Buchbesprechung - Der Enneagramm-Vorteil

Helen Palmer/Paul B. Brown
The Enneagram Advantage. Putting the 9 Personality Types to Work in the Office
New York 1997

„Stellen Sie sich eine Sechs vor, die Tisch an Tisch mit einer Drei im selben Büro arbeitet … Beide schauen auf, als ihr Manager, eine Neun, das Zimmer betritt. Der liebenswürdige Chef erscheint gemütlich und gelassen, er freut sich auf einen entspannten Morgen ohne Störungen durch dringende Entscheidungen. Es stehen keine Kundenbesuche an; ein wichtiger Bericht, der morgen fertig sein soll, geht gut voran; und im Büro ist es entspannt, ein Ambiente ganz nach seinem Geschmack.

Als er auftaucht, fährt die Sechs ihre Antenne aus und späht nach Signalen auf dem Gesicht und in der Körperhaltung des Managers. ‚Warum jetzt? Der Bericht ist doch erst morgen fällig. Was habe ich getan?‘ Aber am Nachbartisch wittert die Drei eine Chance, ihren Chef durch Effektivität und Enthusiasmus zu beeindrucken. Sie winkt ihn an ihren Tisch und zaubert, ein Lächeln auf dem Gesicht, den Gruppenbericht hervor, den er nicht vor morgen erwartet hat. Seine anerkennend hochgezogenen Augenbrauen belohnen sie für die gut erledigte Aufgabe – und sie merkt nichts von den Schockwellen, die sich im Büro ausbreiten. Wieder einmal hat sie den Lohn gestohlen.“ (277f)

Sich diese oder eine ähnliche Situation vorzustellen, ist wohl kein Problem. Da sind Menschen gefangen in ihren Denk- und Verhaltensmustern und merken gar nicht, wie sie sich selbst oder anderen damit im Wege stehen. Ein weiteres Mal hat Helen Palmer, zusammen mit Paul Brown, ein höchst anschauliches Buch vorgelegt ? kein Wunder bei den unzähligen Interviews und „empirischen“ Beobachtungen, die auch in dieses Werk eingeflossen sind. Palmer und Brown legen überzeugend dar, daß „Manager, die sich bewußt sind, daß ein Schuh nicht auf jeden Fuß paßt, einen echten Vorteil haben.“ Warum? „Sie wissen zum Beispiel, daß erfolgsorientierte Dreier und machtorientierte Achter in einer von Wettbewerb geprägten Umgebung aufblühen, während andere Typen genervt reagieren, wenn der Erfolg über den Menschen gestellt wird.“ (31)

Bis hierher ist das nichts Neues. Helen Palmer selbst hat bereits 1995 beschrieben, wie das Enneagramm Probleme am Arbeitsplatz verstehen und lösen helfen kann. Neu ist allerdings die differenzierte Systematik, mit der dieses Buch Hauptaspekte dessen, was man als „Arbeitsstil“ bezeichnen könnte, typspezifisch erfaßt. Es handelt sich dabei um die Aspekte Kommunikation, Motivation, Zeitgefühl, Verhandlungsfähigkeit und Training/Entwicklung. An jedem der neun Typen wird durchgespielt, wie sich der jeweilige Aufmerksamkeitsstil auf diese fünf Bereiche auswirkt.

So kann man hier erfahren, warum Einser zwar in Lehrsituationen mitunter durch hervorragende kommunikative Qualitäten beeindrucken, im Gespräch aber manchmal den Ton verfehlen und pastoral wirken. Oder warum es auf Zweier demotivierend wirken kann, eigene Bedürfnisse benennen zu sollen; und daß es daher unter Umständen besser ist, einer Zwei einfach die Kaffeetasse neu aufzufüllen als sie zu fragen, ob sie noch Kaffee möchte ? um nur einen der höchst konkreten und anschaulichen Tips für den Umgang mit den Persönlichkeitstypen zu zitieren.

Einmal mehr empfiehlt sich Helen Palmer durch profunde Menschenkenntnis, verständliche Sprache und sachliche Klarheit. Meiner Ansicht nach übertrifft „Enneagram Advantage“ in allen drei Kriterien die vielen anderen Bücher zum Enneagramm als Management-Instrumentarium, die den Büchermarkt zur Zeit überschwemmen. Schade, daß es noch nicht übersetzt ist.
Johannes Bartels

[aus: EnneaForum 16, Oktober 1999, S. 15

Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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