Anyway – Die 10 paradoxen Gebote und ihre Parallelen zum Enneagramm

von Dr. Alexander Pfab, Rosenheim
Als Anwender und Lehrer des Enneagramms bin ich besonders begeistert, wenn ich sehe, dass das Enneagramm nicht isoliert in der Welt steht, sondern Verbindungen zum Leben als solchem und Erscheinungen in ihm aufweist. Das zeigt seine Klugheit und ermöglicht uns, selbst ein bisschen klüger zu werden, wenn wir diese Querverbindungen erforschen und näher untersuchen. Eine solche Verbindung zeige ich hier auf. Es ist ein Versuch des Aufbruchs zu neuen Ufern. Ob er zu einer stattlichen Insel führt oder nur auf eine Sandbank wird die Zeit erweisen.
I. Was sind die 10 paradoxen Gebote?
Kent M. Keith hat im Jahr 2001 ein Buch vorgelegt, das im englischen Originaltitel „Anyway – The Paradoxical Commandments“ lautet. Es wurde in insgesamt 27 Sprachen übersetzt, ist also weltweit rezipiert. Die deutsche Übersetzung ist mit dem Titel „Anyway – Die paradoxen Gebote – Den Sinn des Lebens finden in einer verrückten Welt“ sehr nahe am Original geblieben. Das Vorwort zur deutschen Ausgabe stammt von dem deutschen evangelischen Theologen Werner Tiki Küstenmacher, der durch die Simplify-Reihe und jüngst durch Gott 9.0 weithin bekannt ist. Das Hörbuch aus dem Argon-Verlag, das von Anyway erschienen ist, spricht er sogar vollständig selbst (Buch ISBN 978-3-424-15205-0, Hörbuch 978-3-8398-8022-7).
Um Missverständnissen vorzubeugen: Die 10 paradoxen Gebote sind keine Kritik an den 10 Geboten des Alten Testaments der jüdischen und christlichen Glaubensgemeinschaften. Weder stellen sie diese in Frage, noch ergänzen oder verändern sie diese. Sie sind vielmehr ein anderer Blick auf eine moderne Welt voller Widersprüche und ohne per se gegebenen und leicht auffindbaren Sinn. Anders ist nicht erklärbar, dass sogar die Heilige Mutter Theresa selbst 8 der 10 paradoxen Gebote im Shisbu-Bhavan-Waisenhaus in Kalkutta ausgehängt hatte.
Keith ist, wenn man seiner Biografie glauben darf, ein wahrer Tausendsassa und in der Geschäftswelt fest verwurzelt. Er hat an der Harvard University studiert und war Stipendiat in Oxford und Tokio. Er arbeitete als Rechtsanwalt, Beamter der Staatsregierung, Entwickler im Hochtechnologiesektor, Präsident einer privaten Hochschule, diplomierter Hochschullehrer und als Gemeindeorganisator. Heute lebt er auf Hawaii. Betrachtet man die Art, wie er sich selbst seinen Lesern präsentiert und seinen Lebenslauf darstellt, könnte man annehmen, dass er im Enneagramm dem Grundtyp DREI zuzuordnen ist.
In seiner akademischen Ausbildung verband er insbesondere die Bereiche Rechtswissenschaft und Pädagogik, die sich auf den ersten Blick fern, auf den zweiten Blick durchaus nahe liegen. Die paradoxen Gebote können als Verbindung, ja Synthese, der beiden Fachbereiche verstanden werden: Vorschriften, denn nichts anderes sind Gebote, sollen zur Erziehung bzw. zum Wachstum des Menschen beitragen, einem wesentliches Ziel der Pädagogik. Die 10 paradoxen Gebote sind also ein Brevier zur Sinnfindung und Selbstentwicklung in einer Welt, in der jeder vor der Aufgabe steht, den Sinn seines Lebens zu finden.
Keith weist darauf hin, dass die paradoxen Gebote Teil eines Büchleins waren, das er bereits 1968 unter dem Titel „Die stille Revolution: Dynamisches Führungsverhalten in der Schülervertretung“ veröffentlicht hat; sie sind damit gewissermaßen Teil seines „Frühwerks“, wenn man die Gedanken eines jungen ehrgeizigen Schülers so bezeichnen will.
Die Gebote bestehen jeweils aus einer kurzen, aus einem Satz bestehenden, ernüchternden Bestandsaufnahme der Welt, aus der Keith dann eine paradoxe Handlungsanweisung folgert. Die Paradoxie dieser Gebote begründet der Autor so: „Weil die Welt verrückt ist (und nicht du), wirst Du den Sinn im Paradox finden. Ein ‚Paradoxon‘ ist eine Idee, die der normalen Meinung entgegensteht, etwas, das dem allgemeinen Empfinden widerspricht und doch wahr ist.“ Die paradoxen Gebote sind also ein Aufruf zu bewusst kontraintuitivem Verhalten. Wer das tut, schaltet seinen inneren Autopiloten ab und übernimmt selbst das Steuer. Darum geht es, wenn Selbstentwicklung wirklich gelingen soll.
Jedes der Gebote unterlegt Keith mit einer Anekdote aus seinem Leben. Sie ist zum Verständnis nicht erforderlich und strengt zum Teil beim Lesen an, weil sich der Autor darin durchaus schillernd präsentiert. In der Übersicht lauten sie wie folgt…..
Der komplette Artikel kann dem Enneaforum Heft Nr. 47 entnommen werden.

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