Meine Wege – Gottes Wege

Aus dem Leben einer DREI

von Katrin Fuchs

Ich kenne das Enneagramm schon sehr lange, arbeite damit intensiver aber erst die letzten 15 Jahre. Bis ich mich zum Muster DREI bekennen konnte, dauerte es einige Zeit. Lange glaubte ich, ich sei eine VIER, aber eine VIER, die die Sehnsucht nicht kennt, ist wohl doch keine VIER. Ich versuchte mich, typisch für eine DREI, an dem Muster DREI vorbeizumogeln und konnte viele Argumente in meinem Inneren anführen, warum ich keine DREI bin. Irgendwann musste ich dann doch dieser unschönen Wahrheit ins Gesicht sehen.
Aber – ich und lügen, nein wirklich nicht, ich bin entschiedener Christ, da lüge ich doch nicht. Aber ich stellte fest, dass mein Mann mich immer wieder korrigierte, wenn ich zum Beispiel von einem Fest mit 100 Leuten erzählte und es aber ein Fest mit 84 Leuten war. Aber ich muss doch meinem Gegenüber glaubhaft machen, wie großartig das Fest war.
Besonders schlimm war für mich die Erkenntnis, dass ich vor allem mich selber belüge. Ich war überzeugt, dass andere mich erst dann mögen, wenn ich etwas Gutes vorweisen kann. Erfolgreich sein verdeckt die Angst, womöglich nicht geliebt zu werden, so wie man ist.
So lange alles glatt in meinem Leben lief, ging es mir sehr gut. Und ich denke, dass es auch typisch DREI ist, hart für die gesteckten Ziele zu arbeiten – für die anderen muss es natürlich locker aussehen – und dabei nicht viel Zeit zu verwenden, sich mit seinem Inneren zu befassen. Ich musste als DREI erst einmal abstürzen, bis ich mich endlich darauf einließ.
Bis Anfang dreißig verlief mein Leben gelungen nach Plan. Doch dann kam alles anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte mich ganz bewusst für ein Studium der Pharmazie entschieden, da dieser Beruf mir ideal erschien, um Kinder und Beruf so zu vereinbaren, dass sowohl die Familie als auch ich auf ihre Kosten kommen. Und dann bekam ich keine Kinder. Abgesehen davon, was dies an Leid für meinen Mann und mich bedeutete, war es für mich auch sehr hart, zu akzeptieren, dass ich hier versagte. Viele versuchten mir auszureden, dass es hier um Versagen geht, aber für mich war es Versagen. Auch aus meiner Glaubenssicht heraus, denn eine Frau ist ja schließlich dafür geschaffen worden, Kinder zu gebären. Ich konnte mir in diesem Fall als DREI auch nichts schön reden oder mich irgendwie täuschen, denn ich war ja kinderlos, musste mich also mit diesem geplatzten Lebenstraum auseinandersetzen. Und ich musste auf einmal auch meine ganzen Gefühle bearbeiten. Ich kannte es nicht, so traurig zu sein und nichts dagegen aktiv TUN zu können. Das war eine schwere Zeit, und ich lernte die depressive Phase der Neun kennen.
Heute bin ich froh um diese Zeit. Seitdem lerne ich, dass Erfolg nicht alles und dass das Leben mehr als Arbeit ist. Mein Mann, eine NEUN, hat mir für meine Verhältnisse schon viel Lust am „Nichtstun“ vermittelt, wobei es sich eher um ein zweckungebundenes Gestalten der Freizeit handelt.
Es war wichtig für mich, mein verquertes Gottesbild zu bearbeiten und einen liebenden Vater zu entdecken, der mich nicht brutto mit aller Leistung, sondern netto, so wie ich bin, liebt. Ich muss nichts vorweisen, ich werde von Gott so geliebt wie ich bin, das war und ist für mich immer noch eine überwältigende Erfahrung.
Nach ein paar Jahren der aktiven Auseinandersetzung und der Trauer hat mir mein Muster geholfen, mich auf einen neuen Weg einzulassen. Ich erlebe es als DREI immer wieder ermutigend, dass die Hoffnung und der Glaube siegt. Mein Mann bezeichnet mich als ein Stehaufmännchen. Irgendwann kommt meine ganze Energie zurück, und ich freue mich auf das, was vor mir liegt. Doch durch diese schmerzliche Erfahrung weiß ich, dass es eben nicht allein auf mich ankommt, sondern dass es wichtig für mich ist, zu fragen und zu erkennen, was Gott mit mir und meinem Leben vorhat. Und das ist ein spannender Prozess.

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 22

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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