Meine Arbeit mit dem Enneagramm

Erfahrungen: Margit Lambach

Der Anfang

Ausbildung zur Bankkauffrau
anschließend Bibelschul-Lehrgang (1973–75)
Arbeit im Blauen Kreuz
Betreuung von Suchtkranken

In mehreren Fortbildungskursen Vertrautwerden mit „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann. Die Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich „gestrickt“ sind, setzte einen Prozess in Gang.

Als Mutter einer „pflegeleichten“ Tochter und eines aggressiven Temperamentbolzen-Sohns gab es mehr und mehr Infragestellungen meiner Persönlichkeit.

1989 gab es nach dem Lesen des Enneagramm-Buchs von Richard Rohr und Andreas Ebert weitere Aha-Erlebnisse. Mein angeblich heiles Selbstbild geriet ins Wanken. Aber dank der deutlichen Auflistung meiner Stärken konnte ich nun auch meinen Schwächen ins Angesicht schauen. Gemeinsam mit anderen „Enneagramm-Freaks“ bildeten wir einen „Hauskreis“, um uns über unsere Erfahrungen auszutauschen. Das Enneagramm faszinierte mich so sehr, dass ich mehr darüber wissen und lernen wollte.

Die Vertiefung

Mein erstes Seminar: Einführungskurs mit Andreas Ebert in der Epiphaniaskirche in Bremen. Am Eindrücklichsten war für mich dabei die Typengruppen-Arbeit: Da saßen wir fünfzehn Einser und jeder wußte besser als der andere, wie der „Bunte Abend“ zu gestalten war. Unsere Diskussion über gute und bessere Darstellungsmöglichkeiten dauerte eineinhalb Stunden – und endete ohne konkretes Ergebnis. Also führten wir kurzerhand unser „ernsthaftes Bemühen um eine optimale Präsentation der Einser“ auf und konnten befreit über uns selbst lachen.

Nach der Teilnahme am „Enneagramm-Multiplikatoren-Kurs“ (1992) mit Norbert Häg und Christian Wulf bot ich (gemeinsam mit meinem ersten Mann) 1993 mit Zittern und Zagen der Volkshochschule Melsungen das Seminar-Konzept an. Der Volkshochschulleiter war begeistert – und die Teilnehmer auch. Nach mehreren Einführungskursen wuchs das Interesse der Teilnehmer, an bestimmten Fragen und Problemstellungen weiterzuarbeiten. So entstanden im Laufe der Jahre die folgenden Seminare:

Das Weitergeben

Einführung ins Enneagramm: Sich selbst und andere besser verstehen lernen

Mein Ziel ist es, dass nach einem Wochenend-Seminar (20 Unterrichts-Einheiten) jeder Teilnehmer sein Grund-Persönlichkeitsprofil gefunden hat. Danach kann man sich ab und an selbst beobachten und seine Wahrnehmung für sich selbst und andere schärfen. Zum Programm: Ich beginne mit einer Phantasiereise zu den drei Zentren und lasse so spielerisch den eigenen Grund-Antrieb herausfinden. Nach einer ausführlichen Typen-Vorstellung und anschließenden Arbeit in Typen- oder Zentren-Gruppen gibt der „Kulturabend“ Raum, mitgebrachte Gegenstände für sich sprechen zu lassen. Eine Enneagramm-Begehung und ein Gottesdienst mit dem südafrikanischen Bibel-Teilen helfen, den eigenen Standort und das Eingebundensein in die Geschichte Gottes mit den Menschen zu finden.

Enneagramm I: Stress- und Trostpunkt-Integration:

Nach dem Erkennen des eigenen Musters geht es darum, mit den eigenen Stärken und Schwächen Frieden zu schließen, sich das vorgegebene Potential zu nutze zu machen und auszubauen, die „Stress-Falle“ des jeweiligen Typs vermeiden zu lernen und die notwendige Ergänzung (Trostpunkt-Verhalten) zu suchen. Zur deren Bewußtmachung hilft eine Phantasiereise. Das anschließende Malen und die darauf folgende „Gemäldeausstellung mit Titelblättern“ läßt die Sicht der anderen einfließen. Ein Mini-Gottesdienst mit bibliodramatischen Elementen bildet den Abschluß des Seminars.

Enneagramm II: Versöhnung mit meiner Prägung und Familiengeschichte:

Eine „Reise in die Kindheit“ läßt Vergangenes noch einmal aufleben und das Spannungsfeld in der Familie spüren. Das Schreiben eines „Klage-Psalms“ mit anschließender Meditation im Plenum kann ein gutes Mittel sein, den eigenen Mangel bewußt wahrzunehmen. Nur was ich mir genau ansehe, kann ich auch bearbeiten und loslassen. Es geht hier darum, sich mit dem So-Geworden-Sein und der eigenen Familiengeschichte zu versöhnen: Dankbar zu werden dafür, was die Eltern mir geben konnten, und loszulassen, wozu sie nicht in der Lage waren. Viele Körperübungen, Wort-Spiele mit dem eigenen Namen und ein Vier-Ecken-Dank-Psalm sorgen für die nötige Auflockerung.

Enneagramm III: Enneagramm und Beziehungen:

Durch meine Bibliodrama-Ausbildung und das Kennenlernen von Bert Hellingers Familientherapie (in eigener Erprobung und als Hospitantin bei einer befreundeten Familientherapeutin) entstand dieses Seminar. Das Stellen von Familien- und Beziehungsbildern, die Arbeit mit Körper-Skulpturen und Stuhltheater helfen, Konflikte von allen Seiten wahrzunehmen und (unter Mitarbeit der Gruppe) Ansätze zur Lösung zu finden. Ein weiterzuschreibendes Märchen offenbart zunächst die jeweils „normale Konfliktlösungs-Strategie“. Weiter geht es ganz praktisch darum, den Standpunkt des Konfliktpartners einzunehmen und neue Perspektiven für die verfahrene Situation zu bekommen. Auch hier rundet ein Gottesdienst das Ganze ab.

Bibliodrama-Seminare

Meine Bibliodrama-Ausbildung stellte sich als wunderbare Ergänzung zu meiner Arbeit mit dem Enneagramm heraus. Im Bibliodrama begegnen uns biblische Texte ganz neu. Mit einem „Vier-Ecken-Spiel“ nähern wir uns dem Text, spüren einem Wort mit einer „Fünf-Sinne-Meditation“ nach und malen es dann. Eine „Textstraße“ wird gelegt und gespielt, was sich in der Geschichte ereignet hat – eine hervorragende Möglichkeit, sich selbst und den eigenen Rollen im Leben auf die Spur zu kommen. „Skulpturen der Veränderung“ lassen den Körper als Erkenntnisorgan wirken: Altes loslassen und Neues ausprobieren.

Das Fazit

Inzwischen habe ich mehrere andere Persönlichkeitstypologien ausprobiert: das Struktogramm, das DISG-Persön- lichkeitsprofil, den Meyers-Briggs-Typenindikator – und bin begeistert, dass ich mit dem Enneagramm arbeiten darf. Es besitzt bei den Typenbeschreibungen sowohl eine große Differenziertheit als auch Weite. Am Besten gefällt mir, dass das Enneagramm Wege aus der Sackgasse anbietet. Es bleibt nicht bei der Festschreibung des jeweiligen Typs stehen, sondern zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf. Was mich beim Enneagramm außerdem fasziniert, ist die meiner Meinung nach hervorragende Verbindung zwischen Psychologie und Spiritualität.

Seit September 1993 habe ich über vierzig Einführungskurse und fast zwanzig Weiterführungs-Seminare mit dem Ennegramm gestaltet – jedes von ihnen hatte eine eigene faszinierende Prägung. Viele der in meinen Seminaren verwendeten Elemente sind in mein Buch „7 × 7 Kreativ-Bausteine für die Arbeit in Gruppen“ (Brockhaus-Verlag) eingeflossen.

Für manche TeilnehmerInnen mit „frommem Hintergrund“ bedeutet die Begegnung mit dem Enneagramm, dass ihre Sicht von Gott und den Menschen differenzierter wird. Mehr Weite und Verschiedenartigkeit des Glaubenslebens kann zugelassen werden. Andere, die eigentlich „mit Kirche nichts am Hut haben“, bestätigen nach dem Wochenende meistens, dass ihnen der Glaube noch nie so unaufdringlich und liebevoll dargeboten wurde – als Angebot, das man annehmen kann, wenn man will.

Margit Lambach-Bialowons, Pangesweg 11, 34132 Kassel, Tel. (05 61) 4 00 37 77.

[aus: EnneaForum 18, November 2000, S. 8-9

Aus EnneaForum 18 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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