Eine Stimme für Frieden, sozialen Wandel und spirituelles Wachstum

Informationen über das Center for Action and Contemplation (CAC) in Albuquerque, NM,

von Rainer Fincke

Den Namen haben schon viele unserer Leserinnen und Leser gehört – allein schon deshalb, weil Richard Rohr hier sein Zuhause hat – doch was sich hinter diesem Center verbirgt ist wohl wenigen bekannt. Deshalb im Folgenden einige nähere Informationen.
Willkommensschild CAC stillpointIch schreibe diese Ausführungen, während ich im Oktober 2005 im Garten des „Stillpoints“ sitze. In diesem kleinen, liebevoll eingerichteten Gästehaus des CAC können 6 Gäste untergebracht werden. Es gibt eine gemeinsame Küche, für das Frühstück ist gesorgt (Preis pro Person und Übernachtung + Frühstück 45 Dollar). Das Wetter ist wie meistens im Jahr in New Mexiko ganz fantastisch, tagsüber heiß und nachts kühlt es ab. Land of Enchantement – Land der Verzauberung lautet das Motto des südwestlichen US-Staates nicht ohne Grund. Die Menschen, das Licht, das Wetter und die Geschichte machen diese Gegend wirklich „zauberhaft“.

Die Gründung des CAC

Das Center ist 1987 entstanden, nachdem Richard Rohr sein erstes Projekt „New Jerusalem“ in die „Selbstständigkeit“ entlassen hatte. Richard wollte ein Zentrum gründen, wo Menschen eine innere Verbindung von kontemplativen Gebet und Handeln für Frieden Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung lernen können. Es gab 3 Gründe für den Standort Albuquerque in New Mexiko:
1. Richard hatte in einem Indianerpueblo in der Nähe Albuquerques seine erste Pfarrstelle gehabt; die Begegnung von erdverbundener, archaischer indianischer Spiritualität und christlicher Tradition hat ihn bis heute geprägt.
2. New Mexiko hat eine umfangreiche Militärtradition von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen spanischem Militär, Indianerstämmen und amerikanischen Einwanderern über die Entwicklung und Erprobung der ersten Atombombe bis zu großen militärischen Einrichtungen heute. Deshalb ist die Friedensfrage hier bis heute brandaktuell.
3. Die Nähe zur mexikanischen Grenze führt zu vielen Kontakten mit sozial problematischen Orten in Mexiko, mit der illegalen Einwanderungsbewegung, der Spaltung zwischen arm und reich, die auch hier alltäglich zu erleben ist.
Das CAC soll Erfahrungen vermitteln, die sowohl von sozialer und politischer Handlung als auch dem kontemplativen Gebet geprägt sind. Dazu werden seit 15 Jahren Seminare durchgeführt und Vorträge auf Tapes verschickt und es gibt die Zeitschrift „radical grace“, die 6 mal im Jahr erscheint.

Das Zentrum lebt!

Es ist kein großes Zentrum, aber es lebt! 15 Menschen sind im Rahmen des Projektes angestellt. Dazu kommen ca 19 Freiwillige, die sich für einen unterschiedlichen Zeitrahmen verpflichten, je nach ihren Begabungen und den Notwendigkeiten im Center mitzuarbeiten.
Montags bis Freitags treffen sich die Mitarbeiter jeweils morgens um 7.40 und nachmittags um 16 Uhr zu einer Meditation in der kleinen Kapelle des Zentrums, die wochenweise von verschiedenen Mitarbeitern des Zentrum geleitet werden. Mittwochs wird weitgehend still gearbeitet und auch kein Telefondienst gemacht.
Das Center arbeitet offensichtlich erfolgreich, z.Z. wird der Bürobereich ausgebaut, um dort den vielen Anfragen gerecht zu werden, Richard ist ein begehrter Redner. Er ist ca. die Hälfte des Jahres international „on the road“, die andere Hälfte arbeitet er im Center. Er könnte noch viel mehr Termine annehmen, braucht aber seine kontemplative Zeit, seine Messen, die er regelmäßig hält und das persönliche Gespräch mit den Mitarbeitern und Gästen des CAC.

Wie sieht die Zukunft des CAC`s aus?

Das Center lebt natürlich von der charismatischen Persönlichkeit Richard Rohrs. Seine beiden Schwerpunktthemen „Männeridentität“ und „Spiritualität“ – beides vor dem Hintergrund des Enneagramms betrachtet – hat er in den letzten Jahren vertieft. In Amerika kommen Hunderte zu seinen Workshops und Initiationen, die in der Regel in großen Hotels oder auch in der „Ghost Ranch“, einem großen Bildungshaus der presbyterianischen Kirche abgelegen in der Wüste ca 40 Meilen nördlich von Santa Fe.
Seine Zielgruppe sind Männer und Frauen, Jugendliche, Theologen, Psychologen, Pädagogen und Politiker, die auf der Suche sind nach einer Spiritualität, der sie vertrauen können. Er wird von Gruppen aller Konfessionen eingeladen.
Im Team des CAC gibt es seit einiger Zeit eine Diskussion über die Zukunft der Arbeit von Richard Rohr. Was ist, wenn er einmal nicht mehr da ist oder nicht mehr so viel reisen kann? Hört dann seine Arbeit auf oder gibt es andere, sie sie weiterführen? Auch Ulla und ich haben lange mit Richard darüber diskutiert. Ist er ein Prophet, der seine Botschaft verkündet zu der Zeit, die Gott ihm gegeben hat oder ist er ein Lehrer, der Schüler ausbildet, die dann selbstständig sein Verständnis von Spiritualität weiterentwickeln und weitergeben? Oder ist er beides, dann müsste überlegt werden, welcher Teil seines Wirkens ein Unikat ist, das nur mit seiner Person zusammenhängt und welcher Teil auch von anderen weitergegeben werden kann. Wir hatten den Eindruck, Richard ringt noch selbst mit dieser Frage. Er möchte ja keine Institution; die Freiheit, die im CAC herrscht, soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Andererseits ist das CAC ein Anlaufpunkt für viele interessante Menschen, die auf der Suche sind und hier Antworten finden. Es gibt wenige Orte, wo ich eine ganz authentische und unkomplizierte Frömmigkeit erlebt habe, und das CAC gehört eindeutig dazu. Es wäre deshalb schade, wenn dieser Ort nicht auch ohne Richard weitergeführt werden könnte.

Das CAC und der ÖAE

Für unseren „Ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm“ in Deutschland ist diese Diskussion meines Erachtens auch wichtig. Immerhin sind viele von uns durch Richard Rohr mehr oder weniger stark inspiriert worden, und unser Verein wäre seinerzeit ohne ihn nicht gegründet. Auch in unserem Verein stellt sich ja die Frage nach der Zukunft. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir enger mit dem CAC zusammenarbeiten. So könnten wir die Arbeit mit dem Enneagramm nicht nur individualistisch als gute Möglichkeit zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung nutzen, sondern an einem weltweiten Netzwerk mitwirken. Ein Netzwerk von Menschen, die eine Lösung der Probleme dieser Welt in der Verbindung von Gebet und sozialer Aktion sehen. Ein Netzwerk, in dem die spirituelle Entwicklung des Einzelnen zur Mitwirkung an einem neuen Miteinander wird. So wird das Enneagramm zu einem Instrument bei der Mitarbeit am Reich Gottes.
Ich hoffe, es klappt, und Stephen Picha, der Manager des CAC und engste Mitarbeiter Richard Rohrs, kommt im Frühjahr nach Europa, um mit Richards „key-contacts“, also Menschen, die in den letzten Jahren mit ihm Kurse in Europa organisiert haben, über so ein Netzwerk zu reden. Als ÖAE werden wir auf jeden Fall gerne dabei sein.
Übrigens: Für 2007 haben wir uns mit Richard schon etwas überlegt – bei der JHV können wir vielleicht schon etwas Genaueres sagen.
So bleibt mir zum Schluss nur noch eine Empfehlung: Wer einmal zur Ruhe kommen will und Inspirationen braucht, sollte die lange Reise nicht scheuen und nach New Mexiko fahren. Auch wenn Richard Rohr gerade nicht da ist, lohnt sich das Sitzen im Garten des Stillpoints, das Begehen des Labyrinths, das Stöbern in den vielen Büchern oder das Hören der Tapes und Betrachten der Videos mit Vorträgen von Richard Rohr. Und interessante Gesprächspartner findet man auch. Wer näheres wissen möchte, melde sich bitte bei Ulla oder mir. (Upeff@aol.com)

Rainer Fincke

siehe auch

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 30

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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