Biblisches Playback-Theater und Biblio­drama

in der Enneagramm-Weiterbildung

von Ludwig Zink MS*

Der Artikel möchte das biblische Playback-Theater durch Beispiele veranschaulichen und Sympathien dafür wecken. Die Techniken, die im Playback-Theater angewendet werden, können jedoch in diesem Artikel nicht vermittelt werden.
Beginnen wir beim Wort „Theater“, das wir manchmal etwas abfällig in den Mund nehmen, wenn wir sagen: Was für ein Theater! Spiel doch kein Theater!
Wir gebrauchen das Wort „Theater“, um ein Verhalten als aufgebauscht und unangepasst oder auch als unsachgemäß zu kennzeichnen. Doch solch eine gekünstelte Dramatik hat mit dem anspruchsvollen Theater nichts zu tun. Vor einigen Jahren wurde dem Schweizer Schauspieler Mathias Gnädiger der Hans-Reinhart Ring in Zürich verliehen, und der Schriftsteller Thomas Hürlimann sagte in seiner Laudatio: „Er (Gnädiger) kennt den Pfarrer, den Arbeiter, den Metzger und den Lehrer. Und er kennt sie: par coeur. Er bewahrt sie in seinem Herzen. Ja, er braucht nicht in diese Figuren hineinzuschlüpfen, das kann er gar nicht, denn er hat sie: inwendig… Er schlüpft nicht in eine fremde Haut, ganz im Gegenteil, er lässt aus seiner Haut herausfahren, was er, Gnädiger, im Herzen und in der Seele, im Bauch und im Hirn bewahrt“ (1).
Nun könnte der Einwand geäußert werden: „Gut, zugestanden, die großen Schauspieler können dies, aber ich bin doch Laie – darf ich mich denn als Spieler aufs biblische Playback-Theater einlassen?“
Hier sei an die Entdeckungen Hal und Sidra Stone (2) erinnert, dass wir als Menschen keine einheitliche Persönlichkeit sind. Dass wir meist eine Hauptstimme in uns haben, die gleich das Zepter in uns übernimmt, ist uns aus dem Enneagramm vertraut, aber wir haben uns damit auch auseinandergesetzt, dass wir viele Nebenstimmen in uns haben, wie das innere Kind, der innere Kritiker, der Draufgänger, der Ängstliche und viele andere mehr. Gerade im spontanen Spiel sind viele Agierende beeindruckt, wie die Dynamik einer Persönlichkeit sich im Spiel entfaltet, oft ganz anders und im Gegensatz zu den Überlegungen, wie der Spieler/die Spielerin vorhatte, seine/ihre Rolle zu gestalten.
Das Bibliodrama
Beim Bibliodrama geht es um zwei Ufer: die Bibel und meine persönliche Lebens- und Glaubenssituation. Es ist gleichsam ein Hin-und Hergehen von der Bibel zur Lebenssituation und umgekehrt, von der Lebenssituation zur Bibel. Beim Bibliodrama liegt der Focus auf dem Ineinandergreifen von persönlicher Lebensgeschichte und biblischer Erzählung. Eine biblische Geschichte führt uns durch das Spiel. Es ist beeindruckend, wie rasch der Wechsel von der Gegenwart zu einer Erzählung gelingt, die doch mehr als zweitausend Jahre zurückliegt. Dies lässt sich damit erklären, dass wir Zugang zu einer kollektiven Vergangenheit haben und dass die Typen des Enneagramm archetypisch in uns Menschen angelegt sind. Die Gruppenmitglieder versetzen sich in die Situation von Personen, die vor zweitausend Jahren gelebt haben. Es geht im Spiel jedoch nicht um ein Nachspielen, nicht um eine Art Rollenspiel, sondern um die Aneignung des biblischen Textes. Man schlüpft in den hingehaltenen Mantel der biblischen Rolle und agiert darin eigenständig. Man begibt sich „mit Haut und Haar“ in die biblische Rolle hinein „als wär`s ein Stück von mir“. Gerade deshalb ist beim Bibliodrama immer wieder die Frage wichtig: „Wo kommst du in der Erzählung vor?“
Die biblische Geschichte ist dabei wie ein Geländer, auf das sich die Personen abstützen. Die biblische Erzählung bleibt als vertrauenserweckender Hintergrund präsent und wegweisend.
Was Eduard Schweizer in seinem Kommentar zum Petrusbrief schreibt, gilt in besonderem Maß für das Bibliodrama: „Das Gotteswort kommt immer nur als Menschenwort zu uns. Nun lernt man beim Bergsteigen etwas: Schmelzwasser, das aus einem Schneefeld fliesst, löscht den Durst schlecht. Dafür muss es nämlich erst durch den Boden fliessen und von seinen Mineralien, auch von seinem Schmutz und Staub, etwas in sich aufnehmen. Man kann Wasser destillieren. Dann ist es absolut rein, löscht aber den Durst kaum mehr. Man könnte sich ein hundertprozentig reines Wort Gottes vorstellen, ohne Irrtum und Zweideutigkeit – unseren Lebensdurst könnte es nicht stillen (vgl. 2 Kor. 12,4). Immer muss es erst gewissermaßen durch den Boden unserer Welt fließen, muss Menschliches und Allzumenschliches aufnehmen, damit es uns dort finden kann, wo wir leben“ (3). So geschieht dies auch beim biblischen Spiel. Bibliodrama – wie wir es verstehen – muss die Qualität einer Zwiebel haben, die geschält werden muss, bevor sie einen gewissen „Biss“ bekommt. Die Arbeit mit dem Bibliodrama soll zu einer erlebnismäßigen Dichte und Ergriffenheit führen. Freilich ist die Diskussion um das, was Antje Kiehn (4) die „großen Augenblicke“ des Bibliodramas nennt, noch keineswegs abgeschlossen. Die Veränderung des Zeitgefühls und die Aussagen, welche die Teilnehmer, etwa nach einem Spiel in Lichtmetaphern, zum Ausdruck bringen, sind für sie Hinweise „auf die transzendente Qualität der Situation“. Sie verweisen uns auf jene Definition von Religion, die der evangelische Theologe Paul Tillich als Betroffenheit von dem bezeichnet, was uns im Tiefsten angeht. Der Text wird dabei zum Mittel, das ermöglicht, dass der „große Augenblick“ eintritt, für den Leitung wie TeilnehmerInnen offen sind.
Das Playback-Theater
Jonathan Fox, ein in New York lebender Theaterpädagoge, konzipierte das Playback-Theater vor circa dreißig Jahren. Sein Feld war das spontane Experimentiertheater, auf dessen Grundlage er im Kontakt mit den Psychodrama-Ausbildern die Methoden des Psychodramas entwickelte, die seiner Theaterkonzeption entgegen kamen. Im Gegensatz zum Psychodrama lebt das Playback-Theater von seinem spontanen Vorführungscharakter. Der Protagonist, der Erzähler, darf dabei die Erfahrung machen, seine erzählte Geschichte nochmals gespielt zu erleben. Er darf ihrer Gestaltung durch die Spieler und Spielerinnen zuschauen. Meist werden die Hintergründe und die Emotionen des Erzählers/der Erzählerin „hervor- oder herausgespielt“, so dass neue Entdeckungen und Betroffenheit sich ereignen.
In vielen Städten gibt es Playback-Theatergruppen, die mit den Techniken des Playback-Theaters arbeiten und sie erweitern. Ende November findet jeweils eine Begegnung der deutschsprachigen Gruppen statt.
Beim Playback-Theater geht es also um das Erzählen und Spielen von Geschichten. Da die Bibel von Anfang an eine Erzählgeschichte war und ist, war es für den Autor des Artikels nahe liegend, das Playback-Theater mit dem Bibliodrama zu verbinden. Auch Sturmius Witschier, der ebenfalls eine Psychodramaleiter-Ausbildung und Mitglied von einer Playback-Theatergruppe war, hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen.
Einblicke ins Spielgeschehen des biblischen Playback-Theaters – ein Beispiel
Sitzend auf dem Erzählstuhl, konnte der betreffende Erzähler fast wörtlich die Perikope vom unfruchtbaren Feigenbaum (Matthäus 21.18-22) mitteilen. Meine Frage als Moderator war dann: „Was hat diese Stelle mit Dir zu tun?“ Man spürte, dass der Erzähler den Mann, mit dem er sich im Clinch befand, nicht nennen wollte, doch er beschrieb ihn als abweisend und verständnislos für die Wünsche des Bittstellers. Es war naheliegend, Jesus in der Doppelrolle mit der Person des Erzählers zu verknüpfen. Er wählte einen breitschultrigen, kräftig gebauten Teilnehmer spanischer Nationalität als Symbolperson für seinen Kontrahenten und zugleich für den Feigenbaum. Für seine Wut, die beim Erzählen fast leiblich spürbar war, wählte er eine Frau, die sich dann in ein leuchtend rotes Tuch hüllte. Der Erzähler legte wert auf die Verse: „Und alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt“, wobei seine Interpretation so war, dass man das Erbetene eigentlich schon erhalten habe. So wählte er dann noch die Personen für den Glauben und für die Erfüllung der Bitten aus. Das spontane Spiel beeindruckte den Erzähler. „Von welchen Worten fühltest du dich besonders angesprochen?“, war die Frage. Er sagte, im Hintergrund von Jesus habe die Wut mit ihren Vorwürfen agiert und sie habe die Wut von Jesus gegenüber dem unfruchtbaren Feigenbaum noch verstärkt; er sei am meisten betroffen gewesen von den so ruhig gesprochenen Worte des Feigenbaumes: „Du benimmst Dich wie ein Kind.“
Anna (Name geändert) war auf dem Erzählstuhl den Tränen nahe. Sie fühlte sich mit dem nächtlichen Jakob verbunden, der mit dem Engel kämpfte (Genesis 32,23-33). Als Doppelgängerin für sich selbst und für den Jakob wählte sie eine Frau aus, dann eine Person für den Engel, ein weitere Personen für das Gebirge, für den Hüftschlag und für den Segen. Alle kamen in kurzen Szenen zu Wort. Nach dem kraftvollen Kampf der beiden Frauen, zwischen Jakob und dem Engel, begleiteten der Hüftschlag und der Segen Jakob auf der Weiterreise. Nach dem Spiel sagte die Erzählerin, sie erfahre sich oft am Boden liegend, dann aber auch wieder kämpfend. Den Segen, der sie aber auch begleite, habe sie oft übersehen. Darauf möchte sie in Zukunft ihr Augenmerk lenken.
Mechthilds (Name geändert) Lieblingserzählung war die Begegnung Jesu mit der blutflüssigen Frau aus dem Lukasevangelium. Was sie an dieser Erzählung vor allem beeindrucke, war meine Frage. Sie sagte, der Mut der Frau, die sich nämlich nichts aus der Einstellung der Honoratioren machen würde. Obwohl sie unter der Peinlichkeit des Blutflusses leide, mische sie sich unter die Leute. Sie habe auch „so viel“ versucht, allerdings ohne Erfolg. Naheliegend, dass sie eine Doppelgängerin für sich und für die blutflüssige Frau auswählte. Sie wählte einen wortkargen Teilnehmer als Pharisäer oder als Honoratior, wie sie es nannte, dann Jesus und jeweils eine Person für den Mut und für die Einsamkeit. Das Spiel entfaltete sich. Die Darstellerin der blutflüssigen Frau hatte ihr Gesicht unter einem grauen Schleier verborgen. Die Einsamkeit und der Mut begleiteten sie. Anfänglich war die schwarz gekleidete Einsamkeit stärker, bis sich die Darstellerin der blutflüssigen Frau in klaren Worten entschloss, dem Mut den Vorzug zu geben. Intuitiv umgaben dann am Ende die Einsamkeit und der Mut den Honoratior, der das Geschehen anfänglich mit Befremden und in einer gewissen Abwehrhaltung verfolgte. Der Wechsel von der Einsamkeit zum Mut beeindruckte die Erzählerin. Sie fand das Spiel ihrer jetzigen Lebenssituation entsprechend.
Von einem Teilnehmer wurde gesagt, dass die Worte von Margit Lambach-Bialowons (5) wieder zum Tragen kamen, dass nämlich das Bibliodrama einen heiligen Raum eröffnet, der eine Ergriffenheit und Stille entstehen lässt. Offenbar ist man im Bibliodrama mit dem kathartischen Theater, mit jenem ursprünglich praktizierten Theater Griechenlands verbunden, das im Durchleben der Prozesse reinigend und heilend wirkt.
Focussieren
Es geht bei beiden Formen nicht einfach um ein Nachspielen einer Geschichte. Die Spielenden haben viel mehr zu erkunden, was sich hinter den Worten an Nichtgesagtem und Gefühlen befindet. Dass das Spiel manchmal eine eigene, vielleicht vom Erzähler abweichende Dynamik entfaltet, hat seinen Grund darin, dass die Enneagrammtypen in einer unbeabsichtigten, jedoch in einer konsequenten Weise zum Tragen kommen. Ein Beispiel dafür:
Auf dem Erzählstuhl saß dann jemand, der erzählte, wie er spontan den Pfarrer fragte, ob dieser nicht das Vorlesen der Schriftlesung an ihn abtreten könne. Er wählt eine Person für sich aus, dann eine für den Pfarrer. „Wer ist außerdem wichtig für Dich?“, frage ich als Moderator. Er wählte noch die Schriftstelle in Ezechiel und die beiden übrigen Personen als Gottesdienstbesucher. „Welches ist die Schwierigkeit – und wie soll die Geschichte ausgehen?“ Er erzählte, er sei am Anfang sehr unkonzentriert und gehemmt gewesen, doch dann habe er gespürt, wie er immer sicherer und selbstbewusster geworden sei. Nach dem Gottesdienst empfahl ihm der Pfarrer, die Ausbildung als Prädikant zu beginnen. Das habe er dann auch gemacht – und sie mit der Ordination zum Laienprediger beendet.
Das Spiel begann: Der Pfarrer ging nicht gleich auf den Wunsch ein, er erwiderte auf dessen Bitte: „Ich kenne Sie doch gar nicht! Sie gehören ja nicht zu meiner Kirchengemeinde!“ Auch die Schriftstelle kam zu Wort und der Lektor gewann mehr und mehr Sicherheit, dies bewirkte auch eine Meinungsänderung bei den Gottesdienstbesuchern, die ihre Kommentare sich gegenseitig zumurmelten von anfänglicher Ablehnung bis zur Bewunderung.
Beim Spiel war der Pfarrer nicht so rasch einverstanden, dass der Laie die Lesung übernehmen sollte. Man spürte, dass der Spieler aus seiner Achterhaut nicht herauskam, während der Doppelgänger des Erzählers – bei der Auswertung – sagte, er hätte am liebsten seinen Wunsch nach einer kräftigen Konfrontation zurückgestellt. Doch er hielt durch.
Der Erzähler sagte, er habe sich beim Spiel an die erste Predigt Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth erinnert, nur sei dort die Bewunderung zur Ablehnung geworden, während bei ihm die Ablehnung zur Bewunderung gewechselt habe.
Eine Frau in mittleren Jahren auf dem Erzählstuhl teilte mit, ihr sei zuvor das Buch Ruth in den Sinn gekommen. Meine Frage war: „Was beeindruckt Dich am meisten an diesem Buch?“ Sie antwortet: „Die Ruth natürlich, ihren Mut, wie sie mit ihrer Schwiegermutter in ein fremdes Land geht und auch ihren Mut, mit dem sie in die Tenne zu Boas geht, um bei ihm zu schlafen. Ja, sie hat die Hindernisse, die Schwierigkeiten gemeistert.“ Da sie von Ruth am meisten begeistert ist, wählt sie für Ruth und zugleich als Doppelgängerin für die eigene Person eine Person aus. Dann besetzt sie Noemi, Boas und die Tür zur Tenne.
Nachdem die Spielenden Tücher zur Verkleidung gewählt haben, beginnt das Spiel. Das Drängen der Mutter wird ausführlich gespielt, vor allem, als es um die Annäherung zu Boas geht. Da die Tür knarrt, erwacht Boas, und sein Interesse an der Frau äußert sich darin, dass er eine Verantwortliche für das Gesinde haben möchte. Nachdem er ihre Bedenken zu zerstreuen sucht und ihr sagt, dass er an ihrer Person Interesse hat, willigt Ruth ein.
Bei der Nachbesprechung äußert sich die Person, die Noemi gespielt hat, dass sie an ihre eigene Mutter gedacht hat, sie habe ihre Versuche nach klammheimlicher Vereinnahmung und ihre etwas übertriebene Fürsorglichkeit gespielt. Sie selbst sagte von sich, dass sie eine Drei sei; sie besitze auch ein grosses Trickrepertoire, das sie mit Charme zu verbinden wisse. Die Tür bedauerte, dass sie sich nicht verstärkt mit Worten ins Spiel einbrachte. Der Darstellerin der Ruth, einer nachdenklichen Person, ging es zu schnell. Auch war sie anfänglich etwas angewidert, nur als Vorsteherin für das Gesinde gesehen zu werden. Boas war mit seinem Spiel zufrieden.
Im Gehalt von archetypischen Mustern in Bibel und Märchen das Enneagramm entdecken
Hier sei nochmals die Verbindung zum Enneagramm angesprochen. Mit seiner ganzen Bauchenergie hat Elia gegen die Baalspriester gekämpft und sie umbringen lassen – und aus Angst flieht er in die Wüste. Darüber lesen wir im ersten Buch der Könige (1 Könige 18/19). Er ist lebensmüde und sagt sich: „Ich bin auch nicht besser als meine Väter.“ Wir finden hier alle drei Bereiche: Bauch, Kopf und Herz. Auch die Antwort Gottes kommt erst nach dem Durchgang durch die symbolhaften, erlebbaren Darstellungen: Sturm, Erdbeben, Feuer – und dann das sanfte Säuseln. Auch hier sind die unterschiedlichen Energien angesprochen.
Wenn wir ein Märchen suchen, in dem die Meisterschaft über die drei Bereiche der Aggression, der Gefühle und des Geistes veranschaulicht wird, so kommt uns das Märchen – aus der Sammlung der Gebrüder Grimm (6) – von den drei Sprachen in den Sinn. „In der Schweiz“, so beginnt das Märchen, „ lebte einmal ein alter Graf, der hatte nur einen einzigen Sohn, aber er war dumm und konnte nichts lernen. Da sprach der Vater: „Höre, mein Sohn, ich bringe nichts in deinen Kopf, ich mag es anfangen, wie ich will. Du musst fort von hier, ich will dich einem berühmten Meister übergeben, der soll es mit dir versuchen.“ So schickt ihn der Vater zu verschiedenen Meistern. Der Vater ist weder mit dem Lernerfolg des ersten, noch des zweiten, noch des dritten Jahres zufrieden, bis er ihn dann verstößt. Was jedoch der Sohn gelernt hat ist: „was die Hunde bellen“, „was die Vögli sprechen“ und „was die Frösche quaken“. Der Sohn hat zwar nicht das gelernt, was er nach Ansicht des Vaters lernen sollte, doch er hat sich mit jenen drei Bereichen vertraut gemacht, die ihm dann im Leben den Erfolg bringen. Die wilden Hunde, deren Sprache der Held zu lernen hatte, stehen für die gewalttätigen, aggressiven und destruktiven Triebe im Menschen, für die dunkle Seite des Bauchbereiches. Dem Held gelingt es, den Schatz, der so versteckt und verdrängt gehalten wurde, zu heben. Die quakenden Frösche stehen für den Gefühlsbereich. Es ist damit auch der Beziehungsaspekt angesprochen. Die Frösche quaken zusammen in ihrem feuchten Element und stehen für den Bereich der Sexualität. Als der Sohn schließlich den Petersdom betritt, setzen sich weiße Tauben, Zeichen für den Kopf, auf seine Schultern. Die Kardinäle, die unentschlossen sind bei der Wahl des neuen Papstes, sehen darin ein Zeichen für den Heiligen Geist. Ihm ist es gelungen, die drei Bereiche zu integrieren, und daher ist er auch geeignet für das höchste Amt auf Erden (7).

  • Ludwig Zink war 17 Jahre Bildungsleiter im Haus Gutenberg in Balzers (FL). Er ist Theologe, Salettinerpater(MS), dipl. Erwachsenenbildner und Psychodramaleiter. Er hat verschiedene Lehrgänge zum Bibliodrama und Symboldrama im Haus Gutenberg (Balzers FL) angeboten. Er wohnt jetzt in Zumikon bei Zürich, ist Kursleiter und Seelsorger i.R. (in Reichweite).

Anmerkungen
1Die Weltwoche, Nummer 23/6 1996, S.69
2Hal und Sidra Stone: Du bist viele, Wilhelm Heyne Verlag, München 1994
3Eduard Schweizer: Kommentar zum Petrusbrief, Zürich 1998, S. 13/14
4 Antje Kiehn in: Bibliodrama, Kösel, Stuttgart 1987, S. 92/94
5 Margrit Lambach-Bialowons im Enneagramm-Ausbildungskurs I/2004
6 Grimms Märchen, Gondrom Verlag Bayreuth, 1977, S. 102/103
7 Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1977, S.94-98

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 13-16

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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