Pionierarbeit in Osteuropa

Während das Enneagramm in Nordamerika und Westeuropa längst kein Geheimtip mehr ist, ist es jenseits des ehemaligen eisernen Vorhangs noch kaum bekannt. Enneagrammarbeit ist hier echte Pionierarbeit. Zwei derjenigen, die diese Arbeit leisten, sind die Schweizerinnen Elena Baruffol und Marianne Ruedin. Wir haben sie gebeten, für uns von ihren Erfahrungen zu berichten.

Über einen gemeinsamen Bekannten gelangte 1998 der Wunsch nach einem Enneagrammkurs in Ungarn an uns. Offenbar existiert auch ein Buch in dieser Sprache; die Leute wünschten sich aber eine lebendige Anwendung. So machten wir uns denn gespannt und mit etwas gemischten Gefühlen im Sommer 1998 auf den Weg. Gut ein Dutzend Leute aus dem ganzen Land war in Budapest von Donnerstagabend bis Sonntagmittag zusammengekommen. Offenbar kam der Kurs an, denn auch in diesem Jahr wurden wir wieder gebeten, ein Enneagrammseminar abzuhalten.

Dabei fiel uns besonders die große Offenheit und Lebhaftigkeit der Leute auf, die wir zunächst auf deren südländische Mentalität zurückführten. Mit der Zeit offenbarte sich aber auch eine latent darunterliegende Schwermütigkeit und es wurde uns bestätigt, die Vier sei eine in Ungarn stark verbreitete Persönlichkeitsstruktur.

Nach den Jahren der Abgeschlossenheit herrscht offensichtlich immer noch ein ungeheurer Durst nach Weiterbildung, nach Informationen beinahe jeglicher Art. So kamen zum Beispiel sowohl 1998 als auch in diesem Jahr Teilnehmerinnen, die das Buch entgegen unserer Erwartung nicht oder nur zum Teil gelesen hatten. Mit Eifer und gepackt vom Miterlebten lasen sie jeweils die halbe oder ganze erste Nacht durch!

Gilt bei uns in Westeuropa die grobe Regel, vor dem dreißigsten Lebensjahr sei es zu früh, sich mit dem Enneagramm zu beschäftigen, so beobachteten wir eine große Überlegtheit und Reife auch bei jungen Leuten. Wir glauben, daß dies mit den so ganz anderen Lebenserfahrungen zu tun hat. Auch lernten wir vor allem Teilnehmerinnen kennen, die früher in der Untergrundkirche aktiv gewesen sind und heute Basisgruppen bilden.

Aufgefallen ist uns von Anfang an auch, wie rasch die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen ermüdete. Nun war unsere Beweglichkeit und Fantasie gefordert, denn die räumlichen Verhältnisse waren äußerst beengend, das einzige technische Gerät ein fröhlich rauschendes Tonband. Wir waren so naiv gewesen, das unsrige Zuhause zu lassen, in der Annahme, es sei ja eines vorhanden!

Übrigens: unser einziges ungarisches Wort ist Danke; das organisierende Ehepaar hat abwechselnd simultan übersetzt. Und hier erreichen wir auch die für uns bedenkenswerte Grenze: In unseren Kursen in der Schweiz sprechen wir und die Teilnehmerinnen unseren Dialekt und können so äußerst differenziert Zustände und Gefühle benennen. Zwar war die Übersetzung gut, doch es ging durch sie etwas an Spontaneität verloren, zum Beispiel lachte die ganze Runde – und wir mußten noch auf die Übersetzung warten. Auch flossen die Worte manchmal so reichlich, daß wir eine summarische Übersetzung bekamen – verständlich, doch nicht immer befriedigend. Ebenso brauchten einzelne Worte zusätzliche Erklärungen, wenn wir realisierten, daß sie hüben und drüben mit verschiedenen Inhalten gefüllt sind.

Des ungeachtet konnten wir sicherlich aufzeigen, wie reich das Enneagramm- Material ist, wie man damit in die Tiefe gehen kann, wie man überhaupt damit arbeiten kann und so den trockenen Buchstaben belebt. Jedenfalls ist auch der diesjährige Kurs gut angekommen – wer weiß, vielleicht rufen sie uns noch ein weiteres Mal?

[aus: EnneaForum 16, Oktober 1999, S. 13

Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare

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Marianne Ruedin · 04.07.2007 00:31 → Kommentarlink 000327

Marianne Ruedin hat nun eine eigene Homepage:
http://www.Marianne-Ruedin.ch.vu

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