Ein schöner Erfolg

Der ÖAE auf dem Ökumenischen Kirchentag Berlin 2003

Mit einem solchen Andrang hatten einige gar nicht gerechnet. Wirklich gut besucht war die Veranstaltung des ÖAE anlässlich des Ökumenischen Kirchentags in Berlin am 30. Mai 2003. Eine gute Referenten-Besetzung stand zur Verfügung?: Helen Palmer, Andreas Ebert, Anselm Grün und Tiki Küstenmacher. Der Vorsitzende des ÖAE, Rainer Fincke, moderierte. Im folgenden einige Impressionen in Text und Bild. Die vollständige Mitschrift können Sie bei der Geschäftsstelle gegen eine Schutzgebühr von 4 Euro anfordern.

Herzlich Willkommen zu unserer Veranstaltung anlässlich des Kirchentages. Mein Name ist Rainer Fincke; ich bin von Beruf evangelischer Pastor in Lübeck und nebenbei seit einem Jahr Vorsitzender des ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm. Wir sind ungefähr 500 Menschen aus allen Konfessionen, da ist so ein Drittel katholisch, ein Drittel aus der Landeskirche, ein Drittel gehört den Freikirchen an. Wir sind also wirklich ein ökumenischer Verein. … Wir, das ist der ökumenische Arbeitskreis Enneagramm, und dann haben wir den emt dabei. Es gibt nämlich einen zweiten Verein. Da ist die Vorsitzende Pamela Michaelis. Das ist der Verein, der so in der Tradition von Helen Palmer das Enneagramm weitergibt. Helen Palmer stellen wir gleich noch mal vor. Wir haben noch einen Dritten im Bunde, das ist Pater Ihde, der Hausherr hier in dieser Kirche. Das ist nämlich ein besonderer Ort hier. Das Enneagramm wird in Berlin hier an diesem Ort oft gelehrt und Pater Ide macht das.

Pater Ide?: Willkommen an dem Ort, an dem sich der ökumenische Arbeitskreis Berlin trifft, 14-tägig oder monatlich, aber nicht nur das, es ist ein Ort, an dem viele Menschen um geistliche Begleitung nachfragen. Spiritualität ist heute sehr gefragt und das ist meine Arbeit hier am Ort an der Kirche „Märtyrer von Afrika“. Die, die durch ihr Wachstum voll gereift sind, zu dem wozu wir noch alle unterwegs sind, die haben es geschafft ohne Enneagramm. Fühlen Sie sich wohl hier und machen Sie Ihre Erfahrungen auch in Beziehungen untereinander. Knüpfen Sie das große Netz, für das Sie sich interessieren.

Pastor Fincke?: Sie merken, das ist ein Enneagramm-Ort. Wer von Ihnen hat denn mit dem Enneagramm schon mal irgendwie Kontakt gehabt, also ein Buch gelesen oder … ? Aha, das sind doch die meisten. Dann merken Sie vielleicht schon, dass wir an dem richtigen Ort sind. Wenn Sie nach oben gucken, dann sehen Sie acht Kreise und der neunte ist in der Mitte, das ist die Neun … Sie haben alle einen langen Weg, wir sind hier ziemlich außerhalb, aber das gehört ja auch mit dazu zum Enneagramm … Man braucht einen Weg und es ist gut, dass Sie heute hier sind. Das Enneagramm für uns beschäftigt sich mit zwei Fragen und da soll es auch heute drum gehen, nämlich?:

1.Wer bin ich?? Wie kann ich mich eigentlich besser selber einschätzen??
2.Wie kann ich mich eigentlich verändern, weiter entwickeln, zu einem gottgefälligen Leben, zu einem höheren Bewusstsein oder zu einer reiferen Persönlichkeit??
?…

Eindrücke aus den Antworten der vier Fachleute auf dem Podium?:

*Andreas Ebert*?: Das Enneagramm ist eine Persönlichkeitstypologie, eine spirituelle Persönlichkeitstypologie … Evagrius Ponticus … hat ja die Lehre entwickelt von den acht oder neun Gedanken, die auf unserem Weg zu Gott einerseits ein Hindernis sind, andererseits aber auch Kraftquellen sind. Es gibt also sozusagen neun Energien, die sind sehr ambivalent, die können uns behindern, aber in jeder dieser Energie steckt auch etwas ganz Wunderbares, was wir auch brauchen. Eine Kraft auf dem Weg zur Selbstverwirklichung, aber auch auf dem spirituellen Weg zu Gott … Es ist wichtig in dem Enneagramm beides zu sehen … Ich habe eine Berufung, dass ist auch ein spiritueller Gedanke … ich bin aus irgend einem Grund auf dieser Welt. Es ist wichtig herauszufinden, was meine Berufung ist, welchen Platz ich auch im Plan Gottes für die Heilung der Schöpfung habe und die Kraft, die ich habe … wenn die entfaltet wird, … dann kann sie dazu beitragen, wenn sie blockiert ist allerdings, dann kann sie eher zur Zerstörung der Welt beitragen. Es gibt eben diese Neun und nur neun Muster, die nach Erlösung schreien und die uns einerseits blockieren, aber anderseits auch zu Wegweisern und zu Kraftquellen auf dem Weg werden können …

*Helen Palmer*?: Ich habe bei meinen besten Studenten beobachtet, wenn die anfangen, dass ihre Praxis wirkt, dass eine Barriere, ein Widerstand … in ihrem Leben erschien?… Es war dort vorhanden in ihrem Familienleben, in ihrem Arbeitsleben und auch in ihrem spirituellen Leben. Genau das, was ich erlebt hatte, so lange her, als ich meine Universitätsprüfung gemacht hatte. Wann auch immer meine psychologische Struktur irgendwie geschaukelt hatte, dann war ANGST in jedem Bereich meines Lebens und die Leidenschaft der Furcht florierte. Ich habe bei meinen Studenten bemerkt, dass sie unterschiedliche Barrieren haben. Und da ich damals noch naiv war, dachte ich, jede einzelne Person hat auch eine einzelne Barriere. Ich habe damals nicht gewusst, dass es eine Codierung, ein System gibt, das Jahrhunderte alt war, das genau dieses System von Barriere beschrieb. Und zu meinem Erstaunen hat das etwas mit „Christsein“ zu tun … für mich versprach es, eine Brücke der Integration zwischen einem spirituellen und einem psychologischen Selbst (zu sein) … Ich kann meine eigene Struktur nicht bekämpfen und ich kann davor auch nicht weglaufen. Aber ich kann sie entspannen mit einer kontemplativen Methode. Das, finde ich, ist die größte Gabe des Enneagramms für uns.

*Tiki Küstenmacher*?: Ich weiß noch, als Andreas Ebert mir und meiner Frau das Enneagramm erzählt hat, das war, glaube ich, wirklich auf so einer Wirtshausserviette oder so etwas, hast du es aufgemalt oder auf einem Bierdeckel hinten?… Ich weiß noch genau, wo er dann diese neun Punkte erzählt hat und mir war sofort klar, bei dem Typ Sieben, da hat es bei mir geklingelt?: Das bin ich, und zwar nicht, weil ich es so toll fand, sondern weil ich auch so schockiert war. … Wenn man merkt, was die eigene Wurzelsünde ist …?: Die Unmäßigkeit, die Maßlosigkeit. Ich habe genau gemerkt, na ja, ich fand es ja auch irgendwie geil, dass ich kein Maß hatte. Dass ich immer gesagt habe, dass alles geht und alles ist möglich. Das ist natürlich eine wichtige Erkenntnis, dass das auch etwas Schreckliches ist, Maßlosigkeit. Wenn alle so wären, das wäre ja furchtbar. Es ist auch für mich selbst oft furchtbar. Bloß man traut sich da nicht hinzuschauen. Dass dieses Furchtbare, diese Wurzelsünde, auf der Rückseite die Gabe hat, das finde ich die fantastische Einsicht am Enneagramm. Dass wir unsere Stärken und Schwächen immer nur in dieser Zweier-Packung bekommen. Wir können uns nicht aussuchen, ich nehme nur die leckere Vorderseite, sondern ich muss immer die dunkle Rückseite auch mitnehmen und damit zurechtkommen. Das finde ich eine ganz, ganz wichtige Einsicht.

*Anselm Grün*?: Mein Zugang zum Enneagramm war das Buch von Richard Rohr und Andreas Ebert, wo ich schon die Fahnen gelesen habe und was dazu geschrieben habe. Es hat mich fasziniert, weil ich eben darin die ältere Tradition gesehen habe. Evagrius Ponticus im 4. Jahrhundert hat ja schon diese Lehre von den Neun neu geschrieben und es sind eben Leidenschaften, Kräfte, die wichtig sind für den Menschen. Aber der Mensch muss sie annehmen und anschauen und mit ihnen umgehen. Evagrius sagt „Nimm von ihnen und gib ihnen, dann werden sie sich bewährter machen“; man muss sie nicht beherrschen, sondern man muss mit ihnen umgehen. Ein wunderbares Bild dafür ist auch das Märchen, das für mich genau die gleiche Qualität von drei Bereichen hat. Sie kennen das Märchen von den drei Sprachen, wo der Sohn eines Schweizer Grafen erst die Sprache der bellenden Hunde lernt, übertragen sind das die Emotionen, die Sprache der Frösche, das ist das Unbewusste und auch das Begehrliche, und die Sprache der Vögel, das ist die Sprache des Geistes. Er wird dann verstoßen, kommt in die Burg, möchte übernachten. Der Burgherr kann ihm nur den Turm anbieten, wo die wilden bellenden Hunde hausen und sie sagen, dass sie nur deshalb so wild sind, weil sie einen Schatz hüten. Der junge Mann redet freundlich mit ihnen, und sie verraten, wo der Schatz liegt und graben ihn aus. Das ist für mich ein wunderbares Bild.
Wenn ich spreche mit den Leidenschaften, dann führen sie mich zum Schatz, dann führen sie mich zum wahren Selbst. Schatz ist ja in der Bibel immer ein Bild für das wahre Selbst, und Schatz ist letztlich auch ein Bild für Gott. Gott in sich suchen. Ich kann Gott nur suchen und finden, wenn ich den Mut habe, hinabzusteigen in die eigene Seele …

*Tiki Küstenmacher*?: Ich denke, der Vorwurf der Selbsterlösung, den höre ich zwar auch oft, aber der ist einfach nicht biblisch. Die ganze Alternative zwischen Selbsterlösung und fremder Lösung stimmt so nicht. Natürlich tut Gott etwas an uns, aber, Sie brauchen nur die Bibel lesen, wenn Jesus zu dem reichen Jüngling sagt?: Willst du ganz sein, vollkommen, dann verkaufe alles.“ … Es braucht auch Bedingungen um etwas zu tun. Jesus ist nicht nur der, der für uns gestorben ist, sondern auch der Lehrer der Weisheit, der uns Wege führt, wie wir frei werden … Es braucht eben beides – empfangen und tun – die Struktur in mir auch verändern.

*Andreas Ebert*?: Sündenerkenntnis treibt mich auch in gewisser Weise immer in die Arme der Gnade. Wenn ich meine Abgründigkeit erkene, je mehr und je deutlicher ich die erkenne, desto mehr erfahre ich auch, … dass ich mich nicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann, dass ich da eine Kraft brauche – Wie heißt es da bei den anonymen Alkoholikern und wir sind es ja alle irgendwie auf unsere Weise …– , eine Kraft, die größer ist als ich und das ist gerade keine Selbsterlösung, sondern das ist eine Öffnung auch für diese Kraft, die größer ist als ich, also für Gott … Menschen verändern sich nicht, wenn man von ihnen verlangt, dass sie sich verändern sollen, sondern Menschen verändern sich dann, wenn sie erfahren haben, dass sie so wie sie sind, auch in ihrer Abgründigkeit, auch in ihrer Sünde gehört werden. Dass da jemand ist, der nicht schockiert ist, der sagt?: ‚So ist es‘. „Und ich verurteile dich auch nicht“, sagt Jesus zu der Sünderin.

*Anselm Grün*?: Das Wichtigste ist wohl?: Man kann nur ändern, was man angenommen hat. … Erlöst werden kann nur, was angenommen ist… Wie Sie auch gesagt haben, das ist ganz wichtig, …im Innersten, im Herzen wahrnehmen?: „So bin ich“ und dieses Ich, dieses verwunderte … egoistische und egozentrische und maßlose und lügenhafte Ich lieben … Wachsen kann eben nur, was ich angenommen habe, was ich immer wieder wahrnehme und wenn ich es wahrnehme, kann mich distanzieren von dem Lebensmuster. Da ist es wieder – aber jetzt hat es keine Macht.

*Helen Palmer*?: Die Frage ist?: „Wie können wir uns verändern??“ Indem wir unser Bewusstsein beobachten. Wenn ich meinen Typus so gut kenne, dass ich beobachten kann, wie ich anfange wieder „automatisch“ zu werden – … wenn ich das merken könnte – und wenn ich dann gerade anhalten könnte, entspannen und empfänglich werde, dass meine Seele etwas empfangen kann. Denn diese „Ökologie“ zwischen Seele und Typus könnte wirklich besser werden.

Hinweis?: Pam Michaelis (steht auf den Fotos neben Helen) hat wunderbar übersetzt.

[aus: EnneaForum 24, November 2003, S. 4-7

Aus EnneaForum 24 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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