Buchbesprechung - Überarbeitung eines Bestsellers

„Das Enneagramm“ von Richard Rohr und Andreas Ebert in der Neuauflage 1999

Ohne Frage ist „Das Enneagramm“ von R. Rohr und A. Ebert für die meisten ÖAE-Mitglieder das Buch der ersten Begegnung mit dem Enneagramm. Richard Rohr war es, der damit als Erster das Enneagramm in Deutschland bekannt machte und 1989 gemeinsam mit Andreas Ebert dieses einführende Buch veröffentlichte. Es war wie ein Startschuss mit dem Ergebnis, dass in Folge eine Fülle von Buchveröffentlichungen zu diesem Thema erscheinen sollten. Innerhalb weniger Jahre machten sie das Enneagramm erstaunlich populär. Und es waren sehr bald nicht nur Bücher, die uns das Enneagramm näher brachten. Es erschienen u.a. Spiele und Videos, CD-Rom und PC-Programme. Auch unser Verein wurde in dieser Anfangszeit gegründet und trug mit zur Verbreitung und Klärung des Enneagrammgedankengutes bei.

Zehn Jahre weiter erschien nun die überarbeitete Neuauflage des Standardwerkes. Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Es handelt sich bei der Neuauflage um eine behutsam renovierte Fassung, in der die Erstauflage erkennbar bleibt. Der Charakter des Buches ist ganz der alte, denn in weiten Passagen ist die Neuauflage völlig identisch mit der Erstausgabe. Und das scheint auch gut so zu sein. Ein „Erfolgsmodell“ sollte man ohne Not doch wohl nur behutsam ändern.

Es gibt vor allem drei bemerkenswerte Veränderungen, die ins Auge fallen. Die erste betrifft die Herkunft des Enneagramms. Sie wird nicht mehr allein der sufistischen Tradition zugeordnet, sondern den Wüstenvätern, mithin einer christlichen Quelle. In der „Lehre von den Leidenschaften“ des Evagrius Ponticus aus dem 4. Jh. n. Chr. wurden von Andreas Ebert und Anderen erstaunliche Parallelen zum Enneagramm entdeckt. Dieses Werk wird als die älteste Quelle dieser Art und Ursprung auch der sufistischen Enneagrammtradition bezeichnet. Das genannte völlig neu geschriebene Kapitel wird mit Sicherheit nichts daran ändern, dass die Herkunft des Enneagramms weiter umstritten bleiben wird. Ich persönlich halte es auch nicht für so entscheidend, ob die älteste Quelle nun christlich, islamisch oder gar neuzeitlich ist. Entscheidend für mich ist die Frage, ob es im Widerspruch zu meinem christlichen Glauben steht oder ihn, wie ich finde, wunderbar ergänzt und in den weiten Raum passt, in den wir als Christen gestellt sind.

Die zweite Veränderung des Buches betrifft die Personenbeispiele, die Rohr/Ebert zur Illustration der Typen anführen. Viele der bisherigen Persönlichkeiten sind uns europäischen Christen einfach zu unbekannt gewesen, und es macht Sinn, hier uns bekanntere Beispiele anzuführen.

Die dritte Veränderung betrifft die Bebilderung des Buches. Ich will meine Begeisterung für die Fotos von Andreas Caspari nicht verhehlen, dem es auf so unnachahmliche Weise gelungen ist, uns die 9 Typen so originell und überzeugend nahe zu bringen. Das ist bemerkenswerte Fotokunst.

Die entscheidende Frage für viele von uns zuletzt: Lohnt es sich die Neuauflage zu erwerben? Ich antworte mit einem eindeutigen: „Es kommt drauf an“. Für Neuinteressierte, die das Buch von Rohr/Ebert bisher nicht kannten, ist eine Anschaffung sicherlich sinnvoll. Sie sollten je nach Geldbeutel allerdings u.U. warten, bis die preiswertere Paperbackausgabe erscheint.

Für diejenigen unter uns, die die Erstauflage bereits besitzen, lässt sich kein eindeutiger Ratschlag geben. Es kann für Liebhaber Sinn machen, die schöne gebundene Neuauflage zu erwerben. Aber auch den an den Neuerungen Interessierten darf die Anschaffung selbstverständlich empfohlen werden. Denn die Art und Weise, wie das Enneagramm von Rohr/Ebert dargestellt wird, hat immer noch eine erhebliche Ausstrahlung und Faszination. Dieses Buch wird auch in Zukunft das Standardwerk in Sachen Enneagramm bleiben.

Ulrich Krämer

[aus: EnneaForum 17, Mai 2000, S. 16

Aus EnneaForum 17 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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