Buchbesprechung - Tobias auf der Suche nach seinem Selbst

Liesel Scheich
Tobias auf der Suche nach seinem Selbst
Märchen zum Enneagramm

Fouqué Literaturverlag 2001
203 Seiten
Euro 11,40

In märchenhafte Welten führt uns Liesel Scheich mit diesem Geschichtenbuch zum Enneagramm. Da kämpft Georg mit dem Drachen, Massimo erhält einen Zauberring, Aglaja kann sich mit Hilfe eines magischen Buches an die Orte ihrer Sehnsucht wünschen. Lena trifft im Wald auf ein Ungeheuer, Donatus bekommt von den Schilfgeistern ein Glückskettchen geschenkt und Auxilia ist mit einer goldenen Fußkette an ihren Auftrag zur Vergeltung geschmiedet. Phantasievoll und kurzweilig sind die Erzählungen zu lesen. Jeder Enneagrammtyp wird in einer Geschichte charakterisiert und sein Weg über die typischen Fixierungen und Fallen hinweg bis hin zu einer gereiften Entwicklung aufgezeichnet. So merkt Rebekka, dass ihre Neigung, anderen zu helfen und sich unentbehrlich zu machen, sie ins tiefe Unglück geführt hat und mit Hilfe einer weisen Alten findet sie den Weg zur wahren Lebensfreude. Oder Sophie begreift, dass das Engagement für andere wichtiger ist als die Suche nach dem Lebenselixier. Tobias, den seine Unentschlossenheit sein ganzes Glück gekostet hat, beginnt nun, beherzt zu handeln. Mir gefallen die sensiblen Schilderungen der Lebensgeschichten, die schon in der Kindheit beginnend, erahnen lassen, warum die Helden gerade in dieses Charaktermuster hineinwuchsen. Die märchenhaften Symbole und Gestalten, die ihnen auf ihrem Lebensweg begegnen, sind von ihrem Typ her leicht zu interpretieren. Freilich bergen solche enneagrammatischen Biografien die Gefahr in sich, dass die Geschichten ein bisschen konstruiert wirken und die Lösungen eher vom theoretischen Wissen über das Enneagramm bestimmt sind als aus der Geschichte heraus entstehen. Dann kann es passieren, dass plötzlich die Enneagramm-Lehrerin aus den Texten heraus schaut und mahnend ihren Zeigefinger erhebt. Zum Beispiel bei solchen klugen Schlusssätzen wie: „Sie verhieß ihm ein reiches erfülltes Leben, zu dem auch die dunklen und schmerzhaften Seiten gehörten, denen er jetzt nicht mehr auswich, sondern denen er sich tapfer stellte.“ So sind diese Erzählungen trotz aller Ungeheuer und Zauberringe für mich keine echten Märchen, die ja auf Erklärungen völlig verzichten und auf der Bildebene bleiben.

Trotz dieser kleinen Mängel ist dieses Buch aber ein ausgesprochenes Lesevergnügen, vor allem für Phantasiebegabte und die, die Märchenhaftes lieben. Mir hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen, und ich habe es sehr ungern wieder aus der Hand gelegt.

Heike Heinze

[aus: EnneaForum 21, Mai 2002, S. 24

Aus EnneaForum 21 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 21 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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