Panel-Arbeit - Jahreshauptversammlung 1999

Ich berichte von meinen Erfahrungen als Zweier in einem Panel, das Heidi von Wedemeyer geleitet hat.

Mit einer Geschichte, die Zweier so und ähnlich erlebt und aufgeschrieben haben, stimmt sie uns ein:

„… du hast den Betriebsausflug gut vorbereitet; nun hält der Bus an einem Lokal, die Leute steigen aus und suchen sich ihre Plätze. Du gehst von Tisch zu Tisch, schaust, ob alle zufrieden sind. Aber da sitzen drei Teilnehmer an einem runden Tisch, die unbedingt an einem eckigen sitzen wollen …”

An dieser Stelle raste ich ein und erzähle: Natürlich würde ich jetzt sofort vesuchen, einen eckigen Tisch aufzutreiben. Aber tief im Bauch würde auch schon Ärger aufsteigen über soviel Ignoranz angesichts all meiner Bemühungen um den Ausflug. Den Ärger zeige ich nicht; wer weiß, ob sie mich dann noch mögen. Ich gucke also freundlich und suche einen eckigen Tisch. Und doch spüren die anderen, daß etwas nicht stimmt …Ich spüre an dieser (natürlich überzeichneten) Geschichte sofort die Abgründe, an denen ich schon mehrmals gescheitert bin. Die anderen TeilnehmerInnen des Panels klinken sich umgehend ein und steuern aus ihrer Biographie reiches Erfahrungsmaterial bei. Die Leiterin des Panels führt dann geschickt durch diese Erfahrungen und zugehörigen Verhaltensweisen zu den Hintergrundfragen, zum Beispiel:

„Wo bleibt die Zwei mit ihrer Wut oder Enttäuschung, wenn ihr Tun durch das Verhalten der Teilnehmer mißachtet wird?“ Mir fällt mir ein: Eine große Konfirmandenfreizeit mit guter Stimmung, dann endlich Ruhe, bis nachts um 3 eine Truppe von Jungs noch einmal die Mädchen besuchen muß … Wütend fahre ich aus dem Bett und falte die Konfis zusammen. Jetzt ist Ruhe, aber ich schlafe den Rest der Nacht nur schlecht in Erwartung, jetzt sei die ganze gute Atmosphäre der Vortage kaputt. Weit gefehlt: Die Stimmung ist ruhig und ausgeglichen am nächsten Morgen, den Konfirmanden geht es gut; mir dann langsam auch wieder …Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen weiß ich seitdem, daß Beziehungen nicht am ehrlichen Umgang mit meinen Gefühlen zerbrechen, sondern sogar wachsen können. Im Verhältnis zu Erwachsenen arbeite ich noch daran …

Eine nächste Frage:
„Warum muß sich die Zwei immer um andere kümmern, auch wenn sie selbst schon am Boden liegt?“

Meine Nachbarin erzählt, wie sie selbst auf der Krankenstation noch prüfte, wessen Hilfe, die ihr längst angeboten war, den Helfer am wenigsten belasten würde. Das weckt in mir die Erinnerung an eine Jugendfreizeit in Schweden: Mit hohem Fieber lag ich im Zelt, irren Träumen ausgeliefert und unfähig, noch irgendwie mitzuwirken, geschweige denn zu leiten. Die Jugendlichen organisierten sich selbst, gestalteten die Zeit, kochten das Essen und machten Ausflüge, durch meine Krankheit an nichts gehindert. Eine gute Erfahrung eigener Entbehrlichkeit. Wegweisend.

Heidis Fragen sind direkt und doch freundlich; die Atmosphäre im Plenum empfinde ich als aufmerksame Sympathie, sympatische Aufmerksamkeit. Das macht es leicht, sich auf die Fährten einzulassen, die Heidi auslegt. Vier verschiedene Zweier antworten auf dieselben Fragen – individuell und doch gleiche Grundmuster aufzeigend. Es ist eine Lehr- und Lernsituation zugleich, weil mich die Fragen selbst voranbringen und gleichzeitig hören lassen auf „parallele“ Lösungswege.

„Wie bekommt die Zwei Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen? – Woran können wir Nicht-Zweier erkennen, daß ihr Hilfe braucht?“ – Jede der Fragen hat eine Energie, als würde ein neues Faß angestochen.

Mich hat diese Teilnahme am Panel tüchtig in Bewegung gebracht. Für diese Energiezufuhr bin ich sehr dankbar. Die anderen Panels habe ich mit Interesse und Gewinn verfolgt. Allein, mir scheint, unter einer Stunde dürfte ein solches Podiumsgespräch nicht abgehen, möglichst länger, damit man den zentralen Fragen nicht aus Zeitnot entkommt.

Bernhard Kuhlmann

[aus: EnneaForum 17, Mai 2000, S. 22

Aus EnneaForum 17 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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