Humorvolle Höhepunkte

beim diesjährigen Mitgliedertreffen des ÖAE

Eine Bildreportage von Andreas Caspari und Ludwig Zink

Regula Pavelka, Enneagrammkursleiterin und Komikerin bringt bei ihren Auftritten in einer überraschenden Szenenfolge anschauliche Beispiele der Enneagrammtypologie, die bei den Zuschauerinnen und Zuschauern spontanes Schmunzeln, hintergründiges Lächeln oder befreiendes Lachen auslösen, weil sie sich eben ertappt fühlen. Uns vom ÖAE bot Regula zwei Programme:

Das Putzprogramm mit der Lina, eine markante, selbstbewusste Persönlichkeit, die nicht nur mit ätzend scharfen oder schmierig sanften Putzmittel durch die schweizerischen Lande zieht, sondern verschiedene bodenständige Lebensweisheiten kennt und in diesem Programm jedem Enmneagrammtyp ein Putzmittel zuordnet. Das zweite Programm, das wir ebenfalls erleben durften, war das Märchen Rotkäppchen, das in einer Szenenfolge die Enneagrammtypen vorstellte und uns den Spiegel vorhielt. – In der Folge stelle ich Euch diese Szenen in einer sinngemässen Zusammenfassung, durch Fotos untermalt, kurz vor.

Regula tritt auf als: Typ I: Der belehrende Referent

„Ich begrüsse Sie ganz herzlich zum Märchen “Rotkäppchen‘. Was haben Märchen in dieser unzulänglichen Gesellschaft im Hier und Jetzt anzubieten? Sie sind eindeutig in ihrer Aussage: ‚Gutes wird belohnt, Böses vernichtet.‘ Dulden Sie das Böse nicht! Kämpfen Sie mit Ihrer Wut dagegen. Beherzigen Sie die Botschaft, die Ihnen entgegenkommt. 23 Weiterbildungsangebote stehen Ihnen bevor. Sie tragen den Titel: “Der einzige Weg zur Bekämpfung des Unperfekten.‘“

Typ II: Die liebenswürdige Oma

„Ich habe Euch etwas mitgebracht (sie teilt Bonbons aus). Ich bin sicher, jemand hat Halsweh. Es war einmal eine arme Familie. Die Mutter war sehr wahrscheinlich krank. Auch die Grossmutter war krank. Man durfte ihr fürsorglich und selbstlos das Essen bringen. Sie wohnte in einem grossen Wald voller Tiere. Das Kind war ideal auf seine Berufung vorbereitet. Es trug eine rote Mütze. Deshalb nannten die Eltern es das Rotkäppchen. “Bist Du bereit zur Oma in den Wald zu gehen?‘ Oh und wie es bereit war! Rotkäppchen hatte keine Angst. Sie wurde ja von den fürsorglichen Gedanken ihrer Eltern begleitet.“

Typ III: Die erfolgsorientierte Werbefachfrau

Regula erscheint mit Handy. Spricht ins Handy. Entschuldigt sich. Sie beginnt: „Stellen Sie sich vor das Rot des Käppchen im Grün des Waldes mit dem erdigen Braun des Waldbodens! Benutzen Sie solche eindrucksvollen Bilder, um erfolgreich zu sein. Rotkäppchen macht sich auf den Weg. Sie ist jung, hübsch, intelligent, voller Tatendrang und verfolgt das Projekt ‚Die Versorgung der Grossmutter‘ effizient und schnell. Bei der direkten Verfolgung Ihrer Ziele wünschen wir Rotkäppchen wie Ihnen allen viel Erfolg.“

Typ IV: Die esoterisch angehauchte Romantikerin

In einer auffallend originellen Kleidung mit violetter Stola beginnt sie etwas umständlich, das Räucherstäbchen auf dem Stuhl anzuzünden. Sie stellt sich dann in eine dramatische Pose. Die Hände ausgestreckt zum Himmel: „Die ersten Sonnenstrahlen verjagen die alles umschliessende Dunkelheit. O Rotkäppchen – Du nimmst die zauberhaften Düfte der melancholischen Landschaft wahr. Du pflückst und bindest die einfachen Waldblumen zu einem wahren Kunstwerk.“

Typ V: Der schrullige Wissenschaftler

Regula erscheint mit Brille und vier Büchern unter dem Arm, aus denen die Zettel hervorschauen, welche die verschiedenen Stellen markieren. Sie beginnt die Definition des Märchens vorzulesen: „Märchen sind phantasievolle Erzählungen, in denen die Naturgesetze aufgehoben sind und das Wunder vorherrscht.“

Dann kommt sie auf den Wald zu sprechen als grössere Fläche mit dichtem Baumbestand. Von Blumenwiese, wie sie die Vorrednerin angesprochen hat, sei nicht die Rede. Dann zum Wolf äussert sie sich: „‘Der Wolf ein dem deutschen Schäferhund ähnliches intelligentes Raubtier mit einem ausgeprägten Sozialverhalten.‘ – Ein Wolf in unseren Breitengraden? Ist der Wolf hier das geeignete Tier? Man hätte ihr besser einen deutschen Schäferhund mitgeben sollen. Aber der Wolf erscheint friedlich und er redet, aber ja wie heisst es doch: ‚Märchen sind Erzählungen, in denen das Wunder vorherrscht.‘Da wird uns also ein Märchen aufgetischt.“

Typ VI: Der nachdenkliche, verunsicherte Mensch

Selbst das Betreten der Bühne geschieht mit Widerwillen und in der Spannung des Hin-und her-gerissen-Seins. Regula beginnt: „Natürlich hatte das Rotkäppchen Angst vor dem Wolf, aber ich denke, auch der Wolf hatte Angst vor dem Rotkäppchen. Bevor Sie das Märchen vorlesen, reden Sie mit dem Kind unbedingt über seine Ängste. Der Wolf fragte also das Rotkäppchen nach dem Weg, dem Wohnort der Grossmutter und nach ihrem Vorwort. Rotkäppchen: ‚Warum willst Du das wissen?‘ Der Wolf: ‚Zweifelst Du an meiner Loyalität?‘ Widerstrebend gibt Rotkäppchen Auskunft. Auf die Frage: ‚Darf ich Dich begleiten?‘, willigt Rotkäppchen ein, geht es ihr ja darum, möglichst rasch ihre Pflicht zu erledigen und der Angst vor dem Wolf zu begegnen.“

Typ VII: Die unternehmungslustige Geschichtenmacherin

„Hey Fans. Na, ich habe nur einen Rollschuh an, am anderen Fuss ein Turnschuh. Man lässst sich ja noch eine andere Option offen. Was wird da umständlich erzählt ? Kurzfassung ist heute angesagt: Rotkäppchen und Wolf im Raumschiff ‚Enterprise‘ unterwegs. Der Schnellere ist der Geschwindere. Notruf der Grossmutter. Ragazzappazukk: Grossmutter entmaterialiseirt. Rotkäppchen entmaterialisiert. Enterpriseunternehmen Wolf gestoppt. Ja, macht was draus! Ich muss weiter.“

Typ VIII: Cool and the Gang

„Man muss doch dem Wolf was entgegensetzen! So kommt denn der Jäger nach dem Kampf mit einem Eber mit solchen Hauern (Regula breitet die Arme weit aus) aus dem Wald. Kommt auf die Lichtung des Hauses der Grossmutter. Schulter voran durchs geschlossene Fenster. Wolf schläft. Was? Keine Frage: Jäger wollte doch kämpfen. Bauch aufgeschlitzt. Grossmutter raus, kleine Göre raus. Bauch mit Steinen gefüllt, Wolf im Brunnen versenkt. Echt stark.“

Typ IX: Die gutmütige Gute-Nacht-Erzählerin

„Ich bin froh, dass die Geschichte erzählt ist. Das Problem hat sich von selbst gelöst. Ich habe die Geschichte immer und immer wieder gelesen. Ich las sie aus der Sicht aller Beteiligten. Ich konnte sie alle verstehen. Auch wenn Sie das nicht verstehen, verstehe ich Sie. Die ganze Geschichte wäre eigentlich nicht nötig gewesen, wenn Rotkäppchen zu Hause geblieben wäe. Die ganze Aufregung, das ganze Drama ist eigentlich unnötig. In diesem Sinn schlaft wohl!“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten solchen Spass an der bunten Szenenfolge, dass der Applaus kein Ende finden wollte.

Wer seine Enneagrammtagungen humorvoll würzen möchte, dem sei Regula mit ihren sanften und schrillen Tönen und ihrer ganzen Vielfalt des Lebens empfohlen.

Allen Interessentinnen und Interessenten sei hier noch die Adresse von Regula mitgeteilt:

Regula Pavelka
Häbnisgasse 434
CH-5704 Egliswil
Tel. 0041 /(0)62 775 08 08
Natel 079/352 45 67

[aus: EnneaForum 17, Mai 2000, S. 26-27

Aus EnneaForum 17 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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