Bewußtes Gehen - Das Labyrinth

Labyrinthe haben als Sinnbild für die Wege im Leben schon immer Menschen fasziniert. So finden sich auch in vielen Kirchen begehbare Labyrinthe, das berühmteste davon ist wohl das von Chartes aus dem 12. Jahrhundert, das hier abgebildet ist.

Dabei finden sich ganz unterschiedliche Umgangsweisen mit dem Labyrinth:

Einerseits das Durchschreiten als Bußübung, als ganzheitliches Suchen nach der Mitte, wobei die Pilger dann den Weg des Labyrinths auf Knien unter Gebet durchrutschten. Mehrere solcher Labyrinthe in Nordfrankreich bildeten den Chemin de Jerusalem („Weg nach Jerusalem“), ein Ersatz für die Pilgerreise ins Heilige Land.

Wege und Umwege des Lebens werden dabei betend bedacht.

Andererseits kann das Labyrinth aber auch mit Tanz in Verbindung stehen:

„In Auxerre und Sens tanzten am Ostersonntag Kapitel und Bischof bzw. Dekan um das Labyrinth. In Sens wurde sogar 1413 das Spielen auf dem Labyrinth während des österlichen Festgottesdienstes verordnet. ‚Wahrscheinlich hat es sich hier um ein Ballspiel, verbunden mit dem Reigentanz gehandelt‘. Der jeweils zuletzt eingeführte Kanoniker hatte die Aufgabe, einen großen Ball zu beschaffen, den er dem Dekan weitergab. Dieser begann im Dreierschritt singend den Weg ins Labyrinth mit dem Ball einzuschlagen, während sich die anderen an den Händen faßten und um das Labyrinth im Reigen tanzten. Während des Tanzes warf der Dekan den Ball den ihn Umringenden zu. Vermutlich ist der Ball in diesem Zusammenhang Bild der aufgehenden Sonne, die ihrerseits Bild für Christus ist. Der Ball als Sonne signalisiert das Ende der Karfreitagsfinsternis. An Ostern ;wird die Auferstehung Christi gefeiert, sein Sieg über die Welt der Sünde, über das Labyrinth, das durch den Reigen der Tänzer eingeschlossen, in seiner magischen Wirkung neutralisiert wird‘“. Später wurde das Spielen leider abgelehnt und verboten. Aber als Sinnbild für den verschlungenen Weg zur Mitte ist das Labyrinth im Bewußtsein geblieben.

Ruth Künzel

(mit Zitaten aus Hermann Kern, Labyrinthe)

Ich mache mich auf,
um die Mitte zu finden,
das Ziel meines Lebens.
Wenn ich es sehen kann,
ist der Weg dahin gerade und leicht.
Aber auf Umwege wird mein Schritt geführt.
Mein Gott,
wie viele Biegungen liegen noch vor mir?
Manchmal glaube ich, am Ziel zu sein.
Dann wieder stehe ich fast am Anfang.
Zögernd taste ich mich voran.
Ich erfahre:
Jede Umkehr bringt mich Dir näher,
kein Schritt ist vergeblich vor Dir.
Ehe ich es verstehe,
liegt die neue Spur für mein Leben
vor mir.

(Deutscher Evangelischer Kirchentag, Frankfurt 1989)

[aus: EnneaForum 17, Mai 2000, S. 7

Aus EnneaForum 17 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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