Von Hitze und Schätzen - ein Erfahrungsbericht vom Stand des ÖAE auf dem Stuttgarter Kirchentag, 03.-07. Juni 2015

„Guten Tag, kennen Sie das Enneagramm?“ Mit diesem Satz haben wir auf dem Kirchentag in Stuttgart all die Menschen angesprochen, die sich trotz der dampfenden Hitze in die Zelte auf den Markt der Möglichkeiten gewagt haben. Unser Stand vom ÖAE hatte seinen Ort glücklicherweise gerade gegenüber einem offenen Eingang ? und jedes Lüftchen im Gespräch war eine wahre Erquickung! Denn es kamen viele Gespräche über die Theke in Gang. Die meisten der Menschen blieben stehen, weil sie entweder noch gar nichts, ein bisschen oder schon ganz viel vom Enneagramm gehört hatten. Bis auf diejenigen natürlich, die freundlich dankend den Kopf schüttelten: „Seien Sie mir nicht böse, aber ich kann heute gar nicht mehr sprechen!“ Denen haben wir in großem Verständnis stillschweigend lächelnd zugenickt. Andere wiederum verweilten lange. Z.B. die beiden Frauen, die zu einer der Einführungen kamen, die jede volle Stunde angeboten wurde. Sie sind im Anschluss einfach auf den Papphockern sitzen geblieben, haben eifrig das ausgelegte Material gelesen und uns in ein langes Gespräch verwickelt. Es scheint, sie haben etwas gefunden für sich, zumindest an diesem Nachmittag. Überhaupt hat es mir gut gefallen, die Gesichter zu beobachten, während meine Standkollegen oder ich vom Enneagramm erzählten. Vom wissenden Lächeln über ablehnende Verwunderung bis hin zu dem deutlichen Versuch, sich überhaupt nichts anmerken zu lassen, konnte ich eine ganze Palette von Gedanken und Empfindungen sehen. Und besonders schön fand ich, wenn der Blick begann, sich nachdenklich und prüfend nach innen zu wenden: ein Schritt in die Richtung des Schatzes in uns. Die sind, auch wenn sie meistens klein sind, doch niemals umsonst! Und es war eine bereichernde und lohnende Aufgabe auf dem Kirchentag an diesen Schritten und allen, die vielleicht noch folgen werden bei den Einzelnen, beteiligt zu sein.
Auch für mich persönlich habe ich Einiges dazu lernen und neu auffrischen können. Als Standwerbung hatten wir riesengroße bunte Brillen aufgehängt, um anzuzeigen, dass es sich beim Enneagramm um eine bestimmte Sicht auf sich selbst, die Mitmenschen und unsere Beziehungen handelt, die etwas Bestimmtes zu sehen gibt. Etwas, das vielleicht oft sonst leicht im Dunkeln bleibt: unsere Annahmen davon, wie etwas zu sein hat, wovor wir Angst haben oder warum wir uns in bestimmten Situationen besonders sicher oder hilflos fühlen ? und viele weitere solcher un- oder nur halbbewussten Vorgänge. Die Enneagrammbrille aufzusetzen, erlaubt es dadurch auch, grundsätzlich darauf aufmerksam zu werden, wie sehr wir immer bestimmte Brillen aufhaben, mit denen wir in die Welt gucken. Und vielleicht ja auch mal versuchsweise die meines Nachbarn aufzusetzen …
Dadurch werden Schätze sichtbar, die auch für den Umgang mit dem Enneagramm als solchem gelten. Es war bereichernd, die Kolleginnen und Kollegen vom ÖAE zu erleben wie sie die Einführungen gaben, auf die Leute zugingen und von ihrer Erfahrung mit dem Enneagramm berichteten. Das hat auch mich wieder neu zum Nachdenken gebracht. Aber nicht nur zum Nachdenken, sondern, und das hat für mich gut zur sonstigen Stimmung des Kirchentages gepasst: auch zum Brillenwechsel Richtung Rosa. Dafür und für alle Gespräche, die mit dem Standteam und den Besucherinnen und Besuchern zustande kamen, herzlichen Dank!
Johanna Breidenbach

Anmerkung der Redaktion: Wer sich ein Bild von der Arbeit des ÖAE auf dem Kirchentag machen möchte, der findet einen kurzen Film auf YouTube unter diesem Link: https://youtu.be/JJjNJGa3_Ns

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