Typische Szenen - Zwei

Zweier-Panel

Franz Habig,?Ein Morgen im Leben einer Zwei

Gut gelaunt biegt die ZWEI mit ihrem Fahrrad in die Straße ein, da kommt Frau B. entgegen: Lächeln und freundlich grüßen. Sie hat Klein-K. schon bei der Kollegin im Kindergarten gelassen. Hach, ist doch schön, diese Frau mit einem Lächeln zur Arbeit zu schicken. Der Kindergarten liegt am Ende der Straße. Um die Ecke, im Hof des Kindergartens stellt die ZWEI ihr Fahrrad ab. Noch ist sie dabei, das Fahrrad abzuschließen, da biegt auch Frau M. mit Ihrem Fahrrad ein, dicht gefolgt von S., die auf ihrem Kinderrädchen grade noch die Kurve bekommt.
„Na, wer kommt denn da geradelt?“ „Guten Morgen Frau M.“, „guten Morgen S.“. „Ja, heut ist ein tolles Wetter zum Fahrradfahren. Und Du kannst das auch schon?“ S. strahlt, sie mag die ZWEI!
Derweil schnurrt der Türöffner. K. steht auf der Ablage und drückt den Öffnerknopf. Er darf der ZWEI die Tür öffnen. „Hey, K., das ist aber ganz toll dass Du mir aufmachst. Grüß Dich!“ Die ZWEI nimmt Kevin von der Ablage auf den Arm. Kevin quietscht vor Vergnügen, als er von der ZWEI herumgewirbelt wird und wieder auf dem Boden landet. Die Kollegin E. begrüßt die ZWEI. „Guten Morgen ZWEI, schau bitte beim Telefon in unser Buch.“ Die ZWEI hatte gestern Nachmittag frei. Erst mal die Straßenschuhe ausziehen und die Kindergartenschlappen anziehen.
Drei Einträge sind im Arbeitsbuch: Einen Vertreter zurückrufen, die Kollegin (Leiterin) des anderen Kindergartens anrufen und in der Puppenecke ist ein Schubladengriff abgerissen. Auf seiner eigenen Liste stehen: Platzzusage für die neuen Kinder, Turnliste, Rückruf bei Herrn H. (Personalamtsleiter). Doch erst geht die ZWEI nochmals herum, alle Kinder und die andere Kollegin wollen freundlichst begrüßt sein!
Schweren Herzens macht die ZWEI danach erst mal ihre Bürotür zu. Auch am Telefon: Immer freundlich sein, es lässt sich alles regeln! Zweimal kommt während dieser Telefonate eine Kollegin ins Zimmer geschlappt: „Ja, dort im Schrank sind die Schlüssel“, „Bitte frag mich nachher, ich telefoniere gerade und helfe Dir danach gerne.“
Sehr freundlich aber trotzdem korrekt bekommt der Vertreter erst mal eine Absage: Keine Zeit für einen Besuch, aber fragen Sie im Herbst ruhig nochmals nach! Die Kollegin aus dem anderen Kindergarten bittet um die Anmeldeformulare eines Kindes, das nun bei ihr in die VÖ-Gruppe (Verlängerte Öffnungszeit) kommen soll. Aber erst hört sich die ZWEI noch geduldig die Klage über die angespannte Personalsituation im anderen Kindergarten an. Zwei Kolleginnen sind krank. Viel Kraft für Euch, wünscht da die ZWEI.
Nebenbei hat er schon den Computer eingeschaltet und lässt die aktuelle Tunliste ausdrucken. Herr H. ist verärgert: Die Überstundenabrechung der ZWEI kam schon wieder erst nach dem freien Tag zur Genehmigung an. Es tut mir leid Herr H., ich werde mir Mühe geben – Sie wissen ja eigentlich bin ich nicht freigestellt und während ich jetzt telefoniere sollte ich längst draußen nachsehen, welche meiner Kinder schön da sind; damit ich den Überblick behalte. Es kommt ganz sicher nicht mehr vor. Vielen Dank Herr H. …
Endlich kann die ZWEI wieder die Tür aufmachen, inzwischen sind sechs Kinder seiner Gruppe eingetroffen. Die wollen alle begrüßt sein und dies auf dem Weg zur Puppenecke, wo die ZWEI nach dem Schubladengriff schauen will. Da ist eine Holzschraube ausgerissen. Auf dem Weg in die Werkstatt, wo er eine größere Schraube zu finden hofft muss die ZWEI erst mal noch einen Konflikt lösen. Denn M. kommt weinend angerannt. „F. hat mich gehauen!“ Also ist erst einmal F. zu suchen: F. ist im Turnraum. „F., was war da, warum weit M.?“ Es stellt sich heraus, dass F. mit V. im Turnraum spielt und M. immer wieder die Tür aufreißt. „Vielleicht will M. mit euch mitspielen?“ fragt die ZWEI. „Das soll er ja nicht, der stört immer!“ „Wie könnte denn M. mitspielen, dass er nicht immer stört?“

NN,?Herrn K aus Marokko zu betreuen

In der Firma haben wir im Moment einen Professor aus Marokko zu Besuch. Er bleibt für 4 Wochen und arbeitet an seinen Enzymen. Sehr anstrengend der Mann. Er kann nicht Rad fahren, hat aber ca. 3,5 km zu seinem Apartment zu laufen. Und er will laufen. Er möchte nicht abgeholt werden, nicht nach Hause gebracht … gerademal, wenn es regnet, ist er zu überzeugen. Ich weiß nicht, ob er so bescheiden ist oder ob das im Nahen Osten so üblich ist, immer abzulehnen, die Leute zu ihrem Glück zu zwingen. Er wollte unbedingt eine Telefonkarte kaufen, um zu Hause anrufen zu können, obwohl Thomas und ich ihm mehrfach gesagt haben, er könne von der Firma aus telefonieren. Usw.
Ist ja gar nichts für mich. Unser Kollege Bernd meint, „wenn er laufen will, lass ihn laufen“. Man müsse sich von seinem Helfersyndrom befreien. Seufz, hat er mich gemeint?
Ich denke mir, wenn ich bei Herrn K. in Marokko wäre, würde er sich höchstwahrscheinlich überschlagen, um alles zu tun, damit ich mich wohl fühle. Ich bin ja schon der Ansicht, dass es nicht meine Aufgabe ist, den guten Mann am Wochenende zu „bespaßen“, schliesslich hat Thomas ihn „angeschleppt“. Aber der kümmert sich auch nicht. Und mir wäre das auch zu anstrengend und ich würde mich nur ärgern, über mich und mit Ralf, also lass ich es. Du siehst, es gibt Fortschritte.

(Fortsetzung hier)

[aus: EnneaForum 26, November 2004, S. 30-31

Aus EnneaForum 26 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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