Buchbesprechung - Enneagramm Fastfood

Angela Reith
Das Minuten-Enneagramm. Der kurze Weg zur Selbsterkenntnis
Moers: Brendow-Verlag 2000
78 Seiten, DM 16,95

Jetzt neu von Dr. Oetker: das „Minuten-Enneagramm“. Einfach fünf Minuten lesen, umrühren, schon fertig!

Im Ernst: Mehr als fünf Minuten sollten Sie für das neuste „Enneagramm Light“ nicht investieren. Und schon gar nicht sollten Sie dm 16,95 dafür ausgeben. Ich nenne Ihnen drei Gründe, die dagegen sprechen:

Erstens: Das Enneagramm versteht man nicht in ein paar Minuten. Sicherlich, wer das Buch von Angela Reith liest, versteht das Prinzip. Vielleicht entsteht hier und da sogar eine Ahnung davon, was mit den äußerst kurzen Typbeschreibungen gemeint sein könnte. Doch das Enneagramm in seiner Tiefe zu erfassen (und nur das macht Sinn), braucht Zeit. Viel Zeit. Jedenfalls mehr als ein paar Minuten. Holen Sie lieber den alten Schinken von Rohr/Ebert oder Helen Palmer noch mal hervor, auch wenn‘s zum fünften Mal ist. Und wenn sich in Ihrem Bücherschrank noch kein solcher Klassiker befinden sollte, dann legen Sie lieber ein paar Mark drauf, und kaufen Sie einen. Sie haben mehr davon, ich verspreche es Ihnen.

Zweitens: Den „kurzen Weg zur Selbsterkenntnis“, den der Untertitel verspricht, den gibt es nicht. Selbsterkenntnis braucht Zeit. Viel Zeit. Wahrscheinlich braucht es ein ganzes Leben, um sich selbst zu verstehen. Sicher, wir können diesen Prozess beschleunigen, und das Enneagramm ist dafür ein geeignetes Werkzeug. Doch die Hoffnung auf einen „kurzen Weg zur Selbsterkenntnis“ ist eine Illusion.

Und drittens: Wie jedem Fastfood-Produkt, so mangelt es auch diesem Buch an Qualität. Inhaltlich bringt Angela Reith absolut nichts Neues. Hier wird lediglich das Alte noch einmal aufgewärmt, wie in so vielen anderen Einführungsbüchern zum Enneagramm, mit denen der Markt seit Jahren überschwemmt wird. Man kann sich nur wundern, dass es sich offenbar immer noch lohnt, solche Literatur zu produzieren. Sicher, nicht in jedem Buch muss etwas Neues stehen. Wer die Gabe hat, das Alte neu zu sagen, besonders anschaulich oder präzise vielleicht, der soll dies tun. Doch die Autorin tut weder das eine noch das andere. Stattdessen herrschen hektischer Spiegelstrich-Stil und banale Oberflächlichkeit vor. Welchem Muster beispielsweise würden Sie die folgende Aussage zuordnen: „Ich vergleiche mich mit anderen“? Oder diese: „Ich kann mich manchmal stundenlang meinen Interessen widmen“? Und bitte bedenken Sie: Es gibt angeblich nur eine richtige Antwort.

Kurz, der Buchtitel „Minuten-Enneagramm“ scheint einen dreifachen Sinn zu haben. Es ist, erstens, für diejenigen geschrieben, die sich in Minutenschnelle einen Überblick über das Enneagramm verschaffen wollen. Es will, zweitens, suggerieren, das Enneagramm ermögliche einen minutenschnellen Weg zur Selbsterkenntnis, einen Weg mit minimalem Aufwand. Und schließlich hat man, drittens, den Eindruck, das Buch selbst sei in wenigen Minuten geschrieben worden.

Aber es will ja auch eigentlich nur einen „Vorgeschmack“ (78) des Enneagramms vermitteln. Ob man durch die Lektüre dieses Minuten-Büchleins tatsächlich auf den Geschmack kommt, das wage ich jedoch zu bezweifeln.

Johannes Bartels

[aus: EnneaForum 19, Mai 2001, S. 34

Aus EnneaForum 19 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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Aus EnneaForum 19 (), S. © Ökumenischer Arbeitskreis Enneagramm e.V., Celle. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ökumenischen Arbeitskreises Enneagramm.

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