Moderne Zeiten

Charlie Chaplin hat 1936 einen Film geschaffen, der heute nichts an Aktualität verloren hat

von Michael Schlierbach

Filmbilder aus dem Film „Moderne Zeiten“ haben wir in dieses EnneaForum (leider nur in das gedruckte Heft. Bestellen können Sie es hier) aufgenommen (mit dankenswerter Erlaubnis und Unterstützung des Deutschen Filminstituts DIF in Frankfurt). Eine Maschine, viele, zum Teil riesige Zahnräder, ein Mensch, der die Maschine wartet, bedient, sich der Geschwindigkeit und dem Zeittakt anpassen muss, auch mal selbst zwischen die Zahnräder gerät.

Der Film ist eine sozial- und gesellschaftskritische Tragikomödie. Sein „Held“ Chaplin erlebt, wie er zum Rädchen im Getriebe, zu einem Bestandteil der Maschinerie wird. Und was das mit ihm selbst anstellt. Sein Leben wird mechanisiert.

Heute sind die Maschinen natürlich ganz anders und viel freundlicher. Aber die Mechanisierung des Lebens ist vielleicht noch schärfer geworden. Die kleinen so modernen Ein-Mann-Betriebe, die für die großen Teilaufgaben erledigen, sind die Zahnrädchen. Und sie müssen sich immer schneller drehen. 80 Stunden Wochenarbeitszeit in der Woche für einen Eigner einer „Ich AG“ sind keine Seltenheit. Und das Bedürfnis, an der Maschine zu drehen, schlägt ins Innenleben des Menschen über.

An den Fachhochschulen z.B. entsteht bei Studierenden ein großes Interesse an Kursen wie Selbstfindung, Körpererfahrung, Rhetorik, Stärken und Schwächen erkennen usw. – unter dem Vorzeichen, das ein Student treffend formulierte „Wie verkaufe ich mich richtig?“

Arbeit mit dem Ennea­gramm kann da eine große Befreiung sein, sie kann aber ebenso gut ein weiteres Drehen an der (inneren) Maschine werden – eine Mechanisierung.

Den Technik-Bildern aus Chaplins Film haben wir Naturbilder von Andreas Caspari gegenübergestellt. Die Bilder laden für sich zur Meditation ein – sie kommen ohne Worte aus.

Chaplin im Film rettet sich, indem er aus dem Räderwerk der Maschinerie und der Stadt hinausgeht – auf der Landstraße. Es wäre spannend, zu sehen, wie es weitergeht.

Der Fels und der Baum haben ihre Form und Schönheit nicht durch Arbeit an sich selbst bewirkt. Und auch nicht durch einen strukturierten Plan. Sie sind der Natur ausgesetzt, die ihnen im Zusammenspiel Form gibt.

Den Film anzusehen lohnt sich. Es gibt ihn inzwischen als Video und DVD.

[aus: EnneaForum 22, November 2002, S. 7

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