„Im Kraftfeld des Heiligen Geistes“

eine Nachlese von Ute Fassbender-Heck

Tagung mit Richard Rohr, Andreas Ebert, Dietrich Koller, Arnold Bittlinger, 7.–9. Juni 2005 Schloss Craheim

Die vom ÖAE organisierte Deutschland-Rundreise von R.Rohr endete in Craheim. Bis dahin kannten wir weder R.Rohr (außer in seinen Büchern), noch das Schloss. Wir kamen ohne große Erwartungen – und wir fielen hinein in ein Kraftfeld, dessen Nachwirkungen uns noch heute tragen.
Schloß Craheim selbst ist Teil des Kraftfeldes: Ein Jugendstilbau, großzügig, verspielt und streng, arbeitsam und meditativ, protzig und wunderbar – und einfach unvergesslich! Die inspirierenden Fotos von Markus Caspari, der die Atmosphäre der Tagung intuitiv und geistvoll eingefangen hat, mögen einen Eindruck vermitteln.
Ein weiteres Kraftfeld spiegelt die wechselvolle Geschichte derer, die im Schloss leben. Das “Zentrum für die Einheit der Christen“ wurde in seiner spannungsreichen Geschichte ebenso von Segen wie von Kummer begleitet. Trauer, Hoffnung, Mut und Glaube, dass Einheit möglich sein muss – auch dieses ist Teil des Kraftfeldes.
Ein drittes Kraftfeld: die Referenten selbst. Andreas Ebert, Dietrich Koller, Richard Rohr und Arnold Bittlinger, „die Quadratur des Kreises“ (A. Ebert), wurde in Schloss Craheim Realität. Diese vier, in unterschiedlicher Weise langjährig miteinander in Freundschaft verbunden, spirituell, charismatisch, psychologisch und politisch ganz unterschiedlich engagiert, zeigten uns ihren ganz persönlichen Weg zu einem charismatischen Leben, undogmatisch, glaubwürdig, faszinierend.
Im Mittelpunkt all dieser Kraftfelder: Das Tagungsthema „Im Kraftfeld des Hl. Geistes“, die überzeugende Theologie Richard Rohrs, die kongeniale Übersetzung durch Andreas.
Seine Themen: 1. Theologie des Hl. Geistes, 2. Was ist Transformation? 3. Rückblick auf die charismatische Bewegung.
Die Fülle der bewegenden Informationen in einen Artikel zu fassen, sprengt das Format des EnneaForums. Auf eine solche Quadratur des Kreises mag ich mich gar nicht erst einlassen.
So bleibt mir, die Lichter, die die Vorträge in mir angezündet haben, wie Sternschnuppen an Euch weiterzugeben, unvollständig und splitterhaft.
1. Theologie des Heiligen Geistes
Richard führt seine Zuhörer fort von der Vorstellung der drei-personalen Gottheit hin zu einem Gott, der Beziehung, Bewegung ist. Er mag den deutschen Begriff der „Dreifaltigkeit“ mehr als „Trinität“. Die „Dreifaltigkeit“ drückt die sich entfaltende, bewegende Liebe des einen Gottes aus. Wir haben nicht eine Beziehung zu Gott, sondern wir sind diese Beziehung. Das Geben und Nehmen in beiden Richtungen, das ist Hl. Geist!
Im „flow“ nehmen wir teil an der Identität mit Gott. Nur in Metaphern können wir uns diesem Gedanken nähern: Der eine Gott ist dreifaltig wie die Sonne, das Licht, die Wärme. Wie das Erz, die Glocke, der Klang. Wer hasst, stoppt den „flow“, wer nicht vergibt, hält den „flow“ auf. („Möchtest Du Recht haben, oder möchtest Du glücklich sein?“ R.Rohr) Beten, sagt Richard, ist nichts, was man tut, sondern was man ist.
Eine holländische Kollegin lehrte mich vor Jahren folgendes Gebet:
„I am a child of God the Father
I am a child of God the Mother
The Divine Principle, flowing through me, is all
And all that God is, I am. Amen “
Für mich drückt es das aus, was Richard die Theologie des Hl.Geistes nennt.
2.Was ist Transformation?
Menschen, sagt Richard, sind wie elektrische Drähte. So viel Energie wie hereinkommt, so viel geht auch heraus. Der uns allen aus den Überlandleitungen bekannte elektrische Transformator wandelt ungezügelte, wilde Energie in nützliche um. Das ist unsere Aufgabe!
Es gibt zwei Wege der Transformation. Den Weg des Gebets und den Weg des Leidens. Wenn ich meinen Schmerz nicht transformiere, werde ich ihn weiter geben.
Richard unterscheidet zwischen dem wahren und dem falschen Selbst. Im falschen Selbst treiben wir uns gerne herum, leben unsere Automatik, bewegen uns in den engen Grenzen unseres Musters, fühlen uns unter- oder überlegen. Im wahren, echten Selbst finden wir uns nach der Erfahrung von Leiden. Dieses echte, wahre Selbst, das ist das, was wir wirklich sind, verborgen in Gott.
In dem täglichen Tanz zwischen falschen und wahrem Selbst, gelingt es uns nur selten, die Kontrolle aufzugeben, loszulassen und in den „flow“ einzutauchen. Menschen im wahren Selbst brauchen keine Feinde. Wenn die EGO-Grenzen kollabieren, dann sind wir im wahren Selbst und im Kraftfeld des Hl. Geistes!
3. „Charismatische Bewegung“
Als Katholikin kann ich mit dem Thema „Charismatische Bewegung“ wenig anfangen. Phänomene wie Glossolalie und pfingstliche Verzückung entziehen sich meinem Verständnis. Aber ich weiß, dass dieses Unverständnis mit mir selbst zu tun hat, mit dem ewig kritischen Psychologenblick plus Sechser-Struktur. Gewiss hat sich der Hl. Geist, der bekanntlich weht, wo Er will, vielen Menschen auf diesem Weg geoffenbart.
Unvergesslich der abendliche (charismatische!) Gottesdienst mit bewegenden, authentischen Zeugnissen. Marie-Jose brachte Haiti mit all dem schrecklichen Elend in das Schloss. Noch unvergesslicher, weil immer noch „unter der Haut“ war die abendliche Segnungsandacht in der Kapelle. Soviel Kraft, so viel Liebe, soviel kluge Zuwendung! Soviel erfahrbares Charisma! Das AMEN-Lied mit Dietrich – ein Türöffner für jedes Herz! Wir waren für Augenblicke im flow….. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich meine Skepsis für eine heilsame Erfahrung gerne und ohne Einschränkung aufgab.
Ich schließe meinen subjektiven und unvollständigen Bericht mit einem Zitat von Dietrich Koller: „Komm, Hl. Geist, erneuere das Antlitz Deiner Kirche – und fang bei mir an!“

[aus: EnneaForum 28, November 2005, S. 7-8

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

]

Aus EnneaForum 28 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare

  • 1
Ludger · 13.02.2006 01:29 → Kommentarlink 000025

Liebe Ute,
dein bewegender Artikel über eine kurze Zeit mit einem “bewegenden und vom Geist Gottes bewegten Mann” hat die ganze Intensität der heutigen Thomas-Messe zum Abschluss unserer diesjährigen JHV spürbar werden lassen und damit verbunden mich an die Tagung mit Richard Rohr in Walberberg kurz vor der in Craheim erinnert. Vieles möchte ich auf deine Zeilen mit so viel esprit, so viel flow antworten. Das lässt sich sicher einmal persönlich bei einer der nächsten Begegnungen nachholen. Mit dir stimme ich gern ein in das Gebet “Komm Hl. Geist, erneuere das Antlitz Deiner Kirche – und fang bei mir an!” DANKe für deinen bewegenden Bericht!!!

  • 1




Hier können Sie einen Beitrag dazu verfassen:

  Textile-Hilfe

Impressum: Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V. | Vereinsregister-Nr. 100528 Amtsgericht Lüneburg
Geschäftsstelle: Eveline Schmidt | Wehlstr. 23 | 29221 Celle | Tel. (05141) 42234 | info@enneagramm.eu
Web-CMS Textpattern || 2010 eingerichtet von Michael Schlierbach | Marktplatz 32a | 83115 Neubeuern | Tel. 08035 - 875930