Die Christophoruslegende

Für die Acht: Fragen und Brainstorming auf der JHV – Anregung zur Weiterarbeit. Hier als Text die Legende. Für die Anmerkungen lesen Sie die PDF-Datei: christophorus.pdf ()

Der Entschluss

Christophorus war riesengroß und hatte ein furchterregendes Gesicht. Einmal kam es ihm in den Sinn, den größten König der Welt zu suchen, zu ihm zu gehen und bei ihm zu bleiben. Schließlich kam er zu einem König, von dem es hieß, es gebe keinen größeren König auf der Welt. Dieser nahm ihn gerne an seinem Hof auf.

Das Lied des Sängers

Eines Tages sang ein Spielmann vor dem König ein Lied, in dem häufig der Teufel vorkam. Jedesmal, wenn der Name des Teufels genannt wurde, bekreuzigte sich der König. C. wollte wissen, warum der König das mache und was es ihm bedeute. Der König wollte erst nichts sagen. Als aber Christophorus ihm drohte, ihn sonst zu verlassen, gestand der König, dass er sich mit dem Kreuzzeichen vor der Macht des Teufels schütze. Christophorus antwortete: „Wenn du dich vor dem Teufel fürchtest, dann steht fest, dass er größer und mächtiger ist als du. Sonst hättest du nicht so große Angst vor ihm. Also habe ich mich getäuscht, als ich dachte, in dir den größten und mächtigsten Herrn der Welt gefunden zu haben. Lebe wohl. Ich werde den Teufel selbst suchen, um ihn mir zum Herrn zu wählen und ihm zu dienen.“

Im Dienste des Teufels

Er verließ also jenen König und beeilte sich, den Teufel zu finden. In einer einsamen Gegend traf er auf eine Schar wilder Gesellen. Ihr besonders wild und schrecklich aussehender Anführer wollte wissen, was Christophorus hier suche. Er antwortete, dass er auf der Suche nach dem mächtigsten Herrn der Welt, dem Teufel sei, um in dessen Dienste zu treten. Jener antwortete: „Ich bin es, den du suchst.“ Christophorus freute sich, verpflichtete sich, auf ewig dessen Diener zu sein, und nahm ihn als seinen Herrn an.

Das Kreuz auf der Straße

Als sie so zusammen herumzogen, stießen sie auf einer öffentlichen Straße auf ein Kreuz. Da erschrak der Teufel heftig und floh. Er verließ die Straße und führte Christophorus über einen unwegsamen Pfad und ließ ihn erst viel später wieder auf die Straße zurückgehen. Christophorus wunderte sich darüber und verlangte dafür vom Teufel eine Erklärung. Erst als Christophorus drohte, ihn sofort zu verlassen, gab der Teufel nach und gestand: „Es wurde einmal ein Mensch, der heißt Christus, an ein Kreuz geschlagen. Wenn ich das Zeichen seines Kreuzes sehe, bekomme ich einen furchtbaren Schrecken und laufe voller Angst davon.“ Da sagte Christophorus: „Ist also jener Christus größer und mächtiger als du, wenn du sein Zeichen so sehr fürchtest? Dann habe ich mich also vergeblich bemüht und dengrößten König der Welt noch nicht gefunden. Leb wohl, denn ich will dich verlassen und Christus suchen.“

Der Einsiedler

So suchte er lange nach jemandem, der ihm etwas über Christus mitteilen könnte. Schließlich fand er einen Eremiten, der ihm von Christus predigte und ihn gewissenhaft im Glauben an den Herrn unterwies. Dann sagte der Einsiedler zu Christophorus: „Der König, dem du dienen willst, verlangt als Beweis deines Gehorsams, dass du häufig fasten musst.“ Christophorus: „Das mache ich auf keinen Fall. Er soll einen anderen Beweis meines Gehorsams fordern.“ Der Einsiedler: „Du wirst auch oft zu ihm beten müssen.“ Christophorus: „Ich weiß nicht, was das ist. Damit kann ich ihm meinen Gehorsam nicht beweisen.“

Der Fluss

Der Einsiedler überlegte eine Weile und sagte dann: „Du kennst sicher den gefährlichen Fluss, bei dessen Überquerung viele in Gefahr geraten und verunglücken. Weil du sehr groß und stark bist, wäre es Christus, dem König, dem du zu dienen wünschst, sehr recht, wenn du dich an diesem Fluss niederlässt und alle hinüberbringst. Und ich hoffe, dass ER sich dir dort offenbart.“ Dieser Dienst war Christophorus recht. Er ging zu dem Fluss, baute sich dort eine Hütte und nahm anstelle eines Stocks eine lange Stange in die Hand, mit der er sich im Wasser abstützte und alle ohne Unterbrechung hinüber trug.

Der Junge

Es vergingen viele Tage. Als er einmal in seiner Hütte ausruhte, hörte er eine Jungenstimme rufen: „Christophorus, komm heraus und bring mich hinüber.“ Er lief hinaus, konnte aber niemanden sehen. Er kehrte in seine Hütte zurück und hörte erneut den Jungen rufen. Wieder lief er hinaus und fand niemanden. Erst beim dritten Mal fand er draußen einen Jungen am Ufer sitzen, der inständig bat, ihn hinüber zu bringen. Christophorus hob den Jungen auf seine Schultern, nahm seinen Stab und watete ins Wasser. Da stieg das Wasser des Flusses an und der Junge wurde so schwer wie Blei. Je weiter er ging, desto höher wurde die Flut, und der Junge drückte mit seinem Gewicht so sehr auf seinen Schultern, dass er ihn kaum noch tragen konnte. Er bekam große Angst und fürchtete, ertrinken zu müssen. Als er es mit knapper Not geschafft und den Jungen abgesetzt hatte, sprach er: „Du hast mich in große Gefahr gebracht, Junge! Die Last war so groß, als hätte ich die ganze Welt auf meinen Schultern gehabt.“ Der Junge antwortete: „Wundere dich nicht, denn du hattest nicht nur die ganze Welt auf deinen Schultern, sondern du trugst auch den, der die Welt geschaffen hat. Ich bin Christus, dein König, dem du mit deiner Arbeit dienst! Und damit du erkennst, dass ich die Wahrheit sage, stecke deinen Stab bei deiner Hütte in die Erde. Er wird morgen blühen und Frucht tragen.“ Dann verschwand er. Christophorus ging zurück und steckte seinen Stab in die Erde. Am nächsten Morgen stand er auf und sah, dass der Stab Blätter und Früchte trug wie eine Palme.

Bei den Christenverfolgern

Dann kam er in die Stadt Samos in Lycien. Dort betete er zu Gott, er möge ihm die Landessprache verstehen lassen. Als er diese Gabe empfangen hatte, bedeckte er sein Gesicht und ging zum Richtplatz, um die Christen zu stärken, die dort gepeinigt wurden. Da schlug ihn einer der Richter ins Gesicht. Er aber entblößte sein Antlitz und sprach: „Wäre ich nicht ein Christ, ich würde mich sofort rächen!“ Stattdessen steckte er seinen Stab in die Erde und bat Gott, dass er ihn grünen ließe. So wurden 8000 Menschen gläubig. Da sandte der König 200 Kriegsknechte, die ihn fangen sollten, aber sie fanden ihn im Gebet und keiner wagte, ihn zu stören. Der König sandte noch einmal 200 Soldaten, aber die beteten mit Christophorus zusammen, bevor sie ihm von dem Plan des Königs erzählten. Da sprach er: „Gefällt es mir, so mögt ihr mich weder los noch gebunden mit euch führen.“ Er bekehrte sie zum Glauben und ließ sich dann von ihnen die Hände auf den Rücken binden und vor den König führen. Als dieser ihn sah, erschrak er so, dass er von seinem Thron fiel.

Im Gefängnis

Weil Christophorus nicht den heidnischen Göttern opfern wollte, lästerte der König Christus, der sich selbst nicht hatte helfen können und auch Christophorus nicht helfen würde. Und er warf ihn ins Gefängnis. Die bekehrten Soldaten ließ er im Namen Christi enthaupten. Dann ließ er zwei schöne Prostituierte, Nicaea und Aquilina, zu dem betenden Christophorus in die Zelle schließen. Die sollten ihn für viel Geld verführen. Als sie ihn streichelten und ihre Arme um ihn legten, stand er auf und fragte sie, wonach sie suchten. Da erschraken sie vor der Klarheit seines Angesichts und baten ihn um Erbarmen und dass er sie zu Christus führe. Beide starben noch vor Christophorus den Märtyrertod. Der Heilige überlebte viele Foltern und starb erst bei der dritten Todesmarter, als ihm das Haupt abgeschlagen wurde.

[aus: EnneaForum 22, November 2002, S. 14-15

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