Auswertung der Fragebogenaktion 2

Teil 2: Beziehungen zwischen den Mustern und Familienbeziehungen

Die Fortsetzung des 2. Teils unserer Fragebogenaktion aus dem letzten Jahr. Ich bitte darum, meine Impressionen und Schlußfolgerungen aus den gegebenen Antworten als Anregung zum Weiterdenken zu nehmen. Hin und wieder mache ich Vorschläge, einzelne Fragen oder Zusammenhänge noch genauer zu erforschen. Dazu lade ich wieder alle LeserInnen ein, das EnneaForum als Forum zu nutzen und Leserbriefe bzw. Erfahrungsberichte und Reflexionen zu schicken.

Typ Fünf

23 Antworten, davon 12 männlich (m) und 11 weiblich (w). Neben der Eins die größte Gruppe!

Als fremdartig erlebt werden die Muster:

1, 2 (9×), 3 (9×), 4 (5×), 6 (2×), 7(3×), 8 (4×), 9(2×). Hier wurden insgesamt die meisten Antipathiepunkte gegenüber allen anderen Mustern vergeben. Besonders aber an die Herztypen Zwei und Drei. Beide leben gewissermaßen das Gegenteil der Fünf. Wenn die Zwei die Grenze in guter Absicht überschreitet („übergriffige Geber“), mißachtet sie diese ja gleichzeitig. Das verletzt Fünfer, die viel Wert auf Respekt für ihre schützenden Grenzen legen und statt Nähe lieber Distanz als Beziehungsrahmen vorschlagen. Und während die Drei sich ins Scheinwerferlicht stellt, zieht die scheue Fünf lieber ihre Vorhänge zu. Da auch die unmittelbare Nachbarin der Fünf, die gefühlsstarke Vier als ziemlich fremd erlebt wird, möchte man insgesamt den Fünfern empfehlen, sich selbst mehr mit dem eigenen Herzzentrum anzufreunden und sich von daher mehr nach außen zu anderen hin zu öffnen.

Dominanter Flügel:

Ein dominanter Sechserflügel wurde 10× genannt, der Viererflügel 7×. Je 3× hieß es, beide Flügel sind gleich stark, bzw. ‚ich nehme keinen dominanten Flügel wahr‘.

Ergebnisse aus der Herkunftsfamilie: Welches Muster hatten Vater und Mutter?

Vater: 1, 6(5×) 4, 5(3×), 7, 8(3×), 9(4×). Mutter: 1(2×), 2(8×), 4(2×) 5, 6(7×), 9. Keine Angaben machten nur 2 Teilnehmer. Auffällig ist also die hohe Bereitschaft, die Muster der Eltern zu bestimmen. Darin übertreffen die Fünfer die anderen Muster, offensichtlich haben sie am meisten darüber reflektiert (und als Beobachter wohl schon sehr früh damit angefangen). Bei ihren Müttern erkannten die Fünfer (Männer wie Frauen) 8× das Muster der Zwei! Das kann man in zwei Richtungen deuten: Entweder interpretieren die distanzbedürftigen Fünfer das normale mütterliche Sorgen und Kümmern als zu starke Einmischung und definieren darum so oft ihre Mütter als Zwei. Oder die natürliche Antwort auf übermäßiges Gebenwollen eines Elternteils ist die übermäßige Nehmerrolle eines Kindes. Damit würde das Familiensystem eine Art Ausgleich herstellen, der beiden Teilen ermöglichen könnte, die Waagschalen von Geben und Nehmen oder Distanz und Nähe in Beziehungen besser auszugleichen. Einfach dadurch, daß man vom anderen lernt und aufhört einen Teil davon an andere zu delegieren. Auf jeden Fall erinnert mich dieses Ergebnis an einen Satz des Familientherapeuten Bert Hellinger: Asketen suchen die Mutter. Auf das Enneagramm übertragen könnte das heißen: die Fünf hat aus irgendeinem gewichtigen Grund nicht genug von der nährenden Seite der Mutter genommen (Wärme, Gefühl, Nähe, Fülle …) und steht jetzt vor der Aufgabe, diesen mütterlich sich verströmenden Aspekt in sich selbst zu fördern. Er beinhaltet alles, was ich an früherer Stelle über die Heilige Gabe der Fünf, die Gastfreundschaft, formuliert habe. Wird diese Gabe entfaltet, wirkt sich das bis ins Gottesbild der Fünf aus. Man begegnet seinem Gott nicht mehr nur auf dem Weg der selbstgenügsamen Askese (Schweigen, Kontemplation, Leere), sondern eben auch in der verschwenderischen Fülle, im Feiern, im Teilen und Dazugehören.

Knapp 50% aller Fünfer gaben an, eine Sechser-Mutter (7×) oder einen Sechser-Vater (5×) zu haben. Hier kann das sich Ängstigen von Mutter oder Vater den Rückzug des Kindes nach innen noch verstärkt haben. Auf jeden Fall wären beide Themen (Zweier-Mutter, Sechser-Eltern) es wert, von und mit unseren Fünfern ausführlicher diskutiert zu werden. Es wäre schön, wenn wir dazu auch Leserbriefe ans EnneaForum bekämen, die uns genauer das Verhältnis einer Fünf zu ihren Eltern schildern. (Umgekehrt natürlich auch!)

Ergebnisse aus der Partnerschaft/Ehe (mit und ohne Kinder): Welches Muster hat Ihr/e Partner/in und ihre Kinder?

Von den 23 Teilnehmern lebten 16 in einer Partnerschaft, 7 als Singles. Das ist fast ein Drittel und innerhalb der Fragebogenaktion schon auffällig. Neben der Vier haben wir hier eine erhöhte Singlequote.

Bei immerhin 10 Partnerschaften liegt das Muster des Partners weder auf einem der Flügelpunkte noch auf einem der Trost- oder Streßpunkte. Das geht deutlich gegen den allgemeinen Trend, sich Partner von diesen eben genannten Punkten zu wählen. Als mögliche Erklärung fiel mir ein, daß die Fünf vielleicht keinen so großen Wert darauf legt, im Partner „emotional Vertrautes“ wieder zu finden. Dadurch steht ihr bei der Partnerwahl ein viel größeres Spektrum offen. Auch hier wären zur Klärung des Phänomens Rückmeldungen und Erfahrungsberichte von Fünfern sehr kostbar.

Einige Statements zur Partnerschaft:

5w+1: „Ich bin nicht verheiratet, aber mindestens 50% meiner Bekanntschaften sind Einser.“5m+2w: „Die Distanz, die ich als Fünf brauche, tut meiner Frau manchmal gut (sie kann dann, wie sie sagt, ihr Eigenes leben), ist ihr aber manchmal zu groß, sie beklagt dann die Entfremdung. Für mich als Fünf entsteht Streß, wenn ich das Gefühl bekomme, nicht so sein zu dürfen, wie ich bin (Vorwurf: Du kümmerst dich zu wenig um mich). Aber es ist auch sehr angenehm, versorgt zu werden.“5w+3m: „Aus meiner Sicht: Zu Beginn der Ehe war seine unerschütterlich positive Einstellung sehr hilfreich, um meine Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. Später war das eher hinderlich um notwendige Korrekturen anzubringen. Er hat sich immer ‚vorgestellt‘, es wäre schon harmonisch! Mir steht sein Job zu sehr im Mittelpunkt und hält oft als Entschuldigung für nicht übernommene andere Dinge her. Im Kontakt mit Dritten stehen sich unsere Verschiedenheiten auch oft im Weg. Ich brauche Zeit, um ins Gespräch zu kommen und lasse das Thema sich gerne im Dialog entwickeln. Da er sich aber sofort in den Mittelpunkt stellt, bekomme ich diese Chance oft nicht. Die Wandelbarkeit der Drei war für mich bis zum Enneagramm überhaupt nicht zu verstehen, wobei das flexible Denken ja eine ausgesprochene Stärke sein kann, um bestimmte Dinge zu lösen, bei welchen ich manchmal überhaupt keinen Weg sehe. Er orientiert sich blitzschnell, während ich noch nichts kapiert habe. Das ist oft sehr rettend für mich. Er ist auch wesentlich weniger durch Hemmungen eingeschränkt, davon profitiere ich dann indirekt.“5m+4w: „Oft schwierig. besonders Nähe/Distanz, gemeinsame Bereiche (Kindererziehung) sind problematisch.“5w+4m: „Es ist schwierig miteinander. Er lebt völlig fern der Realität. Die Sorge für das tägliche Leben liegt bei mir. Es ist für ihn bequem und er kann weiter in höheren Sphären schweben, gleichzeitig macht es ihn wütend. Ich versuche mich davon frei zu machen und meinen Weg zu gehen.“5m+4w(geschieden)+9w: „In der ersten Ehe war das Wasser zu tief. In der zweiten können wir unsere typspezifischen Eigenarten akzeptieren und damit umgehen.“5m+6w: „Könnte nicht besser sein.“5w+7m: „Gute Erfahrungen. Wir können die Übereinstimmungen und die Unterschiedlichkeit mehr schätzen.“5m+8w: „Wir haben gelernt, unsere völlig entgegengesetzten Reaktionen auf Menschen und Ereignisse als etwas Gegebenes zu akzeptieren. Gewachsen ist unser Verständnis für die Andersartigkeit.“5w+9m: „Seit 20 Jahren ist unsere Partnerschaft weitgehend harmonisch, rücksichts- und liebevoll. Das Enneagramm hat meinem Mann sehr geholfen und ihm die Augen geöffnet, wie er sagt.“5w+9m: „Die Neun hält oft ihre Bedürfnisse zurück und achtet mehr auf das Wohlergehen anderer.“

Typ Vier

11 Teilnehmer, davon 4 männlich und 7 weiblich.

Aversionen gegen andere Muster: 1, 3 (2×), 6 (2×), 7(3×), 8(2×). „Erst durch das Enneagramm kann ich die Menschen von Typ Sieben besser verstehen. Das war auch Neid meinerseits. Etwas fremd ist mir immer noch die Angst der Sechs.“

Die Muster Vier und Sieben liegen auf der sogenannten Optimismus-Pessimismus-Achse (Naranjo). Folglich sprechen beide Muster einander den Realitätssinn ab. Ich hatte einmal in einer Gruppe zwei Pfarrer, der eine eine Vier, der andere eine Sieben. Die Vier sagte: „Der ist ja ganz nett, aber ich kann nicht verstehen, wie ein erwachsener Mensch so naiv durchs Leben hüpfen kann als sei es ein Sonntagsspaziergang. So ein kindischer Verdrängungs-Optimismus schadet doch der Seele, oder?“ Und die Sieben sagte: „Schade, daß so ein netter Kerl sein Leben lang den Trauerkloß mimen und immerzu nur Trübsal blasen muß. Dieses depressive Gefühlsgequetsche, das ist doch schädlich für die Seele, oder?“

Ergebnisse aus der Herkunftsfamilie: Welches Muster hatten Vater und Mutter?

Vater: 1(2×), 3, 6(3×), 9. Mutter: 1(2×), 2(3×), 3, 4, 6, 7. 3× gab es keine Angaben zum Vater, 2× davon war der Vater unbekannt.

Ergebnisse aus der Partnerschaft/Ehe (mit und ohne Kinder): Welche Muster haben Ihr/e Partner/in, Ihre Kinder?

Muster der Partner: 1(2×), 5(2×), 6, 8. Unter den 11 Teilnehmern waren 4 Singles. Die Verteilung der Kinder war unauffällig und über fast alle Muster verstreut.

Einige Statements zur Partnerschaft:

4m+1w: „Wir haben uns positiv beeinflußt. Ich habe gelernt, strukturierter zu denken und zu handeln, meine Frau hat viel Sinn für Schönheit entwickelt, auch im Alltag, und hat gelernt, etwas zu genießen. Ich habe mir sehr hohe Maßstäbe gesetzt, um ihr zu genügen.“4w+1m: „Mir gefällt, daß mein Partner ruhig ist, gut zuhört und viele Stärken im praktischen Bereich hat. Wir beide lieben Stille, Natur, Freiheit. Schwierig ist es, daß meine leidenschaftlichen Liebeswünsche eher reserviert beantwortet werden. Und daß er bei manchem (ich bin eher extrovertiert) einfach nicht mit kann.“4w+1m: „Mein Partner hat mich stark kontrolliert, was bei mir den Verstand stärkte, aber auch die Angst förderte und mich noch mehr bewog, meine Gefühle abzuwerten. Hatte schlechtes Gewissen, wenn ich emotional reagierte. Nach außen schien ich die Hosen an zu haben. Ich fühlte mich durch seine Arbeitswut verlassen, war minderwertig.“4m+5w: „Wir stärken uns gegenseitig die Flügel, verstehen einander sehr gut auf diesem Berührungspunkt. Zugleich hindere ich meine Frau, ihre Sechser-Seite zu leben und sie mich, meine Dreier-Seite zu entfalten.“4m+6w: „Naja, 31 Jahre passen nicht auf 4 Zeilen. Soviel nur: die Kenntnis des Typs erleichtert das Zusammenleben erheblich.“

Typ Drei

Immerhin 2 weibliche Dreier haben uns geantwortet. Trotzdem ist zu folgern, daß die Dreierenergie damit im öae unterrepräsentiert ist. Vom Gesichtspunkt der Ganzheit her ist das ein Mangel, der uns allen schadet. Was hat das für Ursachen und Konsequenzen hinsichtlich unser Attraktivität, Aktivität und Effektivität als Enneagrammforum im deutschsprachigen Raum? Was können wir tun, um mehr Raum für die Drei zu schaffen? Wo blockieren wir – unabsichtlich – positive Dreier-Energie im öae?

Welche Muster empfinden Sie als fremdartig?

Eine Teilnehmerin beschrieb die Acht als ihren „bestgehaßten Typ“. Damit setzt sich auch bei der Drei der Trend fort, sich am ehesten an der Acht zu reiben.

Ergebnisse aus der Herkunftsfamilie: Welches Muster hatten Vater und Mutter?

Genannt wurden die Paare: Vater Eins und Mutter Zwei, bzw. Vater Acht und Mutter Drei (mit dem Kommentar: „hält sich für Eins“).

Ergebnisse aus der Partnerschaft/Ehe (mit und ohne Kinder): Welches Muster hat Ihr/e Partner/in und Ihre Kinder?

Eine Drei hatte einen Fünfer-Partner, die andere einen Neuner. Die Kinder hatten die Muster Sieben und Vier, bzw. Sechs und Drei.

Statements zur Partnerschaft:

3w+5m: „Das Verständnis für die Eigenarten des Partners wird besser. Leider sind die Reaktionen auf diese doch wieder sehr vom eigenen Muster bestimmt.“3w+9m: „Ich selbst habe mich 5 Jahre lang für eine Zwei gehalten und erst durch Claudio Naranjo meine Einschätzung ändern können. Mein Mann hat einen starken Achter-Flügel. Paßt schon!“

Typ Zwei

16 Teilnehmer, 6 männlich und 10 weiblich.

Welche Muster sind Ihnen fremd? Genannt wurden 4, 5(6×), 6(4×), 7(3×), 8, 9(2×). „Die unerlöste Acht ist mir unsympathisch, aber die Achter-Energie tut mir oft sehr gut.“ „Die Kopftypen 5 und 6 kommen aus einem ganz anderen Lebensdeutungsmodell, reagieren mir zu langsam, ‚verstehen‘ mich nicht, wehren Selbsterkenntnis ab, schützen sich zu sehr.“ Das Ergebnis zeigt, daß sich nicht nur die Fünfer mit den Zweiern, sondern auch die Zweier mit den Fünfern schwer tun. Allgemein finden Zweier Kopftypen schwieriger, wobei sie mit der warmherzig verbindlichen Sechs und der charmant extrovertierten Sieben offensichtlich weniger Probleme haben als mit den introvertierten Fünfern, an die „wir Zweier nicht so leicht ran kommen“. Immerhin 6 von 16 Teilnehmern gaben an, gar keine Schwierigkeiten mit anderen Mustern zu haben und alle zu verstehen. Inwieweit dahinter das „Ich versteh dich so gut“-Programm der Zwei steht oder ein echtes Versöhntsein mit allen anderen, kann man aus diesem Test natürlich nicht erkennen, wäre aber eine Gewissensfrage für die Zwei und ihre Verstrickung im Stolz.

Ergebnisse aus der Herkunftsfamilie: Welches Muster hatten Vater und Mutter?

Hier sind hochinteressante Verdichtungen zu sehen. Männer wie Frauen nennen deutlich gehäuft bei der Mutter das Zweiermuster, nämlich 9×. Auch ein Vater wurde als Zwei identifiziert. Die Sechs bei einem Elternteil taucht 5× auf, ebenso die Eins. Es folgen die Sieben und die Acht (je 2×) und die 3, 4 und 9 je 1×.

Es wäre wirklich lohnend, von den Zweiern mehr über ihre Mutterbeziehung zu erfahren. Wie wurde sie erlebt? Zustimmend, ambivalent, ablehnend? Was führte zur Wiederholung des Zweiermusters in der Familie? Gibt es ein Konkurrieren um den ersten Platz als Helfer? Und zusätzlich, auch im Hinblick auf die Sechser-Mütter: Inwieweit wurden Wärme, Sicherheit, Halt, permanente Nähe, Unterstützung, Geborgenheit usw. in der Herkunftsfamilie gelebt oder vermißt? Durfte man sich von dieser Familie lösen und wie ging das? Welche Konzepte haben die Zweierkinder mit in ihre jetzigen Familien übernommen?

Ergebnisse aus Partnerschaft/Ehe/Lebensgemeinschaft (mit/ohne Kinder): Welches Muster haben Partner/in/Kinder?

Partner der Zwei: 1(3×), 5, 6(4×) 4, 9(2×)

Auch in der Partnerschaft setzt sich die Beliebtheit der Sechs fort, die schon bei den Eltern der Zweier zu sehen war. Das steht natürlich in gewissem Gegensatz zu den Angaben bei der Frage nach den Muster, die einem eher fremd sind, denn auch dort wurde die Sechs immerhin 4× genannt. Hier brauchen wir noch mehr Klärung, was beide Muster verbindet und unterscheidet, zumal gerade Frauen (meiner Erfahrung nach) bei der Selbsteinschätzung häufig beide Muster verwechseln. Also bitte schreibt uns!

Einige Statements zur Partnerschaft:

2w+1m: „Das ist oft eine ganz schöne Herausforderung! Bei dem nötigen Maß an Toleranz und Aufmerksamkeit und einem Schuß Humor finden wir uns gegenseitig.“2m+1w: „Der Dreierflügel macht mir Schwierigkeiten. Die Dreierseite sieht nur das Ziel, die Eins hält den Weg für sehr wichtig. Hilfsangebote mache ich, ja, aber richtige und nur wie angefragt.“2w+5m: „1.Phase: sehr gute Erfahrungen; ich paßte mich an, er teilte seine Themen mit mir, ca. 8 Jahre. 2. Phase: Ich fing an zu kämpfen, er zog sich zurück, das hielt ich nicht aus und machte wieder heile Beziehung! Das ging ca. 10–12 Jahre. 3. Phase: Enneagramm kennengelernt; ich verstehe meinen Teil und ihn viel besser und daß wir uns bei der Acht treffen können. War am Anfang für uns beide sehr schwierig, ist heute aber sehr energetisierend und entlastend. Wir können danach manches klären.“2w+6m:“Wenn mein Mann im Streß ist (auf der 3, meinem unausgebildetem Flügel), dann geraten wir oft in Schwierigkeiten. Das Enneagramm ist ein gutes Kommunikationsmittel, um uns gegenseitig verstehbar zu machen. Kopf und Herz sind je gute Ergänzungen. Ich glaube, daß unser beider Bedürfnisse nach Geborgenheit, resp. Sicherheit beim Partner erfüllt werden.“

2w+6m: „Wir erleben uns sehr gegensätzlich. Mein Mann beschäftigt sich nicht mit dem Enneagramm, das finde ich sehr schade.“2w+6w(Ordensgemeinschaft): „Sie reagiert als Kopftyp nicht auf Anreden und Aussagen, ich muß immer nachfragen, ob sie es gehört hat. Wenn ich dann frage, warum sie nicht reagiert, findet sie mich empfindlich. Ich hätte außerdem zu hohe Erwartungen an sie.“2m+6w: „Das ist meine zweite Beziehung und sie geht sehr gut.“2w+9m: „Unsere Erfahrungen sind katastrophal.“

Typ Eins

20 Teilnehmer, 7 männlich und 13 weiblich.

Als fremdartig oder unsymphathisch empfundene Muster:

1, 2(2×), 3(5×), 4(3×), 5, 6(6×), 7(3×), 8(6×), 9

Immerhin ein Drittel (7 Teilnehmer) der gefürchteten Kritiker gab an, gar keine Aversionen gegen andere Muster zu haben. Statt dessen gab es hier das einzige Mal Selbstkritik („andere Einser gehen mir bisweilen auch auf den Geist“). Ansonsten irritieren die Muster Acht (wie sonst auch) und Sechs, die auf der Pflichtachse den Gegenpol zur Eins bildet. Beide Muster definieren sich gern über Pflichten. Die Eins bezieht diese Normen aus ihrem Inneren und sieht sich darum auch gerne als verantwortungsbewußten Entscheidungsträger. Die Sechs wählt lieber äußere Autoritäten als Maßstab und empfindet sich als loyales, pflichtbewußtes Mitglied eines größeren Ganzen. Einser leiden an der mangelnden Entschiedenheit bzw. inneren Festigkeit der Sechs und fühlen sich durch deren Zaudern ausgebremst. Auf den zweifelnden Vorbehalt der Sechs antwortet die Eins oft mit Ungeduld und ärgerlichem Drängen auf Fortgang.

„Fünf finde ich langweilig, Acht bedroht mich, Sechs ärgert mich manchmal, Drei macht mich wütend.“ / „Die Acht ist mal unsympathisch, mal faszinierend.“ / „Zweier kenne ich kaum näher, Vierer mag ich zwar, habe aber auch oft Probleme mit ihrer Verletzlichkeit.“

Ergebnisse aus der Herkunftsfamilie:

Bei Vätern (12×) wie Müttern (9×) der Einserkinder überwiegen die Bauchtypen. Das heißt, das Autonomiebestreben der Eltern aus dem Bauchzentrum führt dazu, ihre Kinder gerne frühzeitig in die Pflicht zu nehmen. Im positiven Sinne fördert das die Selbständigkeit, im negativen Sinn reduziert es die Genußfähigkeit. Bei den Müttern wird ein hoher Einseranteil und Sechseranteil beobachtet, was bedeutet, daß Themen wie Pflichterfüllung, Verläßlichkeit, Zurückstellen von Entspannung und Genuß schon in der Ursprungsfamilie mit mütterlicher Freigebigkeit konkurrieren. Vater 1(3×), 2, 3, 6(2×), 5, 7, 8(4×), 9(5×). Mutter 1(6×), 2(3×), 3, 4, 6(4×), 8, 9(2×)

Ergebnisse aus der Partnerschaft/Ehe (mit und ohne Kinder):

Partner der Eins: 1, 3, 4, 5(2×), 6, 7, 8, 9(9×)

Auch hier gab es also eindeutige Vorlieben: Die Neuner sind mit Abstand die beliebtesten Partner der Einser! 9 von 20 Einser haben oder hatten eine Partnerschaft mit einer Neun. Besonders für weibliche Einser (6×) scheint ein Neuner-Mann sehr attraktiv zu sein.

Am Einserpunkt ist auch die Bereitschaft hoch, in einer Partnerschaft mit Kindern zu leben. 17 von 20 Einsern hatten einen Partner, 15 davon auch Kinder. Unter den drei Einsern ohne Partner war ein katholischer Priester.

Einige Statements zur Partnerschaft:

1m+1w: „Gleiche Sicht der Dinge im Prinzip, bei unterschiedlichen Ansichten im Alltag oft schwierig, bei Konflikten, oder wenn sie wieder einmal alles perfekt organisiert, verziehe ich mich oft in Richtung Neun.“1m+4w: „Wir machten sehr intensive Erfahrungen miteinander. Es ist ein tiefes Verständnis gewachsen, und wir können uns auf zentrale Entwicklungsschritte hinweisen, was den anderen oft zuerst ärgert, dann aber doch weiterhilft, weil wir in einer sehr guten offenen Kommunikation sind.“1w+5m: „Wir sind geschieden.“1w+5m: „Unsere Muster zu kennen, hilft uns einander anzunehmen und den anderen auf seinem Erlösungsweg zu unterstützen.“1w+6m: „Wir sind beide zwanghafte, arbeitsame Menschen, die langsam lernen, mehr Spaß am Leben und miteinander zu haben.“1w+8m: „Wir streiten, wer Recht hat. Zwei starke Seiten. Große Nähe und Distanz möglich.“1w+9m(geschieden)+7m: „Neuner sind für mich attraktiv und abstoßend zugleich. Ihre Ruhe und ihre große Toleranz und Wärme sind attraktiv, ihre Schwerfälligkeit bringt mich bisweilen an den Rand der Verzweiflung. Seit einigen Monaten bin ich mit einer Sieben liiert, zur Zeit der reine Genuß!“1w+9m: „Unsere Themen sind Kampf und Autonomie, Bauch gegen Bauch. Bei ihm geht es um Ablassen von Trotz und Sturheit, bei mir um Gelassenheit im Handeln.“1w+9m: „Wir harmonieren in vielen Bereichen, ein gemeinsamer Alltag wird aber nicht möglich sein, die Neun strengt an, laugt aus.“1m+9w: „Da meine Frau dasselbe Fach studiert hat wie ich, ist die Konkurrenzsituation besonders groß. Auf Grund ihres schwächeren Antriebs kommt sie dabei oft schlechter weg und resigniert – was dann wiederum mich hemmt, meine Energie auszuleben.“1m+9w: „Die meisten Pläne kommen vom Einser, die Neun macht meistens mit. Sie ist der Ruhepol in der Familie. Es wird stürmisch, wenn der Einser verletzt und der Neuner stur ist …“1w+9m: „Vermutlich ist es sehr gut, einen Partner aus dem Flügelbereich zu haben. Wir verstehen einander gut, haben aber eben nicht total dieselbe Macke. Ich glaube, Nachbarn sind ideal füreinander!“

Partner der Eins: 1, 2, 3, 4, 5(2×) 6, 7, 8, 9(9×).
Partner der Zwei: 1(3×), 5, 6(4×) 4, 9(2×).
Partner der Drei: 5, 9.
Partner der Vier: 1(2×), 5(2×), 6, 8.
Partner der Fünf: 1, 2(2×), 3(2×), 4(5×), 6, 7, 8, 9(4×).
Partner der Sechs: 1(2×), 2, 5, 8, 9.
Partner der Sieben: 1, 8, 9.
Partner der Acht: 5(2×), 6, 7, 8, 9.
Partner der Neun: 1(3×), 2(2×), 3, 5(2×).
Die beliebtesten Partner der öae-Mitglieder insgesamt sind: 9(19×), 1(13×), 5(11×), 6(8×), 4(7×), 8(6×), 2(6×), 3(4×), 7(3×).

Gratulation also den Neunern! Für unsere weitere öae-Arbeit zum Thema Beziehungen empfiehlt sich also, in einem ersten Schwerpunkt besonders auf die Muster Neun, Eins und Fünf und ihr Beziehungsverhalten einzugehen, weil davon sehr viele unserer Mitglieder unmittelbar profitieren können.

Marion Küstenmacher

[aus: EnneaForum 18, November 2000, S. 32-35

Aus EnneaForum 18 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 18 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare

  • 1
Jan Gruber · 31.03.2015 21:56 → Kommentarlink 001655

Ich möchte bitte die Optimismus-Pessimismus-Achse nach Naranjo erklärt bekommen.
Vielen Dank!
Jan Gruber

  • 1




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