Leserbrief zum Artikel „Das kombinierte Typen-Prozess-Modell des Enneagramms –TPM Linksherum geht es!“ in EnneaForum 24

In diesem Leserbrief nehme ich Bezug auf den Artikel von Wolfram Göpfert in dieser Zeitschrift vom November 2003.

Mit Freude nehme ich wahr, dass es ständig neue Ansätze gibt, sich mit dem Prozess auseinandersetzen, der dem Enneagramm innewohnt. Göpfert stellte in Gegenüberstellung zu Mächler und mir ein Modell dar, das scheinbar die Typenlehre und das Prozessmodell besser vereinigt. Dieser Ansatz ist meines Erachtens von atemberaubender Oberflächlichkeit geprägt, die sonst nur esoterischen Ratgebern zu eigen ist. Wissenschaftlich (Psychologie/Sozialwiss.) gesehen, liegt die interessante Fragestellung nach der Verbindung beider Modelle (Typenlehre& Prozessmodell) auf einer tieferen Ebene. „Unser“ Prozessmodell hat u.a. als erkenntnisleitendes Interesse (Habermas), das Verständnis, wie ein Individuum eines speziellen Enneagrammtyps sich verändert. Es wird ein Muster wahrscheinlicher Veränderungen aufgezeigt, das dem Einzelnen hilft, seine jetzigen Muster und daraus folgende Entwicklungsmöglichkeiten zu bestimmen. Das Prozessmodell nutzen wir entwicklungspsychologisch oder mit Jung gesprochen als Karte des Individuationswegs.
Wer sich dafür interessiert, mag das in der einschlägigen Literatur bei Mächler, Blake, Martin und Vollmar nachlesen und auch in älteren Ausgaben dieser Zeitschrift.
Göpferts Modell stellt eine Sichtweise des Enneagramms dar. Aber ein Modell ist eine Landkarte und nicht das Land. Es kommt darauf an, was dieses Modell auf welche Weise erklären kann. Ich bin der Ansicht, dass „unser“ Prozessmodell sich bislang in der Praxis bewährt hat. Göpferts Modell mutet in seiner frischen Oberflächlichkeit mehr esoterisch angedacht an. Vielleicht ist es überheblich, wenn der Wissenschaftler darüber schmunzelt. Die Anwendung wird es zeigen, was die einzelnen Modelle zu erklären vermögen.
Sachlich falsch sind alle Kritikpunkte, mit denen sich Göpfert von der bestehenden Auffassung des Prozessmodells abzugrenzen versucht:

  1. Typenmodell und Entwicklungsmodell sind miteinander verbunden, indem sie die Veränderung eines Persönlichkeitstyps erklären.
  2. Alle bisherigen Typenmodelle weisen Triaden auf: Anfangsmuster eines Prozesses, Krisenfelder, Zielerreichung.
  3. Wenn man als esoterisch u.a. als das bezeichnet, was sich der wissenschaftlichen Erklärung entzieht, scheint mir gerade dieser Ansatz esoterisch zu sein, da er sich nicht auf Erkenntnisse der Psychologie und Sozialwissenschaften beruft und die Ausgangsliteratur (bes. die englische und amerikanische) nicht zur Kenntnis nimmt oder nachweislich falsch zitiert. Ironisch kommt noch hinzu, dass einer der großen Esoteriker der heutigen Zeit, nämlich O. Ichazo, das Typenmodell, wie Göpfert es vertritt, begründete.
  4. Modelle von „einem Guss“ neigen stets zu Vereinfachungen, deswegen zog der Erkennende von Goethe bis zur heutigen Wissenschaftstheorie polare Modelle vor. Eindimensionale Modelle prägen den Fundamentalismus.

© Klausbernd Vollmar/Cley, Norfolk

[aus: EnneaForum 25, Mai 2004, S. 26

Aus EnneaForum 25 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

]

Anmerkung der Redaktion:

Lesen Sie auch den zweiten Leserbrief von Ludwig Zink.

Aus EnneaForum 25 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare




Hier können Sie einen Beitrag dazu verfassen:

  Textile-Hilfe

Impressum: Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V. | Vereinsregister-Nr. 100528 Amtsgericht Lüneburg
Geschäftsstelle: Eveline Schmidt | Wehlstr. 23 | 29221 Celle | Tel. (05141) 42234 | info@enneagramm.eu
Web-CMS Textpattern || 2010 eingerichtet von Michael Schlierbach | Marktplatz 32a | 83115 Neubeuern | Tel. 08035 - 875930