Eine Übung zum Nachsinnen über die Früchte im persönlichen Leben

von Claudia Dienst-Mann

Ich lade Euch und Sie dazu ein, sich einige Augenblicke der Stille zu gönnen. Nicht jeder Zeitpunkt ist dazu geeignet, selten der, zu dem man den Rundbrief eines ersten Überblicks halber erst mal durchblättert. Wer für sich Raum und Zeit gefunden und Lust zu einer „Erntedankschau“ der anderen Art hat, möge sich in die folgende Imaginationsübung hineinvertiefen und über die anschließenden Impulse für sich selbst oder auch im Austausch mit anderen nachsinnen. Die geschwungene Linie im Übungstext ist als Pause während des Lesens zu verstehen, damit dieses nicht zur Arbeit ausartet.

Imaginationsübung „Apfelbaum“:

„Ich lade dich ein, dir ein Bild anzuschauen, das du sicher schon viele Male in der Natur betrachtet hast.

Doch bevor wir diese Bilder-Schau miteinander unternehmen, gönne dir einige Momente der Stille. (Ist der Anrufbeantworter eingeschaltet? Sind die Kinder beschäftigt? Sitzt du bequem?) v

Nimm wahr, wie du auf deinem Stuhl/Sofa etc. sitzt. v Richte deinen Oberkörper auf, so daß dein Rücken und die Oberschenkel sich im rechten Winkel zueinander befinden. v Achte auf deinen Atem, nimm wahr, wie er in dich hineinströmt bis in die Bauchmitte hinein v und wie er dann wieder deinen Körper verläßt. Er tut dies ganz allein; du brauchst nur zusehen und wahrnehmen, wie es geschieht. v Die vielen Gedanken, die jetzt vielleicht noch deinen Kopf belasten, laß nach und nach hinwegziehen wie Vögel, die ihr Nest verlassen. v Und wenn du leer bist, stell dir vor, wie deine Füße über eine sattgrüne Wiese schreiten. v Es ist ein wunderbar sonniger Herbsttag. Du hast dir die Jacke ausgezogen und spürst die warme Sonne auf deinem Gesicht. v Die Natur um dich herum ist wunderschön. v Die Wälder am Horizont leuchten in bunten Farben. v Das Gras unter deinen Füßen ist noch saftiggrün. Die Felder sind abgeerntet. v Unten im Tal windet sich plätschernd ein kleiner Bach durch die Wiesen. v Du steigst einen leichten Hügel hinauf, um besser sehen zu können. v Oben angekommen, entdeckst du eine Pferdekoppel, auf der zwei Pferde grasen. v Daneben eine mit einigen Apfelbäumen bepflanzte Wiese. Ein Apfelbaum zieht dein besonderes Interesse auf dich. v Du gehst ihn dir näher anschauen. v Wie sieht dein Apfelbaum aus? Betrachte seine Krone, befühle seinen Stamm v Seine Früchte sind reif. Einiges vom Obst ist schon heruntergefallen. v Betrachte die Früchte, schmecke sie, fasse sie an. v Setz dich nieder und lehne dich, wenn du magst, an seinen Stamm. v Lass dir Zeit, zu sehen, was geschieht. v Wie sieht die Umgebung aus? Wie geht es dir dort? v Und irgendwann wird es Zeit, sich auf den Heimweg zu begeben. Die Sonne sinkt v ein leichter kühler Wind ist zu spüren. v Du erhebst dich und nimmst Abschied von dem Baum, der Wiese, der Koppel. v Du gehst den Weg, den du gekommen bist, zurück. In der Ferne verblassen langsam die Konturen der Bilder, die du gesehen hast. v Du nimmst dich wieder wahr, wie du auf dem Stuhl/ Sofa etc. sitzt, v ballst die Hände einige Male zu Fäusten und öffnest sie wieder, v holst tief Luft und stößt sie aus v und bist wieder ganz wach.“

Impulskatalog

(zum Ausfüllen, Nachsinnen, Austauschen …)

  1. Welche Früchte kann ich in den Zweigen meines Lebensbaumes entdecken? An die letzten Wochen, Monate, Jahre denkend, schaue ich auf mich als Ganzes und entdecke, wo Frucht gewachsen ist, wo etwas gelang, wo „Erfolge“ zu verzeichnen waren, wo alte Marotten abgelegt werden konnten, wo eine wohltuendere Lebensweise sich entfalten konnte usw.:
  1. Welches „Aroma“ , welchen Charakter tragen meine Früchte? Frisch? Säuerlich? Saftig-süß? Dezent? Sind sie eher mehlig, knackig, …?
  1. Welche Blüten sind nicht aufgegangen, sondern z.B. vertrocknet, verkümmert, eingegangen …? Welche „Mißerfolge“ sind zu verzeichnen? Was ist mir nicht geglückt, gelungen, welche Hoffnungen haben sich nicht erfüllt? Welche Früchte sind wurmstichig, ungenießbar? Oder: Welche sind noch nicht reif?
  1. Welche Früchte mag ich in einem Korb sammeln und die Ernte anderen zeigen? Wo werden Menschen durch meine Früchte gesättigt? Wer darf sie genießen und sich mit mir daran freuen? Mit wem mag ich sie teilen?

[aus: EnneaForum 16, Oktober 1999, S. 16-17

Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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