Workshop Aggression und Enneagramm

Aggression und Enneagramm – so hieß das Thema eines Workshops im Rahmen der Jahreshauptversammlung des ÖAE. Aggression und Ich – ICH bin nicht aggressiv, was soll ich da. Damit habe ICH kein Problem.
Und doch war da so eine innere Kraft, die mich, wie schon so oft, geschoben hat: Im Inneren – das könnte interessant sein; im Äußeren etwas überheblich – na ja, man kann sich ja mal anhören/-schauen, was die Anderen für Probleme mit ihren Aggressionen haben.
Die Einleitung lässt schon anklingen, was danach kam: Die Aggression war mein Thema und zwar faustdick, mehr als dick und Augen öffnend.
Als Wally, die Workshopleiterin, die Erzählung von der Judith aus dem AT wiedergab und die dort ausgelebten Aggressionen verdeutlichte, da war mir das vom Kopf her nachvollziehbar. Aber natürlich nicht mich betreffend – ich bräuchte derart aggressives Verhalten nicht.
Danach erhielten wir den Auftrag, uns mit zwei Fragen zu beschäftigen, erst allein, dann mit einer zweiten Person in der Reflektion und in der ständigen Wiederholung der Frage, wodurch eine immer tiefere Schicht des Eigenen berührt wurde.

  • In welchen Situationen hat Aggression in deinem Leben eine wichtige Rolle gespielt?
  • Wie gehst du heute mit deinen Aggressionen um?

Ja und da war die Aggression dann eben doch mein Thema, nämlich weil ich als VIER mein Leben lang nur darauf bedacht war, nett zu sein, nicht anzuecken, Anerkennung zu bekommen, aber bloß nicht so unangenehm aggressiv vor anderen Menschen aufzutreten.
Die könnten mich ja nicht mehr mögen, und wer weiß, was alles passieren könnte, wenn ich meine Aggressionen raus lassen würde. Und die sind da, das habe ich in diesem Moment gemerkt: Da gab es Menschen in meinem Leben, die mich ausgenutzt haben, die mich körperlich und noch mehr seelisch verletzt haben, die meine Seele haben verhungern lassen.
Und ich bin endlich in der Lage, zu spüren – eigentlich möchte ich wütend sein, hassen, mich wehren, aber ich habe gar nicht gelernt, wie man das macht. Ich bin ja schon glücklich, dass ich heute erkenne, wenn jemand meine Grenzen überschreitet.
Ich mache mir das immer mit einem Bild deutlich: Ich selbst bin wie ein Haus mit seinen Fenstern, Türen, Wänden, Zimmern usw. Dieses Haus hat aber einen Vorgarten mit einem kleinen Zaun darum. Diesen Vorgarten versuche ich zu pflegen und schön anzulegen, aber es gab in meinem Leben immer wieder Menschen, die mit ihren großen Füßen einfach durch diesen Vorgarten gelatscht sind. Und ich habe es zugelassen, nicht einmal wirklich bemerkt!
Nun ist mir dies bewusst: da darf keiner durchlatschen, das ist mein Vorgarten, da sind meine Grenzen, da darf keiner rein, es sei denn er fragt mich, und ich will es so.
Aber was tun mit denen, die über diese Grenzen gehen? Ich lerne so langsam, aber wirklich langsam, da immer aufmerksamer zu werden und mich zu wehren. Kleine Schritte, aber das ist auch gut so, denn es macht mir schon etwas Angst, meine Aggression auszuleben.
Wer weiß, was zurück kommt, vielleicht ist die zurückschlagende Aggression für mich nicht mehr auszuhalten? Oder auch die Angst, dass meine eigene Aggression so übermächtig, weil aufgestaut, werden könnte, dass ich sie nicht mehr unter Kontrolle habe.
Irgend jemand hat bei der JHV gesagt (oder ähnlich): Mut ist es, auch mit Angst etwas zu tun, was man bisher noch nie gemacht hat. Dies wünsche ich mir für mich.

Ein weiterer Aspekt bei unseren Fragestellungen während des Workshops war, wie wir mit der vorhandenen Aggression umgehen, früher – heute. Dabei ist mir ein für mich ganz besonderer Aspekt bewusst geworden: Ich konnte Aggression nicht nach außen geben, war immer „nett“, die „brave Tochter“. Ich habe stattdessen die Aggression gegen mich gerichtet: Ich habe mich gehasst, dafür, dass ich nicht ehrlich sein konnte, dass ich mich verstellt habe, dass ich Schuld war, an allem, was Schlechtes um mich passierte…
Diese unendliche Welle von Hass und Aggression musste sich, weil ich sie aus meinem Kopf verdrängt hatte, einen anderen Weg suchen, und den hat sie auch gefunden: die Autoaggression.
Ich habe mein Leben lang mit Autoimmunerkrankungen zu tun gehabt: erst Neurodermitis, dann MS, Allergien gegen alles Mögliche. Diese Erkenntnis ist heftig, denn es ist, als wenn auf einmal ganz klar vor meinen Augen steht: Ich allein kann etwas an diesen Krankheiten und meinem Wohlbefinden ändern. Nur ich kann meine Aggressionen in die richtige Richtung lenken. Ich habe seit 2 Jahren keinen MS-Schub mehr gehabt, die Neurodermitis hilft mir nach wie vor, zu erkennen, wo ich mich gerade wieder mal in meiner Haut nicht wohl fühle, und ich arbeite daran, Instrumente der stetigen sanften Aggressionsentladung zu finden, damit nicht die Woge überschwappt.
Ich habe auf dieser JHV in der Thomasmesse einen wundervollen Segen erhalten – einen Segen, der bei mir Körper, Geist und nun auch SEELE zusammengeführt hat. Ich habe dies als Kraftmoment erlebt, auf mich, meinen Körper, meinen Geist und vor allem auf meine Verbindung zu Glaube und Gott zu vertrauen. CM

Aus EnneaForum 29 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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