"Mit aller Gewalt in die Ecke feuern"

“Das Enneagramm” von Richard Rohr und Andreas Ebert wird in diesen Tagen zum 100.000ten Mal verkauft werden. So viel Erfolg macht manchen mißtrauisch, zum Beispiel Hans-Georg Wünch in der Zeitschrift “Neues Leben” (Nr. 2/’92) der gleichnamigen evangelikalen Missionsgesellschaft von Anton Schulte.

Auch beim Enneagrammbuch von Rohr, und Ebert gebe es “viele zutreffende und richtige Einzelbeobachtungen”. Problematisch erscheint Wünch, daß unterschiedslos von “Gott” geredet wird, “als sei der in allen Religionen der gleiche”. Die Aussage, daß sich in anderen Religionen Wahrheit finde, “die von Christen ernstgenommen werden kann und muß”, empfindet der Autor als zutiefst antibiblisches Gottesbild.

Das Enneagramm gehe außerdem davon aus, daß der Mensch Gott nicht begegnen kann, solange er sich nicht selber richtig verstanden hat. Dem setzt Wünch entgegen, daß der Mensch Gott überhaupt nicht begegnen könne – es sei denn, Gott selber eröffne diese Begegnung. Erlösung werde bei Rohr/Ebert umgedeutet zu einer langsamen, stetigen und vom Menschen zu vollziehenden Entwicklung.

Wünch zitiert aus dem “Enneagramm” zutreffend: “Die christliche Lehre … betont, daß es den unverletzten, freien, sehr guten Menschen zu keinem Zeitpunkt seiner Existenz real gibt.” Dennoch wirft Wünch dem Enneagrammbuch vor, daß es das Sündersein des Menschen leugne und die Sünde verharmlose. Folgerung: “Es ist nicht möglich, das Buch ‘Das Enneagramm’ in der christlichen Seelsorge gewinnbringend einzusetzen … Dieses Buch kann man nicht achtlos beiseite legen. Man muß es schon mit aller Gewalt in die Ecke feuern.”

Weniger gewalttätig geht der Schweizer Erwachsenenbildner Samuel Jakob im “Reformierten Forum” (Nr.7/92) mit dem Buch von Rohr/Ebert um. Das Buch gehe vom Menschenbild eines begabten Sünders aus und sei als Einladung, sich selbst mitsamt seinem Abgrund anzunehmen, eine sehr konkrete Form der reformatorischen Lehre der Rechtfertigung des Sünders. Rohr und Ebert gebrauchten dabei den Begriff Sünde in einer Art “zweiter Naivität, die sehr erfrischend wirkt und dem Buch zu einer sehr evangelisch anmutenden Ausstrahlung verhilft, vor allem weil es sehr subtil mit der Dialektik von Evangelium und Gesetz umzugehen weiß.”

Samuel Jakob vermißt in der Schweiz eine Plattform wie den ÖAE und möchte die Frage einer schweizerischen Arbeitsgemeinschaft prüfen. Aber, so fragen wir, sind denn die Grenzen zwischen D und CH so unüberwindbar, daß er nicht auch auf die Möglichkeiten unseres Arbeitskreises zurückgreifen könnte?

[aus: Enneagramm-Rundbrief 3, April 1992, S. 5

Aus EnneaForum 03 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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