Heute sind wir alle Madrilenen, Spanier

Ortswechsel heißt auch, sich in andere hineinzuversetzen, ihre Situation wahrzunehmen und sich für sie einzusetzen. Emilio Diaz-Miranda ist Teilnehmer unserer Pilot-Kurs-Ausbildung. Im folgenden drucken wir seine Stellungnahme anlässlich der Solidaritätskundgebung der spanischen und lateinamerkanischen Kolonie Hamburgs mit den Opfern des Anschlags von Madrid ab.

Heute sind wir alle Madrilenen, Spanier.

Wir haben uns hier versammelt, um unsere Solidarität mit den Opfern des Terroranschlages von Madrid zu bezeugen. Wir fühlen uns solidarisch mit den Opfern und ihren Angehörigen. Und mit der Bevölkerung von Madrid. Solidarisch mit Madrid und mit dem ganzen spanischen Volk.
Heute fühlen wir uns alle als Spanier – jeder auf seine ganz eigene Art und Weise, aber jeder mit seinem ganzen Herzen. Wir alle fühlen uns als Spanier und wir drücken unseren unerschütterlichen Willen aus, uns diesem erpresserischen Fanatismus nicht zu beugen. Wir sagen „Fanatismus“, denn wer immer die Bomben so feige gezündet hat, ob es nun ETA oder Al Kaida war, eine Sache ist sicher?: Wir werden uns keinen Zentimeter von der Verteidigung der Demokratie, der Menschenrechte und der Freiheit abbringen lassen. Genauso hat es schon der große Martin Luther King gesagt.
Wir sind tief betroffen und angewidert. Eine Sache ist auch klar?: Jede Form des Terrorismus ist kriminell. Wir sind angewidert vom Terrorismus, egal ob er religiös, nationalistisch, politisch oder sonst wie motiviert ist, egal, ob er von einzelnen, von Gruppen oder von Staaten ausgeht.
Es gab Proteste in Spanien weil, anscheinend, das Fernsehen und die öffentlichen Medien die Informationen manipulierten und nur die offizielle Stimme der Regierung zu Wort kommen liessen.
Ich interpretiere die Wahlergebnisse als eine Ablehnung der manipulierten Informationen, d.h. als ein Wunsch für mehr Transparenz und Demokratie.
Ich sage, dieses terroristische Attentat ist kein Attentat, was man als politisches oder religiöses bezeichnen kann. Ich sage, dieses Attentat gegen die unschuldige Zivilbevölkerung ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Und ich füge hinzu?: Kein politisches Motiv kann unschuldige Opfer unter der Zivilbevölkerung rechtfertigen. In diesem Zusammenhang wollen wir uns daran erinnern, dass mehr als 90% der spanischen Bevölkerung gegen den Irak-Krieg war und die abgewählte Aznar-Regierung sich trotzdem am Krieg beteiligte. Doch die Bomben der Terroristen waren nicht gegen militärische Ziele gerichtet, sondern gegen ahnungslose Bürger der Arbeiterviertel von Madrid. Hinzu kommt dass die Opfer nicht nur Spanier waren, sondern aus 23 verschiedenen Nationen stammten.
Es wäre ein falsches Signal die Menschenrechte einzuschränken, oder auf Freiheit und Demokratie zu verzichten. Gewalt ist nicht die richtige Antwort. Gewalt erzeugt Gewalt. Was mit Gewalt zu erreichen ist, wird nur mit Gewalt festgehalten. Auge um Auge führt nur dazu, das die gesamte Menschheit erblindet, sagte Mahtama Gandhi… Auf Gewalt und Fanatismus wollen wir nicht mit Verzicht auf UNSERE DEMOKRATISCHE RECHTE antworten.
Diese Anschlag in Madrid ist kein religiöser Akt. Es ist kein Religionskrieg, sondern es handelt sich um eine kriminelle Tat von Fanatismus. Und die Antwort auf Fanatismus ist nicht eine andere Art von Fanatismus. Die Lösung der Probleme finden wir nicht im Fanatismus sondern in der Toleranz. Die Antwort ist Toleranz und Demokratie. Ich wiederhole, diese Art von Attentat ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Gegen die Menschheit, weil – bevor wir politische oder religiöse Rechte haben, wir alle das Recht auf Leben haben.

[aus: EnneaForum 25, Mai 2004, S. 27

Aus EnneaForum 25 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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