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Bei den Wüstenvätern zur Schule gehen

von Holger Forssman

Die Anfänge des christlichen Mönchtums liegen in der ägyptischen Wüste. Dorthin zogen sich gegen Ende des 3. Jahrhunderts Einsiedler zurück, um zu fasten, zu beten und nebenher einfache Handarbeiten zu verrichten. Als es immer mehr wurden, die diesen Vätern folgten, wurden lose Siedlungen gegründet und Regeln für das Zusammenleben aufgestellt. Bereits um das Jahr 320 gab es die ersten Klöster. Frauen waren die Ausnahme, aber es gab auch Wüstenmütter und Nonnenklöster.
Was kann ich – ein lutherischer Theologe – von den Wüstenvätern und -müttern lernen? Von evangelischen Kirchengeschichtlern werden sie eher ungünstig bewertet. Kein Wunder. Die Wüstenväter gingen von der selben Frage aus, die auch Martin Luther umgetrieben hat: „Wie kann ich gerettet werden?“ Aber ihre Antworten wiesen genau den Weg, den der Reformator bewusst verließ: strenge Askese, Rückzug aus der Welt, Hinwendung zu Gott in unbedingter Einseitigkeit. Alles das hatte Martin Luther zuerst selber versucht und dann als Heilsweg abgelehnt.
Auch anderes finden wir bei diesen Vätern, was Bauchgrimmen verursacht: ein Zwei-Klassen-Christentum, in dem die frommen Asketen selbstgerecht auf die „Weltkinder“ herab blicken; ein Heilsegoismus, der die bedürftigen Mitmenschen aus dem Blick verliert; eine kriegerische Frömmigkeit, die den Kampf gegen die teuflischen Mächte in den Mittelpunkt des Glaubenslebens rückt.
Die Wüstenväter und -mütter waren freilich nicht in allen Dingen einer Meinung. Zu den überlieferten Worten und Taten, die mich ärgern und wurmen, lassen sich immer auch Gegenbeispiele finden. Die Wüstenväter waren eigenständige Persönlichkeiten. Manches, was einer gut heißt, wird von einem anderen deutlich getadelt. Sie sind miteinander im Gespräch. Und deshalb laden sie ein, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Immer wieder folge ich dieser Einladung, lerne von ihnen, reibe mich an ihnen, lasse mich in Frage stellen und auf neue Gedanken bringen…

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