Neun Typen auf Tauchgang

Tolle Aufgabenstellung: Das EnneaForum bittet darum, „typengerechte“ Sportarten vorzustellen. Mit mir nicht! Ich mache es umgekehrt: einen Sport vorzustellen, über den völlig falsche Vorstellungen vorherrschen und der jedem Enneagrammtyp auf seinem Weg der Umkehr und Erlösung helfen kann. Klingt ganz schön dicke, ist aber so!
„Ein Taucher, der nicht taucht, taugt nichts.“
Ich möchte Euch heute das Tauchen mit Pressluftgerät vorstellen und ans Herz legen. Ja genau, dieser knallharte und gefährliche (Frosch-)Männersport für Selbstmordkandidaten, nichts für Frauen und Zartbesaitete. Klar, Filme von Jaques Cousteau („Welt ohne Sonne“) und Hans Hass hat man schon mal gesehen, aber das soll ein Sport für mich sein? Gibt doch auch noch Schach oder die Sportschau …
Nein, Sporttauchen ist heute ein
Massenphänomen: Hunderttausende Taucher sind in deutschen Vereinen aktiv, die Anzahl der Urlaubstaucher
ist nochmals deutlich höher. Was die Gefahr betrifft: die deutsche Versicherungswirtschaft ist der Meinung, dass
z.B. Reiten deutlich risikobehafteter ist. Ein Männersport? Keineswegs. Sehr viele Frauen haben sich inzwischen diesem Sport verschrieben. Kein Wunder, denn er hat viel mit Körpergefühl zu tun (schaut mal auf die Tanzflächen: da sind Frauen einfach besser). Außerdem ist es eine der wenigen Sportarten, bei der man 90% der nötigen Kra durch Technik kompensieren kann. Übrigens: Leni Riefenstahl fing das Tauchen mit 70 Jahren an und bekam Preise für Ihre Unter- wasser-Fotobände!
Was ist das Schöne am Tauchen? Tja, Tauchen hat mit Sex gemeinsam, dass man es zwar beschreiben kann, aber das Erleben ist nun doch etwas Anderes. Ich will es trotzdem anhand der neun Enneagrammtypen versuchen:
Die SIEBEN („ich bin dann mal weg“) fühlt sich unter Wasser natürlich wohl; sie ist ja immer auf der Suche nach neuen Welten und Erfahrungen. Hier aber lernt sie schnell, dass Mäßigung und Nüchternheit für einen sicheren Tauchgang (überlebens-)notwendig sind. Hier erlebt sie etwas, was ihr an der Oberfläche deutlich schwerer fällt, als den anderen Typen: die „Antennen“ für die Umwelt und insbesondere den Tauchpartner sind weit ausgefahren.
Die ACHT freut sich natürlich über das knallharte Froschmannimage, das keine Schwäche erkennen lässt. Dies hält aber nur an bis zum ersten Tauchgang: jeder hat Angst und ist anfänglich völlig hilflos mit seiner 12-Liter Stahlflasche auf dem Rücken. Sich dieser Wahrheit zu stellen und das (Mit-)Gefühl für den Partner zu entwickeln, das ist die Weiterentwicklung des Achters.
Die NEUN versteht die Begeisterung für das Tauchen, so wie sie für alles Verständnis hat. Aber ihre Bequemlichkeit lässt sie zögern, ebenso ihre Selbstzweifel („warum soll ausgerechnet ich das können?“). Wer aber einmal am Ende eines Tauchkurses die – oftmals weiblichen – Teilnehmer gesehen hat, die nach fünf Tauchgängen dieses selbstbewusste Leuchten im Auge haben, der weiß, warum die Tat und das Tauchen den Neuner erlösen wird!
Die EINS kann schon verstehen, dass man sicher perfekt an diese Sache rangehen muss, denn unter Wasser ist es doch sicher kein Zuckerschlecken. Sie wird bei der Ausbildung besonders aufpassen, ja keinen Fehler zu machen und beim Theorieunterricht mit ungebetenem Rat zur Seite stehen.
Aber auch sie findet ihre Erlösung in der Vollkommenheit der bunten Welt unter Wasser und im Schwebezustand umströmt sie eine große Gelassenheit, die sie über Wasser lange suchen muss.
Der ZWEI gefällt am Tauchen ganz besonders, dass es ein Partnersport ist, denn man geht immer zu zweit unter Wasser, niemals allein. Allerdings, hier hilft man nicht nur, es wird einem auch geholfen! Stolz wird in dieser fremden Welt ganz schnell zur Demut und die Einsicht befreit, dass beide Partner ganz individuell tauchen und doch gemeinsam. Im Moment der Gefahr bin ich ganz dicht dran am Partner – oder genau umgekehrt!
Die DREI findet Tauchen natürlich toll, da hat man ja immer was zu erzählen und mit Golf lockt man ja keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Natürlich hat er die besten Tauchgänge hingelegt und die exotischsten Plätze dieser Welt besucht. Aber auch hier gilt: die Täuschung ist schnell zu Ende, Demut und Aufrichtigkeit greifen Platz. Unter Wasser stelle ich mich mir selbst und ich erfahre viel über mich – nicht alles wird mir gefallen, aber hier kann ich mich abseits vom Trubel damit schonungslos auseinandersetzen!
Die VIER bewundert die Farbenvielfalt unter Wasser, die Schönheit der Natur. Nein, das Gewöhnliche ist hier weit weg. Und doch, hier erlebe ich den Ursprung, bin ganz eins mit der Welt und eine große Zufriedenheit greift Platz.
Die FÜNF will die Welt beobachten und begreifen, sie will wissen. Unter Wasser kann und soll ich beobachten, aber ich bin auch mitten drin! Ein tiefes Wissen um die Zusammenhänge der Welt und des Lebens ergreift mich – und dieses Wissen ist nicht allein mental, es beinhaltet ein ganzheitliches Fühlen und Verstehen.
Die SECHS gehört wie die Fünf und die Sieben zu den Angsttypen. Skepsis und Zweifel vor diesem fremden Element greifen Platz. Allerdings wird ihr anfangs sehr gefallen, dass bei diesem Sport, wie bei kaum einem anderen, die Sicherheit an erster Stelle steht, sowohl in der Ausbildung, wie später bei den Tauchgängen: „plan your dive and dive your plan“.
Wenn die Sechs den Mut findet zu diesem neuen Sport, wird sie reich belohnt. Und sie kann auch geben, denn
ihr Talent, Vertrauen und Loyalität zu schenken, wird hier besonders gebraucht.
Ein Sport für jedes Alter, Geschlecht und Enneagramm-Muster. Probiert es doch mal im Urlaub aus. Für Fragen stehe ich immer zur Verfügung.

Ein Beitrag von Michael Weber aus unserem Enneaforum Nr. 36/2009

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