Ein Verein in Bewegung

Gedanken zur Zukunft des ÖAE –

von Rainer Fincke, Vorsitzender des ÖAE

Seit der letzten Jahreshauptversammlung habe ich viele Gespräche geführt über die Zukunft des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm. Seit über 10 Jahren gehören immer um die 500 Mitglieder unserem Verein an. Austritte und Eintritte hielten sich die Waage. Der Verein hat sowohl die Zeit, als das Enneagramm in Deutschland neu und „in“ war, wie auch die letzten Jahre, wo es in der Diskussion mehr um eine inhaltliche Vertiefung und Professionalisierung der Enneagramm­arbeit ging, gut überstanden. Wir sind vermutlich der weltweit größte verbindliche Zusammenschluss von Enneagramm­interessierten und in Deutschland eine der am besten funktionierenden ökumenischen Arbeitsgemeinschaften, die nicht kirchenleitend eingesetzt und gefördert sind. Das ist schon etwas Besonderes und darauf können wir auch stolz sein!

Dennoch gab es im letzten Jahr etliche Austritte. Die Motive waren sehr unter­schiedlich, es gab finanzielle Gründe, es gab aber auch Aussagen wie: „Meine Themen haben sich verändert, ich beschäftige mich mit dem Enneagramm nicht mehr so intensiv, dass ich in einem Verein sein müsste“. Und es gab auch manche Kritik an einzelnen Aktivitäten des ÖAE.

Wir müssen uns deshalb die Frage stellen, in welche Richtung wir die Arbeit mit dem Enneagramm weiter entwickeln wollen. Der Kerngedanke des ÖAE ist für mich bis heute, dass es sich um eine „Plattform“ handelt, die von möglichst vielen christlich motivierten Enneagramminteressierten im deutschsprachigen Raum genutzt wird. Was ist damit gemeint?

Eine Plattform hat zwei Charakteristika. Sie hat eine Fläche und einen Rand. Und so sehe ich auch unseren ÖAE als einen Platz für Menschen mit unterschiedlicher Herangehensweise im Umgang mit dem Enneagramm, die unterschiedliche Methoden anwenden. Menschen, die aus unterschiedlichen Traditionen kommen und einen weiten, reichen und sehr individuellen Erfahrungsschatz mitbringen. Das ist wirklich eine unserer Stärken, dass wir auf dem Hintergrund dieser verschiedenen Traditionen miteinander kommunizieren können.

Das zweite Merkmal unserer Plattform ist der Rand. Eine Plattform ist begrenzt. Das gibt ihr Kontur und Klarheit. Wo liegt der Rand, die Grenze für unseren Verein, was wäre außerhalb dieses Konsenses? Diese Frage lässt sich klar und nicht klar zugleich beantworten.

Denn wenn ich sage, dass christliche Spiritualität das verbindende Band derjenigen ist, die im Kontext des ÖAE ihre geistige Heimat haben (eine klare Aussage), so stellt sich natürlich gleich die Frage, was ist christliche Spiritualität? Die Antwort darauf kann nicht in dogmatischen Aussagen liegen, denn Spiritualität ist eine Dimension der Erfahrung und nicht der Logik. Es ist die Erfahrung der Nähe Gottes in mir und hat damit eine zutiefst persönliche Dimension. Natürlich kann und muss diese Erfahrung kommunizierbar sein, aber es ist die Kommunikation einer existentiellen Erfahrung als etwas sehr Kostbarem. Wenn die Begegnung von Enneagramminteressierten eine Begegnung spiritueller Menschen ist, dann sollte sie gekennzeichnet sein von Achtsamkeit, Neugierde und gegenseitiger Akzeptanz. Das wäre für mich der charakteristische „Rand“ unserer Plattform: die Freude am Reichtum der geistigen Entwicklungsprozesse unserer Persönlichkeiten, die Freude an den verschiedenen Wegen zur „Erlösung“.

In diesem Sinne, so glaube ich, kann der ÖAE als Plattform für geistliche Entwicklungsprozesse eine Menge bewirken. Gerade in einer Zeit drohender Fundamentalisierungen und ökumenischer Beschwernisse bei den Amtskirchen sollten wir die Fenster weit öffnen.

Zwei Dinge fallen mir ganz konkret dazu ein:

1. Wir sollten Kontakte über unseren deutschen Raum hinaus knüpfen. Gerade im englisch sprachigen Raum sind viele Christen mit dem Enneagramm beschäftigt. Vielleicht sollten wir zu unserer nächsten Jahreshauptversammlung 2004 bewusst europäisch einladen?

2. Wir sollten uns als Bindeglied der bekannten Enneagramm-AutorInnen verstehen und den Kontakt zu ihnen intensivieren. Vielleicht wäre 2004 ein richtiger Zeitpunkt, um bei der JHV ein Treffen von mehreren AutorInnen zu ermöglichen.

Es gibt natürlich noch viele andere Perspektiven, die sich in diese Punkte eingliedern lassen. So kann das Enneaforum noch stärker ein „Forum“ werden, können wir durch das neue Ausbildungskonzept an Profil gewinnen, kann die Zusammenarbeit mit dem EMT unsere internationalen Kontakte fördern u.v.a.m.

Ihr seht – auch wenn es einige Austritte gibt, der ÖAE hat noch viele interessante Aufgaben und ich meine, es lohnen sich Engagement und Mitgliedschaft. In diesem Sinne möchte ich alle LeserInnen bitten, Werbung für unseren Verein und für die Sache des Enneagramms zu machen und vor allem: Bringt Euch selber ein, mit Euren Erfahrungen und Ideen!

[aus: EnneaForum 22, November 2002, S. 3

Aus EnneaForum (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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