OEKUMENE - ein (gestörtes) MANDALA

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III. Kirchenökumene

Betreten wir jetzt also den nächsten, den spezifischen Kreis der Ökumene. Der Skandal ist doch der, dass sich jede der drei großen Konfessionskirchen immer noch als die „eigentliche“ Kirche versteht. Papst Paul der VI, dieser bedeutende, tragisch-melancholische Geist hat gesagt: „Ich weiß, ich als Papst bin das große ökumenische Hindernis.“ Und er meinte damit: Ich muß mich euch zumuten, ich kann das Wesen meines Amtes nicht ändern. Es ist „geoffenbart“ und nicht menschengemacht. Aber denken wir Lutheraner nicht genau so von unsrem gottgeschenkten, unumstößlichen reformatorischen Erbe? Von der imposanten ostkirchlichen Selbstbeweihräucherung ganz zu schweigen. Alle aber wissen: unser gemeinsamer Herr und Hirte Jesus Christus kann nur eine einzige Herde haben, nicht zwei oder drei. Jesus Christus ist nicht evangelisch, nicht katholisch, nicht orthodox. Und wo in einem Stadtteil zwei oder drei verschiedene Kirchengebäude und Konfessionsgemeinden existieren, kann es von IHM her gesehen nur eine einzige Ekklesia in diesem Stadtteil geben. Die Institutionen, die Leitungsorgane, die Liturgien, die Dogmen, die Hierarchien mögen getrennt und unvereinbar sein, aber die Herzen und Leiber, die IHM gehören, sind eins. Der Leib Christi ist nicht zerteilt. Was zerteilt ist, ist das sichtbar Menschengemachte. Die unzerstörbare Einheit der Kirche als Leib Christi ist tief verborgen, ist ein Credendum, nicht ein Empirikum. Wenn wir das wirklich glauben, machen wir auch neue Erfahrungen. Wir haben ja tatsächlich einige sichtbare Zeichen der Einheit: Wir haben den selben biblischen Kanon, das selbe trinitarische Credo, die selben Charismen, die selben Geistesfrüchte, die selbe Agape, die selben Diakonien, die selben Sakramente von Taufe und Mahlfeier. Theologisch trennt uns da nichts. Was uns trennt, ist die so genannte Ämterauffassung. Im Klartext: da geht es nur scheinbar um Theologie, in Wirklichkeit um Psychologie oder gar Psychopathologie, nämlich um die neurotische Machtfrage, gekleidet ins löchrige Gewand so genannter Wahrheit.
Da hilft keine fromme oder spirituelle Irenik, die alles friedlich überspringt. Jede Kirche muss zu ihren Wurzeln zurück kehren (metanoia) und die Verstiegenheiten in den Jahrhunderten des Getrenntseins korrigieren. (reformatio). Gleichzeitig und nur dann können und müssen wir auch auf Konfrontationskurs gehen und uns gegenseitig herausfordern.

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Kommentare

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Ludger · 09.11.2006 09:28 → Kommentarlink 000304

Lieber Dietrich Koller! Mir sind Tränen in den Augen gestanden, beim Lesen deines Aufrufes, deiner flammenden Worte, die so voll Hoffnung und Liebe zu Christus und sEINER Kirche sind (kein Tippfehler!). Danke!! Ich freue mich schon sehr auf den Tag, da ich den ganzen Artikel lesen kann. Ludger

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