Wege - Mein Weg zum und mit dem Enneagramm

Auf einer Sommerfreizeit vor vielen Jahren brachte ein Mitglied des Leitungsteams das Buch „Das Enneagramm“ von Rohr/Ebert mit und infizierte das gesamte Team. Wir wurden munter einsortiert. Das Spiel begann. Ich stellte nach einer Fehleinteilung hin zur 6 ziemlich bald fest, dass ich eine 3 war, was sich bis heute nicht verändert hat. Die Ferne zu den eigenen Gefühlen war mein Identifizierungsmerkmal. Nach der Freizeit hat mich dann das Enneagramm zunächst nicht weiter beschäftigt.
Als im Januar 1991 der Golfkrieg ausbrach und meine Schwester in Israel war, erlebte ich eine Zeit, in der ich mich sehr nach innen wendete. Sie war geprägt von großer Angst, sowohl um meine Schwester als auch um mich und unser Land. Ich organisierte Friedensgebete und verbrachte meine Freizeit mit dem Hören klassischer Musik und dem Lesen des Buches von Rohr/Ebert, das ich inzwischen von meiner Patentante geschenkt bekommen hatte. Ich meldete mich an zu einem Seminar und schnupperte bei der JHV des ÖAE. Mich begeisterte dort, dass die Mitglieder nicht nur redeten, sondern etwas auf die Beine stellten. Die Weitergabe des Enneagramms war meine Sache. So ging ich in diesen Arbeitskreis. Ich hatte dann die Möglichkeit bei Enneagramm-Wochenendkursen zu schnuppern. Das Schnuppern hatte jedoch bald ein Ende, da der Bedarf an Referenten in einem Bildungshaus hoch war. So schwamm ich mich mit meinen Erfahrungen aus der kirchlichen Jugend- und Erwachsenenbildung und meiner Tätigkeit als Ausbildungsleiterin frei. Als dann Helen Palmer eine Ausbildung hier in Deutschland anbot, entschied ich mich mitzumachen, denn längst war mir klar, dass irgendwann die Zeit der Jugendsommerfreizeitenleitung zu Ende gehen würde. So geschah es dann auch. Diese Ausbildung forderte mich in meiner Eigenwahrnehmung sehr heraus.
In diese Zeit fiel dann auch eine Lebenskrise, ausgelöst durch den Bruch einer Freundschaft. Das Enneagramm war mir dabei eine große Hilfe. Ich entschied mich, meine gesamten Aktivitäten zu streichen, was bei einer 3 sehr viele sind und nur noch Angebote in Richtung Bibel und/oder Enneagramm zu besuchen bzw. anzubieten. Viele alte Zöpfe wurden abgeschnitten. In der Enneagrammsprache heißt das „Projekte beenden“ . Ich lebte mehr auf mein Inneres konzentriert, bewohnte endlich einmal meine Wohnung und lernte nun all das für mich selbst zu organisieren, was sonst Bestandteil meiner Aktivitäten für andere und anderes war: Meditationen, Gebetszeiten, Phantasiereisen und erlaubte mir das Nichtstun, was eine Riesenherausforderung für mich war.
Ich spürte mich auf einem Weg der inneren Veränderung, der als einen ganz wichtigen Moment meine Berufung ins Ordensleben enthielt. Ein gar nicht attraktives Projekt, eine Lebensform, die nicht „in“ ist. Mein Umfeld rebellierte. Ich erlebte eine Zeit, in der alle Argumente, die man sich nur denken kann, aufgefahren wurden. Die Auseinandersetzung damit ließ mich innerlich reifen. Jeder war irgendwie an seinen ganz eigenen Themen. Dann kam der Eintritt in die Schwesterngemeinschaft und damit ein völlig neues Lebensfeld. Hier war mir das Enneagramm eine große Hilfe. Allerdings entdeckte ich nach einigen Monaten, dass es mit der Kopfarbeit nicht getan war. Erlebnisse konnte ich zwar vom Enneagramm her einordnen, musste aber noch meine Hausaufgaben machen, was mein Herz und meinen Bauch anging.
Heute nach 8 Jahren Gemeinschaftserfahrung bin ich froh über diese Gehhilfe, merke aber auch, dass Erfahrungen aus meiner geistlichen Begleitungsausbildung und der eigene Lebens- und Glaubensweg die Wichtigkeit des Enneagramms in den Hintergrund gestellt haben. Ab und zu lese ich etwas nach in den Büchern. Manchmal reflektiere ich das Verhalten meiner Mitmenschen auf dem Hintergrund meiner Enneagrammerfahrung. Es kommt aber auch anderes hinzu. Die Person Jesu und sein befreiendes Handeln rücken momentan in den Vordergrund.

Sabina Breidung

[aus: EnneaForum 27, Mai 2005, S. 32

Aus EnneaForum 27 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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