Ortsbestimmungen: Unser Arbeitskreis und die ökumenische Bewegung

Autor: Holger Forssman

Der ökumenische Arbeitskreis Enneagramm hat sich von seiner Gründung an als Teil der ökumenischen Bewegung gesehen. Diese ist – ihrem Namen entsprechend – immer weiter unterwegs. Darum wird von Zeit zu Zeit eine neue Ortsbestimmung nötig. Wo sind wir eigentlich gerade? Stimmt die Richtung noch? Müssen wir umsteuern oder gar gegensteuern? Ich will an dieser Stelle ein paar Anregungen zur Orts- und Zielbestimmung geben.

I.
Der gegenwärtige Stand der Ökumene insgesamt ist vor allem eines: Uneinheitlich. Man könnte die Ökumenische Bewegung mit der antiken Völkerwanderung vergleichen. Alle möglichen Leute haben sich auf den Weg gemacht. Sie haben ungefähr die gleiche Herkunft und einen gemeinsamen Wunsch: hinaus aus der Enge und Vereinzelung in die große weite Welt, die von unbekannten Verwandten wimmelt. Sie sind in verschiedenen Gruppen aufgebrochen, im Familienverband oder als ganzes Dorf. Sie benutzen verschiedene Verkehrsmittel vom Wanderstock über den Ochsenkarren bis zum Segelschiff.
Manchmal trifft man einander und legt ein Stück Weg gemeinsam zurück. Manchmal trennt man sich wieder, weil es Uneinigkeit über die Geschwindigkeit oder das Ziel gibt.
Alles in allem kommt man aber doch voran.

Das Flaggschiff der ökumenischen Bewegung, sozusagen die „Queen Mary“ ist der Ökumenische Rat der Kirchen. So richtig unter Dampf ist dieses Schiff seit 1948, angefeuert von der Sehnsucht nach weltweitem Frieden. An Bord sind überwiegend Matrosen mit protestantischer und orthodoxer Herkunft. Die römischen Katholiken sind an Land geblieben und verfolgen die Reise des großen Dampfers von dort aus.
Die Fahrt verläuft nicht immer gradlinig. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass der Kapitän, Jesus Christus, in seiner Kajüte zu schlafen scheint und das Schiff den Wellen überlässt. Er hat zwar sehr schöne schriftliche Anweisungen über den Kurs hinterlassen, aber die geben reichlich Anlass zu Diskussionen, weil jeder sie anders versteht. Matrosen sind leider rauflustig. Und so gibt es auf dem Schiff immer wieder Reibereien. Gelegentlich seilt sich auch jemand ab und bricht zu anderen Ufern auf.

In den sechziger Jahren haben die an Land gebliebenen Katholiken einen eigenen Sonderzug eingesetzt. Er hat den Bahnhof von Rom, der Stadt des zweiten Vatikanischen Konzils, mit Volldampf verlassen, um andere Christen einzusammeln und ebenfalls das Ziel der Einheit anzusteuern. Inzwischen ist auch diese Fahrt ins Stocken gekommen. Manchen Passagieren geht es zu langsam voran. Sie sind auf andere Verkehrsmittel umgestiegen oder haben sich am Rand der Strecke wohnlich niedergelassen. Andere beschweren sich beim Zugpersonal. „Wo fährt der Zug denn hin? Ich habe doch keine Rundreise gebucht! Merken Sie nicht, dass wir schon wieder in Richtung Rom unterwegs sind…?“

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