Der ÖAE auf dem Evangelischen Kirchen­tag 2005 in Hannover

von Doris Wetzig

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ich erhielt im August 2004 einen Anruf von Ulla Fincke, die mich fragte, ob ich mir vorstellen könnte, die Organisation des ÖAE-Standes auf dem EKT 2005 in Hannover zu übernehmen. Ich hatte für diese Zeit zwar schon meinen Urlaub geplant, aber es sollte sich nur um eine organisatorische Aufgabe handeln, und da das genau mein Thema ist, sagte ich sofort zu.
Im November fand dann ein Treffen der Stand-Verantwortlichen des „Marktes der Möglichkeiten“ (MdM) in Hannover statt, an dem die Einzelheiten besprochen werden sollten. Ich konnte glücklicherweise früher aus dem Büro weg, düste nach Hannover und war rechtzeitig um 14:30 Uhr zur Anmeldung da. Start war um 15:00 Uhr und ab 15:05 Uhr blickte ich doch schon verwundert und ab 15:15 leicht verärgert zur Uhr, denn es herrschte nach wie vor ein reges Kommen der ca. 450 Teilnehmer. Um ca. 15:40 Uhr wurde dann mit dem Singen eines Liedes aus den zuvor verteilten Unterlagen begonnen, und zum Üben folgte gleich ein zweites Lied. Anschließend wurden die 15 Organisatoren und der weitere Ablauf der beiden Tage vorgestellt, und nach einer Kaffeepause kam man schließlich zum Thema. Ich war mir sicher: Diese Organisation hatte noch deutliches Verbesserungspotential.
Erst danach wurde mir langsam klar, dass dies der erste ‚Messeauftritt’ des ÖAE sein würde und zur Organisation auch die Erstellung aller Exponate, die Standgestaltung und -ausstattung des 4×4 m großen Standes gehörte, ganz zu schweigen vom Finden und der Einteilung der Standbesatzung. Da ich im Februar 2005 auch noch zur 2. Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde, erhöhte das natürlich meinen ohnehin schon hohen Anspruch, die Aufgabe sehr gut zu erfüllen, und vor allem einen besonders guten und ansprechenden Stand zu gestalten. Inzwischen strich ich in Gedanken bereits die wenigen freien Wochenenden bis zum Kirchentag und tauschte den für Mai geplanten Urlaub mit einer Kollegin.
Wie man sich leicht vorstellen kann, war es mehr als schwierig, die Texte von alten und jungen ÖAE-Hasen zu bekommen, die Bilder und Texte der Promis, die eine Wand schmücken sollten, und die Inhalte der Flyer, welche die Vorbeigehenden sich kostenlos mitnehmen durften. Schließlich saß keiner der Beteiligten zu Hause herum und wartete auf meine Mails, Anrufe und Bitten. Trotzdem machte sich bei mir gelegentlich auch Ärger im Wechsel mit Panik breit. Wie sollte ich das alles schaffen?
Die Erstellung der Wanddisplays war richtig viel Arbeit. Bei der grafischen Gestaltung kam ich an meine Grenzen und vor allem an die Grenzen der Möglichkeiten unter Microsoft- Standardprogrammen. Die Texte mussten auf einen Macintosh-System im Plakat-Format A0 gesetzt werden, und ich bin sehr froh, dass mir dabei meine Tochter tatkräftig geholfen hat. Manche Texte haben wir bis zu zehnmal umgestellt, damit sie inhaltlich und auch visuell zu dem Rest der Plakate passten, und bei jeder Änderung entdeckten wir neue Schreibfehler oder Stilbrüche. So haben wir dann auch das ganze Pfingstwochenende bis spät in die Nächte am Computer meiner Tochter verbracht.
Spannend war der Druck des ÖAE-Logos im Überformat. Alexander Kruck hatte uns eine hochaufgelöste Datei geschickt, die so groß war, dass ich sie gar nicht öffnen konnte. Ich stand in der Druckerei neben dem Plotter, als das Logo dann absolut brillant und kontrastreich auf der riesigen Papierrolle zum Vorschein kam und war richtig stolz darauf, als es kurze Zeit darauf unseren Stand und später in Walberberg auch die Bühne schmückte.
Am Montag vor dem Kirchentag gegen 21:00 Uhr konnte ich alles abholen, und am Mittwoch ging es dann frühmorgens nach Hannover zum Standaufbau. Nach dem Treffen im November fürchtete ich ein komplettes Chaos (zumindest rechnete ich damit, erst einmal mehrere Lieder zu singen und dann eine allgemeine Wohlfühlrunde über mich ergehen zu lassen) und war angenehm überrascht über die optimale Organisation in den Hallen. Unzählige junge Leute, deren Uniform bei mir die Assoziation ,Pfadfinder‘ wachrief, übernahmen die Leitung, gaben die bestellten Standmöbel aus und transportierten diese zu den Ständen. All diese vielen, zum Teil ebenso verantwortungsvollen wie stressigen Aufgaben führten sie in ausnehmend guter, ja, man kann sogar sagen in fröhlicher Laune durch. Das steckte richtig an. Man konnte den guten Geist hinter der Aufgabe förmlich spüren.
Werner und Heidrun Lambach kamen am Mittag und brachten die EnneaForum-Hefte, die ÖAE-Kirchentags-Sonderausgabe sowie Bücher für den geplanten Büchertisch. Da der bestellte Leihtisch nicht gekommen war, lieh uns spontan unser Standnachbar einen Tisch. Werner und Heidrun halfen mir, die ganzen Displays bzw. Wandtafeln mittels eines speziellen Klebebands an den Wänden zu befestigen, denn das Anbringen von Haken oder Schrauben war nicht gestattet.
Schon beim Aufhängen fiel Werner auf, dass wir inkongruente Typenbezeichnung übersehen hatten – ausgerechnet bei zwei nebeneinander hängenden Textfeldern. Julia, die uns am ganzen Samstag unterstützte, merkte es auch sofort. Also bei der nächsten Veranstaltungsvorbereitung muss unbedingt eine Sechs dabei sein, damit das nicht wieder passiert.
So weit die ganzen Vorbereitungen. Und wie es auf dem Kirchentagsstand war? Alle eingeteilten Teilnehmer für die ‚Standbesatzung‘ kamen vereinbarungsgemäß und guten Mutes, voller Erwartungen und vor allem mit ganz viel Engagement für die Sache. Ich war erst ab Freitagnachmittag wieder am Stand und fand, dass wir einen guten Zulauf hatten. Pamela Michaelis hatte inzwischen von Rainer und Werner die stündlichen Kurzeinführungen in das Enneagramm übernommen, und meist saßen dort 4–6 Zuhörer in der dafür vorgesehenen Standecke. Wenn Pamela für eine Übersetzung bei dem Vortrag von Richard Rohr weg musste, übernahm die Einführung ein anderes Standmitglied.
Viele, die vorbei kamen, blieben interessiert stehen, und unsere Leute gaben bereitwillig Auskunft über das Enneagramm, unseren Verein und unser Anliegen. Sehr positiv wurde aufgenommen, dass wir eine christliche Zielsetzung haben.
Da wir den EMT zur Standteilnahme eingeladen hatten – und dieser durch Pamlea optimal vertreten wurde – wurden natürlich auch dessen Informationen weitergegeben. Außerdem fiel mir auf, dass auch oft sehr junge Leute zu uns kamen, die schon vom Enneagramm gehört hatten. Zum Teil wird in Konfirmationsgruppen und an weiterführenden Schulen das Enneagramm schon zum Thema „Sozialkompetenz“ behandelt, manche kannten es von ihren Eltern. Dass das Enneagramm so weit verbreitet ist, war mir neu.
Wir stellten für uns fest, dass die Wandtafeln zu viel Text und zu wenige Abbildungen und Grafiken enthielten. Dennoch gab es viele Besucher, die alle Informations-Texte reihum vollständig lasen.
Am Samstag war ich über Mittag auch kurz mal draußen, um etwas zu essen und konnte mich an den trotz 34 Grad Hitze erfreulich positiv gelaunten Menschen erfreuen. Ich kenne das Messegelände Hannover von der Cebit-Computermesse, und dort sieht man meist nur gehetzte und gestresste Anzugträger ganz in grau über die Plätze eilen, durchmischt von einigen extravaganten Computerfreaks. Hier am EKT war alles bunt, die Musik, die Vorträge, die Zuhörer in Kleidung und Hautfarbe. Eines hatten sie alle gemein: Sie freuten sich, hier den 30. Evangelischen Kirchentag gemeinsam zu begehen
Am Samstag ab 17:00 Uhr war Standabbau in Windeseile angesagt. Alle packten mit an, und auch mein Mann, der mich in der ganzen Vorbereitungszeit schon unterstützt hatte, krempelte die Ärmel mit hoch. Rainer stand schon seit 15:00 Uhr auf einem der Parkplätze mit dem Wagen in Warteposition, denn es wurden immer nur einige wenige Fahrzeuge zum Aufladen eingelassen. Als wir all unsere Materialien zu einem uns zugewiesenen Außenplatz unter einem heißen Glasdach gebracht hatten, musste ich Ulla und Julia in brütender Hitze alleine warten lassen und mich in Richtung Heimat auf den Weg machen. Meine heftige Erkältung verlangte dringend nach Bettruhe. Irgendwie hatte ich vergessen, dass ich teilweise völlig durchnässt und gegen Klimaanlage und das leichte Fieber anschwitzend überhaupt nicht gut ausgesehen haben kann, aber auf jeden Fall absolut authentisch. Das war es! Und es hat Spaß gemacht!
Unter den Standbesatzungen haben sich erfreulicherweise Mitglieder zusammen­gefunden, die sich in Zukunft als „Arbeitsgemeinschaft“ im Vorfeld um eine Überarbeitung bzw. Neuverfassung der Materialien kümmern werden. So weit ich feststellen konnte, sind dabei auch die unterschiedlichsten Enneagrammtypen vertreten, so dass ich sicher bin, dass das „nächste Mal“ noch besser wird. Ich möchte auch gerne ganz herzlich dazu einladen, in dieser Gruppe mitzumachen. Einzige Voraussetzung ist eine Mailadresse, damit eine schnelle Kommunikation möglich ist.
Für die liebevolle, zuverlässige und wirklich optimale Unterstützung möchte ich ganz herzlich danken: Ulla und Rainer Fincke, Ulrike Gräff, Cordula Hubrig, Heidrun und Werner Lambach, Magdalena Le-Hu, Martina Liesche, Pamela Michaelis, Claudia Montanus, Inge und Ludger Temme, Regina Viereck und Julia Wendzinski. Ich hoffe sehr, niemanden vergessen zu haben.

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 9-11

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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