Editorial - EnneaForum 18

„Enneagramm und Erwachsenenbildung“ ist das Schwerpunkt-Thema dieser Ausgabe von EnneaForum.
„Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch – sonst hieße es Buchung!“ – las ich irgendwo. Nicht von schlechten Eltern, der Spruch … Ich schmunzelte über das gewitzte Wortspiel. Und dann dachte ich weiter: “Bildung? Was ist das eigentlich, wenn nicht etwas, was man durch Fernsehen notwendigerweise gewinnt?‘ Was das Enneagramm von seinem Inhalt her ist, meinen wir zu wissen oder bruchstückhaft zu verstehen. Doch was, bitteschön, heißt „Bildung“ – genau genommen „Erwachsenenbildung“?

Ein Blick in das Lexikon scheint mir die Rettung nahe zu bringen. Hier meint Bildung, knapp gefaßt, das Vor-sich-Gehen und Ergebnis einer „geistigen Formung des Menschen“ – mit dem Ziel, zur vollen Verwirklichung des Menschseins, zur Humanität zu gelangen (vgl. Ausführungen in dtv Brockhaus Wiesbaden und München 1986, Bd. 2, s. 266).

Gemeinhin ordnen wir diese offenbar notwendige Aufgabe in erster Linie den angeblich „unfertigen“ Menschen zu – also Kindern und Jugendlichen, wie unser Begriff „Bildungswesen“ bezeugt. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Sind junge Menschen nach Durchlaufen des vorgesehenen Bildungsweges „geformt“, „verwirklicht“, „human“? Sind wir wirklich fertig?

Oder erleben wir Erwachsenen uns nicht zunehmend als unfertig, als bruchstückhaft?

Was uns in Volkshochschulen, Bildungshäuser, Enneagrammkurse treibt, ist doch genau dieses Lebensgefühl: ungeformt zu sein, keineswegs verwirklicht, unfertigen Skulpturen gleich, wie sie auf der Vorderseite zu sehen sind.

Wir erleben uns als im Werden begriffen. Vielleicht sind wir „aus der Form gegangen“, haben zu starre Formen angenommen, erleben uns in Formen gepreßt, ungeformt oder verformt … So verbindet viele von uns die Sehnsucht, neue Formen zu finden, Form anzunehmen, Ausformung zu erfahren, wirklich Mensch zu sein.

In diesem Sinn könnte der Verfasser des 1. Johannesbriefes (Danke an M. Schlierbach für diesen Tipp!) eine der abgebildeten Skulpturen sein, die von sich und ihresgleichen sagt: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es … Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden …“ (1Joh 3,1–2)

Drei Beschreibungen – drei mal Trost für mich erst teilweise behauenen Stein.

Erstens: Ein Kind werden zu dürfen, das mit Förmchen im Sand spielt, Sandkuchen backt, gestaltet, verwirft, neu probiert. Zweitens: Im Verborgenen und mit genügend Zeit Form annehmen zu dürfen. Und zum dritten: Die Gewißheit zu haben, dem gütigen, liebenden Gott mehr und mehr ähnlich zu werden.

Herzlich grüßt Euch und Sie

Claudia Dienst-Mann

[aus: EnneaForum 18, November 2000, S. 2

Aus EnneaForum 18 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

]

Aus EnneaForum 18 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

Kommentare




Hier können Sie einen Beitrag dazu verfassen:

  Textile-Hilfe

Impressum: Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V. | Vereinsregister-Nr. 100528 Amtsgericht Lüneburg
Geschäftsstelle: Eveline Schmidt | Wehlstr. 23 | 29221 Celle | Tel. (05141) 42234 | info@enneagramm.eu
Web-CMS Textpattern || 2010 eingerichtet von Michael Schlierbach | Marktplatz 32a | 83115 Neubeuern | Tel. 08035 - 875930