Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer: Zur Situation der Ökumene

Autor: P. Ludwig Zink

„Die Jahreszeiten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren“, sagte mir ein Bekannter. Dieses Jahr zum Beispiel sei der Sommer mit seiner Hitze gleich nach dem harten Winter gekommen, der Frühling sei auf der Strecke geblieben. Die früher erlebten Jahreszeiten, so wünschte ich mir, könnten auch ein Sinnbild der Ökumene sein. Doch dem ist nicht so.

Nach einer langen Kälte- und Winterperiode der Anfeindungen und Befremdungen erlebten wir Katholiken nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine einzigartige Aufbruchsstimmung, die einen ökumenischen Frühling mit sich brachte. Als junger Priester begleitete ich in den siebziger Jahren drei ökumenische Arbeitskreise, die sich fast ausschließlich aus bekenntnisverschiedenen Ehepaaren zusammensetzten. Auch ein evangelischer Kollege war als Begleiter dabei. Wir waren damals nicht nur voller Tatendrang, sondern rangen auch um die jeweils überlieferten Traditionen und Glaubensvorstellungen. Wir verteidigten sie, oder wir überprüften sie in den gemeinsamen Gesprächsabenden. Wir kamen zu neuen Sichtweisen, die uns – nicht zuletzt aufgrund der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils – mit Freude erfüllten. Wir verfassten Briefe an den Ortsbischof oder luden ihn zum Gespräch ein, doch er wollte „nur“ seinen Generalvikar senden, den lehnten wir in stolzer Bescheidenheit wiederum ab. In der traditionsreichen evangelischen Martinskirche, die vor der Reformation von den Augustiner Chorherren betreut wurde, feierten wir am Ort jeweils Eucharistiefeiern, wobei die Einsetzungsworte des Abendmahls von uns beiden, also vom evangelischen Pfarrer und von mir gemeinsam gesprochen wurden. Es gab auch Vernetzungen der Arbeitskreise und ihnen ist es auch zu verdanken, wenn manche rechtliche Bestimmungen abgeändert wurden, wie zum Beispiel die Verpflichtung zu einer katholischen Kindererziehung in den Ehedokumenten.
Das alles ist nun fünfunddreißig Jahre her, und ich frage mich, wo denn der ökumenische Sommer geblieben ist. Es ist Frost über die frühen Blüten gekommen, und der Winter ist zurückgekehrt.

Man kann natürlich an einzelne den Sommer ankündende Schwalben denken, . . .

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