Jakob und das Prozessmodell

ein Gedanke zum Workshop „Das Enneagramm als Prozessmodell“ auf der JHV 2006

Das Enneagramm als Prozessmodell war mir völlig unbekannt. Deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, mich auf der JHV beim Workshop über das Prozessmodell zu informieren.
Kurze Darstellung des Modells: Hier will das Enneagramm modellhaft jeden Veränderungsprozess oder Wege der Problemlösung beschreiben:
Das Enneagramm als Prozeßmodell
Dabei hat mich als Fünf mit Viererflügel der “Graben“ in dem Modell zwischen Vier und Fünf besonders interessiert.
Zieht man durch den Integrationspunkt Neun und die Lücke zwischen Vier und Fünf eine Achse, so fällt auf, dass von Eins bis Vier die „problembezogene“ Seite und von Fünf bis Acht die „lösungsbezogene“ Seite ist. Dazwischen ist sowohl beim Enneagrammmodell, als auch in jedem Prozess ein „Graben“. Wie es einem Menschen gelingt, diesen Graben zu durchqueren, darüber konnte in der Kürze der Zeit nur spekuliert werden. Die Energie der Vierer-Kreativität und der Fähigkeit der Fünf, Dinge klar zu analysieren und einzuordnen, spielen sicherlich eine Rolle. Dass Gnade im Spiel sei, darüber waren wir uns einig.
Sofort kam mir der Gedanke an Jakob am Jabbok. Dieses Bild hatte ich in einer entsprechenden Situation gemalt und auch zur JHV für die Thomasmesse mitgebracht:
Jakob muss einen riskanten Schritt tun, so wie jeder Schritt in Neuland (oder hier wieder das Vaterland) etwas Riskantes hat. Man muss Altes, Bewährtes loslassen, sich hinterfragen lassen, seine Muster aufdecken: Der Mann Gottes fragt ihn: Wer bist Du? Wie ist dein Name?
Jakob begegnet nicht nur Gott, sondern auch sich selber, muss zu sich, Jakob dem Betrüger stehen und erhält im Ringen seinen neuen Namen: Israel, Gotteskämpfer.
Den neuen Namen verstehe ich als Hinweis auf den Integrationspunkt. Denn es ändert sich sicher nicht nur das Verhalten, sondern auch das Wesen.
Die Gefahr, zu sich stehen zu müssen, ja sogar die Gefahr, verletzlich zu sein und erst einmal eingeschränkt zu werden, wie Jakob, der von Stund an hinkte, liegt wohl in jedem „Grabensprung“. Jakob zeigt, dass es auch nicht ohne Ringen und Beharrlichkeit geht, immerhin kämpft er die ganze Nacht und lässt nicht eher locker, als dass er den Segen zugesprochen bekommt.
Dem Beobachter des Kampfes wird aber klar: Gott lässt sich gerne besiegen und erweist seine Gnade, wenn ihm Wahrhaftigkeit und echtes Sehnen begegnet. Allerdings muss so mancher Kämpfer auch reifen.
Gerade mir als Fünf liegt es nahe, Prozesse strukturell zu betrachten und so werde ich wohl noch häufig vor der grundlegenden Aufgabe stehen und von der Problem-orientiertheit rüber müssen (und dürfen) zur Lösungsseite und das Modell hilfreich und ermutigend vor Augen haben. Gut zu wissen, dass sowohl Entschlossenheit, als auch Wahrhaftigkeit nötig sein werden, dass aber vor allem mit Gottes Gnade zu rechnen ist. Ute Aland

Aus EnneaForum 29 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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