Editorial - EnneaForum 27 (Mai 2005)

„Wenn dein Kind dich morgen fragt…“

Ja, was dann? Dann freue ich mich zunächst, dass es überhaupt fragt. Denn ein „Kind“ in der Pubertät ist wohl eher damit befasst, die eigenen Werte herauszufinden – in Abgrenzung von den Eltern. Da sind Lebensweisheiten und Ratschläge selten gefragt.
Doch gelegentlich – meist unerwartet – bietet sich eine Chance. Dann erzähle ich, wie es mir als Jugendliche ging, wie ich unglücklich verliebt war, Eifersüchteleien mit Freundinnen aushielt, weshalb ich mich mit 13 Jahren taufen ließ, wie ich zu meinem Beruf fand, weshalb eine Trennung unvermeidlich war, welche Seifenblasen schillerten, welche platzten.
Dann ist es mir wichtig, mich als Suchende zu beschreiben. Als eine, die noch nicht fertig ist. Die angewiesen ist auf Zuwendung und Freundschaft und selbige genießt. Als eine, die ihre Kinder und ihren Mann liebt. Als eine, die manchmal vor Schmerzen weint. Als eine, die außer sich ist vor Fröhlichkeit und Begeisterung. Als eine, die Feste feiert mit gutem Rotwein.
… ein Potpourri von Seifenblasen, manche unbedeutend, manche zum Bestaunen groß und bunt. Fasse ich zusammen, was für mich im Leben zählt, dann steht vielleicht als gemeinsamer Nenner da so etwas wie: „Engagement, Lebensfülle, Freundschaft – das alles ist wichtig. Aber wesentlicher ist für mich, dass ich nicht Schöpferin meiner selbst – sondern mir geschenkt bin und in Gottes Hand ruhe, die mich trägt. Mit allem Gelingen und Fehlen.“ Immer wieder auf diesen Kern zu stoßen, ist mein Lebenselixier. Sollte ich wählen müssen, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wäre es dies. Und sollte ich damit nicht überleben können, würde ich eben damit sterben. In Gottes Hand hinein, in der ich mich ohnehin schon befinde.
Wenn mein Kind mich fragen sollte, was es mit EnneaForum auf sich habe, würde ich sagen: Das ist eine Zeitschrift für Mitglieder eines Vereins, der mit Hilfe eines psychologischen Systems, das mit unseren christlichen Grundwahrheiten übereinstimmt, sich selbst und andere besser verstehen möchte. Weshalb? Um versöhnter mit sich zu leben. Und friedvoller mit anderen. Um gelöster, vertrauensvoller und toleranter durchs Leben zu gehen. Und an dieser Zeitschrift arbeite ich als Redakteurin, weil mir die Ziele des ÖAE ein Anliegen sind, weil mir diese Art von Arbeit gut liegt, weil ich damit etwas nebenher verdiene.
„Und weshalb hörst du dann mit dieser Arbeit auf?“, fragt es weiter.
Nun, weil ich eben ein Stück gelöster durchs Leben gehen will – mit meiner Familienarbeit, meiner Berufstätigkeit und meiner rheumatischen Erkrankung, die mich einschränkt. Es ist für mich an der Zeit, Grenzen anzunehmen, Prioritäten zu setzen, um gut statt unter ständiger Anspannung zu leben. Das veranlasst mich dazu, die Arbeit abzugeben. Leider wurde mein Brief an die Mitgliederversammlung aufgrund eines Versehens nicht verlesen – einer Eins ist es sehr wichtig, die Arbeit, wenn sie denn schon abgegeben wird (was man eigentlich nicht tut!) , „ordentlich“ und gut vorbereitet abzugeben, mit Abschiedsworten und einem guten Übergang….. ein „unperfekter“ Abgang also? Ich schmunzele über mich selbst…..Wieder was dazugelernt.
Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, sie hat mich angestrengt, sie war herausfordernd. Danke den vielen Menschen, die bereit waren, ihre Erfahrungen , Systeme, Entdeckungen zu schreiben. Danke an den Vorstand für die gute Zusammenarbeit, die Anerkennung und Wertschätzung. Danke an Michael für die redaktionelle Unterstützung und professionelle Arbeit. Und an Eveline, die immer flott antwortete und einen freundlichen Gruß übrig hatte. Danke an Heike Heinze, die die Arbeit kompetent weiterführen wird – auf ihre eigene Art, auf die wir gespannt sein dürfen. An dieser Ausgabe arbeiten wir bereits zusammen.

So seid gegrüßt mit einem herzlichen „À dieu“ – bis zum Wiedersehen.

Claudia Montanus

[aus: EnneaForum 27, Mai 2005, S. 2

Aus EnneaForum 27 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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