„Gott sei Dank immer noch verheiratet!“

von Marie-Helene Huebben

Seit mehr als 10 Jahren leitet Sr. Marie-Helene Huebben eine spirituelle Enneagrammgruppe im Pallotti-Haus Freising. Die Gruppe trifft sich einmal monatlich und besteht aus 8–10 Personen. Gearbeitet wird mit der heiligen Schrift, aber auch Märchen, anderen Texten und eigenen Erfahrungen – immer rundherum um das altbewährte Bodenbild des Enneagramms. In den vergangenen Jahren ist die Gruppe zunehmend mehr eine enneagramm-therapeutische Gruppe geworden, gestützt auf neue Erkenntnisse wie z. B. Marie-Helenes familientherapeutische Fortbildung.
Wie diese Enneagrammarbeit Früchte trägt, zeigt das folgende Interview mit Viktor (SIEBEN) und Maria (VIER).
Marie-Helene: „‚Gott sei Dank, immer noch verheiratet‘, das kommt mir in den Sinn, wenn ich Euch beide sehe.“
Viktor: „Ja, das kann ich nur bestätigen. Wir sind 35 Jahre verheiratet. Unsere beiden Söhne sind erwachsen, und dadurch stand unsere Ehe auf dem Prüfstand.“
Maria: „Viktor hat zuerst angefangen, Seminare zu besuchen. Er ist immer auf der Suche nach Neuem, Du weißt schon. In Cham lernten wir das Enneagramm kennen und wollten weiter machen. Deine spirituelle Gesprächsgruppe, die ja inzwischen therapeutischen Charakter hat, tut uns dabei gut.“
Viktor: „Nun kommen wir schon fast 3 Jahre monatlich zu Deiner Enneagramm-Gruppe. Deine Darstellung, dass die drei Zentren wie verschiedene ‚Planeten‘ sind, gab uns die Möglichkeit, Verschiedenheit zu verstehen und Versöhnung zu erleben.“
Maria: „Ja, ich habe so oft unter emotionaler Nichtbeachtung durch Viktor gelitten.“
Viktor: „Und ich unter dem Gefühlskram von Maria. Ich bin manchmal aus der Haut gefahren und habe sie angebrüllt. Sie war oft enttäuscht und beleidigt. Das hat unsere Ehe schwer belastet.“
Maria: “Doch mit der Zeit habe ich meinen unterdrückten Zorn entdeckt, und unter dem hat der Viktor heute noch manchmal zu leiden.“
Viktor: „Toll ist die Offenheit und Ehrlichkeit in der Gruppe. Deine offene und ehrliche Art hilft uns enorm, die Krisenpunkte unseres Lebens zu erkennen und zu benennen.“
Maria: „Eines Tages hast Du begonnen, das Enneagramm mit Elementen aus der systemischen Therapie zu verbinden. Ich konnte sehen, dass meine Empfindlichkeit aus einem Wahrnehmungsdefizit entstanden ist. Ich wollte von meinem Vater gesehen werden. Das habe ich dann auf den Viktor übertragen.“
Viktor: „Und ich erkannte, dass meine Sehnsucht nach Abgrenzung auch aus meiner Kindheit kommt. Ich gehe mit der Maria um wie mit meiner Mutter, von der ich mich zurückzog, wenn sie schon nach der Schule auf mich einstürmte und ich dies und jenes erledigen sollte.“
Maria: „Wir leiden immer noch auf den ‚verschiedenen Planeten‘, aber es ist nicht mehr so lange ‚Funkstille‘. Und dann treffen wir uns ja wieder mit Dir und der Gruppe. Wir sehen, dass die anderen Paare auch beginnen, einander besser zu verstehen.“
Viktor: „Und Du wirst nicht müde, an Deinem Bodenbild uns die verschiedenen Reaktionen aus den Zentren zu zeigen. Wenn ich nur daran denke, wie die Menschen in den verschiedenen Zentren auf die Aussage: „Ich liebe Dich!“ reagieren. ACHTER wollen nicht antworten, weil sie sich bevormundet fühlen. FÜNFER müssen erst alles zusammenbringen in ihrem Kopf, was sie von Liebe kennen, ehe sie antworten. Was natürlich sehr vergröbert ist. Bei allem Ernst gibt es viel zu lachen. Marie-Helene, was ich Dir noch sagen wollte. Danke dafür, dass Du Jesus Christus in den Mittelpunkt Deiner Arbeit stellst. Er hat dadurch für unser Leben eine neue Kraft erhalten, der wir es zuschreiben, dass wir Gott sei Dank immer noch verheiratet sind.“

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 34

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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