Christoph Mächler, Kursleiter, Therapeut und Berater

Ein Gespräch mit Christoph Mächler, Kursleiter, Therapeut und Berater

Das Gespräch führte Ludwig Zink

Z: Sie führen gerade hier, im Haus Gutenberg in Balzers (FL), in einem kirchlichen Bildungshaus, ein Wochenende über das Enneagramm durch. Es trägt den Titel: „Mit dem Enneagramm Gruppenprozesse begleiten und Veränderungen mitgestalten“. Sie sind vertraut mit Change-Management-Theorien: Was bringt das Prozessmodell für die persönliche Lebensgestaltung und für Führungsgremien der Industrie und in der Wirtschaft Neues?

M: Die Stärke des Enneagramms als Prozessmodell liegt darin, dass es eine Orientierung für die Gestaltung und Steuerung von Prozessen aller Art schafft. Durch seinen ganzheitlichen und vernetzten Ansatz stellt es eine echte Alternative zu mechanistisch-technokratischen Ansätzen dar.

Z: Sie haben ein Buch geschrieben, das den Titel trägt: „Der sanfte Weg zur Umgestaltung. Change-Management mit dem Enneagramm“. In der letzten Ausgabe des Rundbriefes erhielt es eine ablehnende Rezension. Sie haben aber auch viele positive Rückmeldungen für Ihr Buch erhalten. Weshalb haben Sie das Buch geschrieben?

M: Zunächst erhielt ich eine Anfrage des Heyne-Verlages. Das Angebot war verlockend, da ich mich bereits intensiv mit dem Enneagramm und seinen Möglichkeiten lange vor seinem „Boom“ im deutschsprachigen Raum beschäftigen konnte. Andererseits gab es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Fülle von Enneagrammliteratur, die entweder mehr theologisch-kirchlich oder esoterisch positioniert war. Ich bin der Meinung, dass ein solches Modell nicht von einzelnen Gruppen und Gruppierungen vereinnahmt werden darf. Beim Enneagramm handelt es sich um ein altes Weisheitsmodell, das in einer sich permanent und schnell wandelnden komplexen Welt echten Nutzen zu stiften vermag. Ich schlug deshalb eine Darstellung für Menschen, die in der Wirtschaft und im Management zu Hause sind, vor. Die Echos aus Lesern der Zielgruppe waren außerordentlich positiv, weil gerade auch hier das Interesse für ganzheitliche und vernetzte Modelle auf immer größeres Interesse stößt.

Z: Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Enneagramm in der Organisations- und Unternehmensentwicklung?

M: Wie ich in meinem Buch dargestellt habe, ermöglicht die Arbeit mit dem Prozessmodell eine partnerschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedensten Prozessen in einer Organisation. Ich denke hier besonders an Veränderungs-, Entscheidungs-, Problemlösungsprozesse und an den konstruktiven Umgang mit Konflikten.

Geht man davon aus, dass für alle Organisationen in Zukunft der Kulturaspekt im Vergleich zur Strukturfrage immer größere Bedeutung erhält, braucht es Modelle und Instrumente, die es ermöglichen, die Wirklichkeit gemeinsam zu gestalten. Die Erfahrungen in der Praxis erweisen sich als äußerst erfolgversprechend.

Z: Wie verknüpfen Sie das Prozessmodell mit dem Typenmodell?

M: Grundsätzlich steht das Prozessmodell für sich alleine und kann auch so angewendet werden. Die Typologie stellt allerdings im persönlichen Coaching oder im Rahmen von Teambildungsprozessen eine nützliche Hilfe dar. Es lässt sich ähnlich einsetzen wie beispielsweise der Myers-Briggs-Typenindikator, der ja gerade in der Wirtschaft große Verbreitung gefunden hat. Der einzelnen Führungskraft ermöglicht es eine intensive Auseinandersetzung mit sich selber.

Z: Welche Zukunft geben Sie dem Enneagramm?

M: Ich denke, dass das Enneagramm in der Psychologie, in der Seelsorge und in der Organisationsentwicklung seinen Platz haben wird. Ich gehe allerdings davon aus, dass das breite Interesse eher zurückgehen wird, da das Enneagramm kein „Instant-Produkt“ ist!

[aus: EnneaForum 16, Oktober 1999, S. 14

Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 16 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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