisse und Leute. Aufgaben werden verteilt und ihre Energie wirkt sehr ansteckend. es ist bewundernswert, wie sie es schaffen, nur das zu tun, was sie wollen.

Ein wundervoller Tag. Kein Grund, den Aktivitätsspiegel anzuheben. Zeit, sich in den Schaukelstuhl zurückzulehnen, ein Nickerchen zu halten, etwas zu spielen, zu essen und zu trinken. Es war leicht, den Tag zu überstehen und mit ihrer monotonen Stimme zeigen die Neuner den übrigen, daß es eigentlich nichts schrecklich Bedeutsames gibt. Ah, diese herrlich faulen Sommertage.

Dr. Christian Wulf

(nach einer Idee des Enneagram Educator)

[aus: Enneagramm-Rundbrief 3, April 1992, S. 15

Aus EnneaForum 03 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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