Outing der Prominenz. Enneagramm im Film

Nein, nein, nicht was Sie meinen… Bei uns geht es beim outing nur um die uns alle bewegende Frage: Wer ist was im Enneagramm? Hier ein paar neue, nicht zu ernst zu nehmende, aber doch bedenkenswerte Entdeckungen – mit der freundlichen Einladung zum eigenen Weitersuchen: Fernsehen wird mit dem Enneagramm erst schön!

EINS
Viele Helden des amerikanischen Kinos sind EINSER: aufrechte, an der richtigen Stelle zornige Männer. Ein Film bringt diesen Typus in bemerkenswerter Weise an seine Grenze: Mosquito Coast mit Harrison Ford, vermutlich auch persönlich ein EINSER. Hier spielt Ford einen Erfinder, der aus Zorn über die dekadenten, japanisch überfremdeten USA mit seiner Familie in den südamerikanischen Dschungel zieht und dort die wahrhaft perfekte Gesellschaft aufbauen möchte. Wichtigstes Utensil ist eine von ihm entworfene gigantische Eismaschine, denn „Eis ist Zivilisation” – er will nicht in VIERER-Manier zurück zur Natur, sondern auch den Dschungel nach seinem Bilde gestalten. Klar, daß das Unternehmen scheitert und in einer Umweltkatastrophe sowie einer persönlichen Tragödie endet. Seine Familie hat erst eine Überlebenschance, als er am Schluß stirbt. Ein spannender Streifen, nicht nur für EINSER, die vor so viel Spiegel-Vorgehalten-Bekommen erschrocken zurückweichen werden.

SECHS
Es gibt einfach zu wenig prominente Sechser. Viele Aussagen des Gipfelstürmers und medienmäßig unvermeidlichen Reinhard Messner deuten stark ins Kopf-Zentrum. Messner redet viel von der Angst, die wichtig sei als Schutz vor der Gefahr – und in die er sich immer wieder bewußt hineinbegibt, um sie zu erleben und zu überwinden.

Auf einem Foto des verbissenen muskulösen Immer-Gewinners Silvester Stallone hat Marion spontan den verschreckten Blick der SECHS entdeckt. Als Rambo läßt Stallone ganz USA rückwirkend den Vietnamkrieg gewinnen. Als Rocky besiegt er – ebenfalls in mehreren Folgen – sämtliche Ängste der Nation: vor der gelben Gefahr, vor dem einst gefürchteten Weltkommunismus, vor dem bösen Hausnachbarn. Stallone ist als SECHS der nationale Trostpunkt der Vereinigten DREIER-Staaten von Amerika. Und immer, immer gewinnt er. Das unterscheidet ihn vom anderen Nationalsechser, Donald Duck. Doch ist Stallone (im Film wie im Leben) genau wie Donald ein Underdog, der sich nach oben boxt und gegen die eigene Angst antritt. Zusammengenommen ergeben alle seine Filme einen großen amerikanischen Heldenweg nach dem Motto „Wo die Gefahr wächst, wächst das Rettende auch”.

Fest steht seit seinem Interview in der ZEIT, daß Loriot eine SECHS ist, ausgestattet mit einer höchst bewußten und ausdrücklichen ,pessimistischen Weltsicht. Typisch sind die frühen Zeichentrickstücke mit den zwei Männern in der Badewanne (einer davon heißt meistens Müller-Lüdenscheid): das gespaltene Ich der SECHS, im Zwiespalt mit sich selber. Loriots Themen sind klassische Sechserthemen: Kleinbürgerliche Alpträume (die Nudel am Kinn beim Rendezvous) und eine monströse Mutterbindung (Odipussi). Außerdem zeigen unsere Erfahrungen, daß SECHSER Loriot besonders lustig finden.

Ein anderer Artikel in der ZEIT (11/92 S. 77) legt die Vermutung nahe, daß Bert Brecht eine Sechs war. Zitate: „Aus Lebensangst verschrieb sich Brecht einem System, in dem alles ein für alle Mal festgelegt war.” „Brecht protestiert gegen die Autorität und ist an sie fixiert.” „Statt Frauen und Männern in den Stücken von Brecht immer wieder Mütter und Söhne.” „Brecht kennt seine innere Konstitution: Die ist so, daß er, dem Schein seines spontan-rebellischen Auftretens entgegengesetzt, Anlehnung braucht … Brecht ist gespalten.”

SIEBEN
Peter Pan ist sozusagen per definitionem eine SIEBEN: Das magische Kind, das nicht erwachsen werden will und keinen Schatten hat (also seine dunkle Seite nicht annehmen kann). In Steven Spielberg neuestem Blockbuster-Opus Hook ist dieses archetypische Kind erwachsen geworden und hat sein eigenes Thema völlig verdrängt, lebt aber die maßlose Seite der Sieben wenigstens als maßlos erfolgreicher Anwalt im amerikanischen Superbusiness – mit allen Klischees, nie Zeit für die Kinder, immer vom drahtlosen Telefon beherrscht. Erst im Nimmernimmerland (der eigenen Kindheit) entdeckt er seine Kindheit und Phantasie wieder. Er kann wieder fliegen wie früher (in den schönsten Flugaufnahmen seit Superman I) und befreit seine Kinder aus der Hand des wunderbar bösen Piratenkapitäns Hook. Es fällt schwer, den hakenhändigen Schurken (da von Dustin Hofmann herrlich gespielt, der eigentliche Star des Films) im Enneagramm unterzubringen. Spielberg zeichnet ihn offenbar ebenfalls als SIEBEN: Hook hat viele Schuhe, viele Untergebene, immer, ein großes Buffet in der Kajüte, er plant seine Abrechnung mit Pan genüßlich und sehr kopfgesteuert. Er will, daß Pans Sohn ihn liebt und mit dem eigenen unzuverlässigen Vater bricht. Ist Hook das älter Ego des Peter Pan? Jedenfalls der schönste Vaterfilm, den ich kenne, hemmungslos sentimental und triefend vor Moral: Väter, kümmert euch um eure Kinder! Die Zeit mit ihnen ist so kurz! Dabei aber immer lustig, even in the quietestmoments – so meisterhaft balanciert und getimt wie ein Billy-Wilder-Film. Von der Ausstattung her unmäßig wie alle Filme des SIEBENERS Steven Spielberg: Jede Einstellung enthält mehr Details, als man selbst bei stundenlanger Betrachtung aufnehmen könnte. Dazu atemberaubende Kamerafahrten und Spezialeffekte vom Feinsten. Ein wahnsinnig amerikanischer Film der TriStar Produktion. Typisch für USA auch die pikante Kleinigkeit, in kleiner Schrift oben auf dem Kinoplakat zu finden: „TriStar is a Sony Corporation”.

Werner Küstenmacher

[aus: Enneagramm-Rundbrief 3, April 1992, S. 9

Aus EnneaForum 03 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

]

Aus EnneaForum 03 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare

  • 1
Pfau Pia · 20.11.2013 23:55 → Kommentarlink 001632

Loriot ist eine 9. Diplomatisch, ängstlich wie Neunen sind und nicht wie Sechsen und Muttersöhnchen, Sechser sind Vaterkinder…..und und und Er war auch so herzlich wie es eben nur Neuner sind. Mein Mann mag ihn besonders und der ist auch zumindest ein Neunerflügel.
Gruß

  • 1




Hier können Sie einen Beitrag dazu verfassen:

  Textile-Hilfe

Impressum: Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V. | Vereinsregister-Nr. 100528 Amtsgericht Lüneburg
Geschäftsstelle: Eveline Schmidt | Wehlstr. 23 | 29221 Celle | Tel. (05141) 42234 | info@enneagramm.eu
Web-CMS Textpattern || 2010 eingerichtet von Michael Schlierbach | Marktplatz 32a | 83115 Neubeuern | Tel. 08035 - 875930