Wege: Das Enneagramm in der Schule

von Ulrike Gräff

Anmerkungen zu meiner Person
Seit ich mich selbst gefunden habe – und zwar als Neun – wünsche ich auch anderen ein solches Selbstfindungserlebnis; da ich Lehrerin bin, wünsche ich es all meinen Schülern. Enneagramm-Stunden gehören seit den 90er Jahren zu meinen Lieblingsstunden. Im Religionsunterricht der 11. Klasse hat das Thema m.E. wunderbar seinen Platz. Da ich von dieser Einsicht auch den Leiter der Curriculum-Kommission überzeugen konnte, ist das Thema Enneagramm seit 1995 im Kurs Religion für die Sekundarstufe II an saarländischen Gymnasien vorgesehen. Dass sich diese unterrichtsrechtliche Absicherung ohne ein Kräfte zehrendes Engagement eher nebenbei, nämlich in einem Pausengespräch zwischen zwei Abi-Prüfungen, ergeben hat, rechne ich meinem 9er Glückspilz-Dasein zu: den Seinen gibt’s nämlich der Herr im Schlaf.

Das Enneagramm im Religionsunterricht der Oberstufe

Meine Oberstufenschüler lernen das Enneagramm und sich – sofern sie sich drauf einlassen wollen und unsere Beziehung ‚stimmt’ – gründlich im Kurs 11,1 „Religion und Religionsunterricht“ kennen. Im Kurs „Jesus Christus“ in 11,2 kann ich an die erlösten Seiten ihrer Muster anknüpfen und Jesus sie als Typ neu entdecken lassen, der deswegen eine solche Ausstrahlung besessen hat, weil er alle Muster in sich vereinigen konnte. Gewöhnlich finden wir auch zu jedem Muster passende Verhaltensweisen oder Aussagen Jesu. In 13,1 mit dem Thema ‚Gott und Gottesbilder’ präsentiert sich das Enneagramm als „Angesicht Gottes“, wie sie es die Sufis nannten, weil sie in den neun Mustern neun Brechungen des göttlichen Lichts sahen. Da in 11,1 die erste und intensivste Kontaktaufnahme mit dem Enneagramm geschieht, möchte ich jetzt von diesen Erfahrungen reden.
Wenn ich den Schülern zuerst einmal Grundlegendes zum Enneagramm erzählt habe, je nach Klassen- und Beziehungsklima auch etwas von meinen Erlebnissen, stelle ich es ihnen anheim, etwas intensiver ins Thema einzusteigen. Interesse und Bereitschaft sind prinzipiell immer da, nur die Intensität der gemeinsamen Arbeit ist unterschiedlich gewesen. Nach der Kenntnis des Enneagramms sollte also nun die Selbsterkenntnis kommen. Gerne lasse ich für diesen Einordnungs- und Selbsterkenntnisschritt genug Stunden verstreichen, bis auch der letzte Zweifler sein Muster gefunden hat. Meist geht das über die verschiedenen Einordnungsfragesysteme, manchmal besser noch über Kenntnis und Einfühlungsvermögen der Mitschüler. Nach dieser zentralen und zeitaufwendigsten Phase geht es um Veranschaulichung und Festigung der Muster in Rollenspielen. Ich gebe beispielsweise das Thema ‚Am Frühstückstisch’ vor. Die erste, die Spielergruppe, soll sich auf verschiedene (nicht ihre eigenen) Muster einigen, die eine zweite Beobachter-Gruppe erkennen soll. Ganz deutlich z.B. die ZWEI, die vor lauter Kümmern zu keinem eigenen Happen kommt, oder die DREI, die das Rezept ihrer selbst gemachten Marmelade allzu gern allen kund und zu wissen gibt… Nach dieser spielerischen Phase wird’s wieder ernst: der Ausblick auf die eigene Entwicklung soll im Auge behalten werden, wozu alle auf einem Din-A-4-Blatt in Schönschrift abschreiben sollen (von Helen Palmer, Das Enneagramm, Knaur 4244), was ihrem Typ hilft sich zu entfalten. Diese Merk-Sätze sollen die Schüler dann zum allabendlichen Lesen über ihr Bett hängen.

Abschließende Gedanken

Auch wenn bei 17jährigen Oberstufenschülern die Selbstwahrnehmung noch bisweilen zu sehr von Wunschvorstellungen getrübt ist, bzw. ihr Muster sich noch nicht eindeutig gezeigt haben sollte, ist die Konfrontation mit dem Enneagramm von den meisten Schülern als hilfreich und sinnvoll angesehen worden. Hilfreich deswegen, weil sie von einem Birnbaum hinfort keine Äpfel mehr erwarten werden, sinnvoll deswegen, weil sie in dem täglich erlebten Wahnsinn ein Stück Kosmos kennen gelernt haben, in dem sogar sie selbst vorkommen.

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 21

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare

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Konrad Leinenbach · 26.06.2006 18:55 → Kommentarlink 000079

Ich suche Materialien und Hilfestellung beim Einsatz von Enneagrammen in der Schule – Berufliches Gymnasium. Bitte um Antwort

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