Der Weg in die Sackgasse

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Tiki-Bild Enneagramm-SackgasseDas Enneagramm beschreibt recht eindeutig einen Weg, wie Menschen es schaffen, sich in die Sackgasse zu manövrieren. Anhand der einzelnen Stationen möchte ich diesen Weg nachzeichnen und am Beispiel einer Persönlichkeitsgestalt verdeutlichen. Der Weg in die Sackgasse geschieht ganz allmählich und meist unbemerkt. Ein erster Schritt zur Befreiung kann es sein, sich die eigenen Mechanismen bewußt zu machen, mit denen die Wirklichkeit umgedeutet wird. Wie sehen die einzelnen Schritte aus?

Selbstbild und Selbstideal

Jede/r „pflegt” ein bestimmtes Bild von der eigenen Person (= Selbstbild) und davon, wie er/sie sich gerne sehen möchte (=Selbstideal). Dieses (meist positive) Bild läßt sich nur aufrecht erhalten, wenn bestimmte Erfahrungen, Situationen und Gefühle vermieden werden, die die eigenen Schattenseiten nicht zulassen. Eine Sieben denkt z.B. von sich selbst: „Ich bin nett” (Selbstideal) und „ich bin glücklich!” (Selbstbild)

Vermeidung (nach außen gerichtet)

Jede Gestalt vermeidet bestimmte Situationen und ein bestimmtes Verhalten, um sich vor Erfahrungen zu schützen, die Angst auslösen und die eigene Identität gefährden könnten. Eine Drei z.B. wird alles vermeiden, was nach Versagen und Mißerfolg aussieht.

Abwehrmechanismen (nach innen gerichtet)

Gleichzeitig wird alles getan, um die eigenen dunklen Seiten nicht in das Bewußtsein treten zu lassen. Die Abwehrmechanismen haben die „Aufgabe”, die eigene Person vor unliebsamen Seiten zu schützen und diese Persönlichkeitsanteile ins Unbewußte abzudrängen. Es darf nicht offenbar werden, daß Trägheit die eigentliche Antriebskraft der Friedensliebe der Neun ist. Die Neun wird sich betäuben, um es nicht zu merken.

„Tugend” (Gabe, Talente)

Um sich mit den dunklen Seiten der eigenen Person nicht beschäftigen zu müssen, richtet jede/r den Blick lieber auf die eigene (vermeintliche) „Tugend” (z.B. Fürsorge und Hilfsbereitschaft bei der Zwei). Das Problem liegt dabei weniger in dieser Gabe selbst als vielmehr in der einseitigen Entfaltung dieser Gabe auf Kosten anderer Persönlichkeitsanteile. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn eine´ Eins etwas verbessern will. Wenn der Drang zur Perfektion aber zur einzigen Triebkraft wird, ist es Zeit umzukehren.

„Brille” (Verzerrung der Wirklichkeitssicht)

Damit diese Einseitigkeiten nicht auffallen, setzt jede Gestalt eine spezielle „Brille” auf, die vortäuscht, eine Rundumsicht zu gewähren-tatsächlich nimmt jede Gestalt aber nur 1/9 der gesamten Wirklichkeit wahr. Die Verzerrung zeigt sich darin, wie jede Gestalt ihre Beziehung zur Welt empfindet (z. B. ich bin kleiner als die „Welt”, ich muß mich deshalb immer anpassen) und aufgrund der verzerrten Wahrnehmung handelt. Eine Sechs fühlt sich abhängig von anderen Menschen und glaubt deshalb, sich der Welt anpassen zu müssen.

Verwechslung von Stärke und Schwäche

Auf diese Weise wird der eigene Zwang (z.B. für eine Vier, immer’etwas Besonderes sein zu müssen) nicht als Schwäche erkannt, sondern im Gegenteil sogar als einzigartige Stärke umgedeutet. Der eigene blinde Fleck wird kultiviert und gepflegt, anstatt ihn zu verringern. Das Ergebnis dieses geschickten Umdeutungsprozesses ist die Einbildung: „Ich brauche keine Erlösung – in bin vollkommen okay – nur die anderen sind schwierig”.

Selbsterlösungsversuch

Trotz dieser ganzen „Tricks” läßt es sich nicht vermeiden, daß ab und zu Streß auftaucht. In die Enge getrieben, versucht jede Gestalt sich dadurch (vermeintliche) Befreiung zu verschaffen, daß sie sich auf eine andere Gestalt zubewegt (in Pfeilrichtung). Die Einstellung und das Verhalten der anderen Gestalt versprechen Rettung. Diese Hoffnung zerschlägt sich jedoch schnell. Die verheißene Rettung (aus eigenen Kräften) entpuppt sich als noch tiefere Verstrickung. Eine Zwei erhofft sich Befreiung bei der Power der Acht – sie findet allerdings nur Vergeltungsgedanken.

Versuchung

In diesem Geschehen legt sich jeder Gestalt eine speziflsche Versuchung nahe, die Befreiung verspricht. Auch ein Nachgeben dieses Impulses verstärkt die Desintegration (einer Fünf legt sich die Versuchung nahe, immer mehr Wissen anzuhäufen) und führt noch tiefer in die Sackgasse. Nach den verschiedenen Stationen steht jede Gestalt am Endpunkt, an dem nichts mehr geht. Ein Entkommen aus diesem Kreislauf gibt es nur durch eine dreifache Umkehr. Davon mehr im nächsten Rundbrief.Schema Sackgasse

Christian Wulf

[aus: Enneagramm-Rundbrief 4, Januar 1993, S. 13

Aus EnneaForum 04 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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