Buchbesprechung - Die Grundformel der Seele

Don Richard Riso/Russ Hudson
Die Weisheit des Enneagramms
Entdecken Sie Ihren inneren Reichtum
München, Goldmann-Verlag 2000
430 s., DM 24,90

Wenn sich ein Buch gut verkauft, dann muss bald eine Fortsetzung her. So will es das Gesetz des Marktes. Harry Potter geistert inzwischen in vierter Folge durch die Bücherschränke. Ebenso haben jetzt Don Richard Riso und Russ Hudson die vierte Version ihres Enneagramms veröffentlicht. Der Titel lautet diesmal: Die Weisheit des Enneagramms. Ob mit diesem Buch endlich der Weisheit letzter Schluss erreicht ist, darf bezweifelt werden – denn schließlich werden noch weitere Folgen verkauft werden müssen.

Das Strickmuster ist dasselbe wie schon Ende der achtziger Jahre, als Riso noch ohne die Mithilfe von Hudson schrieb. Der Aufbau gliedert sich nach wie vor in die drei Teile Einführung, detaillierte Beschreibung der neun Typen und Schluss. Immer noch fällt ein guter, klarer Stil auf. Nach wie vor ist die Darstellung systematisch und übersichtlich. Unverkennbar ist auch das hohe Selbstbewusstsein der Autoren, wie es sich etwa in der Haltung gegenüber der übrigen Ratgeberliteratur ausdrückt: „Gehen wir einmal davon aus, dass die meisten Ratgeber zur Selbsthilfe nicht unbedingt nutzlos sind, sondern nur unvollständig.“ (s. 8)

Womit sich das neue Buch aber am deutlichsten als Produkt aus der Schreibfabrik von Riso und Hudson zu erkennen gibt, ist die besonders ausgeprägte Vorliebe für die Grundformel 3 × 3. Diese Formel prägt nicht nur die altbekannten Triaden (die bei Riso/Hudson als Instinkt-, Gefühls- und Denktriade bezeichnet werden), sondern auch die von Riso und Hudson jetzt neu entdeckten sogenannten „Sozialstile“ und die „Bewältigungsstile“. Teilt man die neun Enneagrammtypen nach Sozial- und Bewältigungsstilen in je drei Dreiergruppen ein, so ergeben sich hübsche Figuren, die zusammen eine vollendete Symmetrie ergeben.

Doch damit sind die Anwendungsmöglichkeiten des 3×3- Schemas noch lange nicht ausgeschöpft. So werden auch in dieser Folge wieder die 3 × 3 Entwicklungsstufen wiederholt, die nach Riso das Spektrum zwischen dem „gestörten“ und dem „gesunden“ Zustand gliedern und die in Kombination mit den 3 × 3 Grundtypen eine Differenzierung in 3 × 3 × 3 × 3 = 81 typspezifische Entwicklungsstufen erlauben. Die 3 × 3 Entwicklungsstufen sind übrigens nicht zu verwechseln mit den 3 × 3 Schichten, die in dem neuen Buch ebenfalls erstmals vorgestellt werden.

Was das nun wieder ist und wie das Schichtenmodell entstand, beschreiben Riso und Hudson so: „Bei einem gemeinsamen Flug nach Kalifornien begannen wir über die Wachstumsphasen nachzudenken, die wir bei unserer inneren Arbeit durchlaufen hatten. Wir sprachen unter anderem darüber, ob wir jemals das sprichwörtliche ‚Licht am Ende des Tunnels‘ sehen würden, da es uns viel Kummer bereitete, immer wieder Schichten neurotischer Verhaltensweisen und unbewältigter Vergangenheit freizulegen. Wir fragten uns auch, ob es nur uns so ginge, oder ob dieses Abtragen von Schichten nach einem bestimmten Schema ablief. Wir hatten mehrere Stunden Zeit, unsere Beobachtungen festzuhalten, und als wir landeten, hatten wir die Grundzüge des folgenden Modells zusammengestellt.“ (s. 410) Dieser Bericht spricht Bände: Offenbar entstehen die schönen Einteilungsfiguren in den luftigen Höhen der Spekulation.

Im Übrigen beschließen Riso und Hudson auch ihr neues Buch mit großem Pathos: „Vielleicht wurde der Menschheit das Enneagramm als Werkzeug zur Beschleunigung der Transformation des Ego-Selbst gegeben. Wenn … das Enneagramm unser Erwachen beschleunigt, … wird sich die Weltgeschichte ändern.“ (s. 422) Na, wenn das nichts ist!

Johannes Bartels

[aus: EnneaForum 20, November 2001, S. 24

Aus EnneaForum 20 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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